Theos zweite Reise
Roman über die Rettung der Erde
(tos).
In dem ersten Jugendroman von Catherine Clément, „Theos
Reise“, war es der junge Theo, der mit seiner Tante Marthe auf
Reisen ging und der so seine Leukämie besiegte. Im Fortsetzungsband „Theos
zweite Reise“ ist es Tante Marthe, die jetzt auf dem Krankenbett liegt.
Theo, der als seine Tante eines Nachts bei ihm anruft gerade dabei ist, sich
auf ein Stipendium für Umweltstudien zu bewerben, entschließt sich
kurzerhand, mit ihr auf Reisen zu gehen. Dabei verbindet der 30-jährige
Theo das Notwendige mit dem Nützlichen: Unterschiedlichste Orte und Gebiete
stehen auf dem Reiseplan, und Theo gelingt es nicht nur, Tante Marthes Lebensgeister
wieder zu wecken, er kann zugleich Materialien zu Umweltfragen wie Verwüstung,
Atomkraft oder Pipelines für seine Bewerbung sammeln. Asien, Afrika, Nordamerika
und Europa werden gemeinsam angeflogen.
Es kommt im Laufe der Reise eine illustre Reisegruppe zusammen, die es immer wieder schafft, Theo aus seinem Konzept zu bringen. Da ist die religiöse Bedeutung des Ganges, die einfachen ökologischen Konzepten zur Säuberung des Flusses entgegensteht, ökonomische Zusammenhänge wie etwa am Aralsee, ökologische Maßnahmen wie Robbenfangquoten, die die Lebensgrundlagen der Urbevölkerung zunichte machen. Theo stößt bei seiner Reise auf Umweltverschmutzung, Abholzung des Regenwaldes, die Dürre der Sahelzone, das Verschwinden des Aralsees („die größte ökologische Katastrophe der Welt“), Boden, der nicht mehr fruchtbar ist, und Naturvölker, die am Aussterben sind. Spätestens wenn es um Atomkraft geht, ist es verständlich, dass die Politik in Fragen der Ökologie nie außer Acht gelassen werden kann: Darf man aus Umweltschutzgründen für Atomkraft sein? Theo zumindest kommt darüber ins Grübeln. Aber auch Kultur und Religion, dies muss Theo erkennen, dürfen nicht vernachlässigt werden, wenn es um den Umweltschutz geht. Ob in Iqaluit bei den Inuit oder in Kamerun bei den Pygmäen: Theo, dem Idealisten, wird schmerzlich bewusst, dass keine allzu einfachen Antworten auf die drängenden ökologischen Probleme möglich sind. Und so handelt das Buch, aus dem Französischen von Tobias Scheffel und Maja Ueberle-Pfaff übersetzt, zugleich auch von ökonomischen Zwängen, von traditionell unterschiedlichem Umgang mit der Natur, von der Abwägung von Interessen (etwa bei der Frage nach dem Nutzen der Atomenergie) und landet schließlich bei dem Philosophen Claude Lévi-Strauss und der Frage, ob Menschenrechte auch für Tiere gelten.
Keine Frage, „Theos zweite Reise“ ist ein lehrreiches Buch für Jugendliche ab 14 Jahren, das Catherine Clément geschrieben hat. Wenn auch die Diskussionen zwischen den Reisebegleitern gelegentlich den Leser etwas ermüden, so gelingt es dem Roman doch, viel Wissen zu vermitteln und den Leser zum Nachdenken anzuregen. Um beim Lesen den Überblick zu gewährleisten, ist im Vorsatz eine sehr nützliche Karte mit der Reiseroute eingefügt, im Inhaltsverzeichnis ist jedes einzelne Kapitel in wenigen Sätzen zusammengefasst, ohne allerdings zu viel zu verraten. Dies sei aber noch angedeutet: Der Schluss des Buches überrascht.
Autorenportrait:
Catherine Clément wurde 1939 in Paris geboren, studierte Philosophie und Psychologie, arbeitete bis 1964 als Lehrerin und danach 14 Jahre als wissenschaftliche Assistentin an der Sorbonne. Anschließend war sie als Kulturredakteurin für die Pariser Tageszeitung „Le Matin“ tätig. Als Gattin des französischen Botschafters lebte sie unter anderem in Dakar, Indien, Wien und Prag. Sie schrieb viel beachtete Essays, wissenschaftliche Werke und zwölf Romane und wurde mit Literaturpreisen ausgezeichnet. 1998 erschien ihr Bestseller „Theos Reise“.
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