Das Buch der verlorenen Dinge

Eine abgründige Reise in die Welt der Romanfiguren

Das Buch der verlorenen Dinge(mag). Wie wäre es, wenn man als Leser durch eine Welt reisen könnte, die sich aus Büchern, die man gelesen hat, sowie der eigenen Phantasie und Ängsten zusammensetzt? Diese Gedankenspielerei ist die Grundidee des Abenteuerromans „Das Buch der verlorenen Dinge“ von John Connolly.

 

London, während des Zweiten Weltkriegs: Nach dem Tod seiner Mutter ist der 12-jährige David ein tieftrauriges Kind. Der Vater verheiratet sich wieder, die Familie zieht in ein altes Anwesen, und sein Stiefbruder wird geboren. „Das Buch der verlorenen Dinge“ von John Connolly erzählt, wie David immer wütender, eifersüchtig und verletzter wird. Er zieht sich in sein Zimmer zurück. Als seine Mutter noch lebte, hat die beiden die Liebe zu Büchern verbunden, und so flüchtet sich David ins Lesen. In seinem neuen Zimmer stehen viele alte Bücher, die einst einem Jungen gehört haben, der zusammen mit seiner Adoptivschwester vor Jahren spurlos verschwunden war. David stellt seine Bücher dazu. Eines Tages meint David, die Stimme seiner Mutter, die nach ihm ruft, zu hören. David geht der Stimme nach und kommt in den Garten. Während er im nächtlichen Park nach seiner Mutter sucht, stürzt ein Flugzeug auf das Anwesen. Durch den Aufprall wird David in ein fremdes Land geschleudert.

 

Als er zu sich kommt, sieht er sich von sonderbaren Kreaturen umgeben. Er befindet sich in einer Welt, die von Figuren aus Büchern bevölkert sind. David stellt schnell fest, dass dieses Reich sehr feindselig ist. Er wird von wolfähnlichen Tieren bedroht, Trolle und Harpyren trachten nach seinem Leben, und Straßenräuber überfallen ihn. David möchte zurück in sein altes Leben. Dafür braucht er die Hilfe des alten Königs. Doch der Weg zum Schloss ist voller Gefahren…

 

Der Ire John Connolly beschreibt ein grausames Königreich, das von Fabelwesen, Sagen- und Märchengestalten bewohnt ist. Doch die Wesen haben sich verändert: In dieser Welt hat das Rotkäppchen den Wolf verführt und mit ihm grausame Zwitter gezeugt, Schneewittchen ist eine herrische Tyrannin, und der schwule Ritter Roland sucht sein vermissten Freund. Da David auch Bücher über Panzer gelesen hat, kommt er auf seinem Weg zum Schloss des alten Königs an einem Blut durchtränkten Schlachtfeld vorbei. „Das Buch der verlorenen Dinge“ ist voller Grausamkeiten, wie abgetrennten Köpfen, spritzendem Blut sowie verschleppten und getöteten Kindern, so dass der Roman nicht zu den Märchenbüchern sondern eher ins Horrorfach gehört und so erst für junge Erwachsene geeignet ist. Der Abenteuerroman wurde von Claudia Feldmann aus dem Englischen übersetzt. Der stellenweise lieblosen Übersetzung hätte eine Überarbeitung gut getan.

 

 

Das Buch ist eine fesselnde Fantasiegeschichte voller interessanter Einfälle. So träumen zum Beispiel die sieben Zwerge von einer kommunistischen Revolution, was zu sehr hitzigen Debatten führt. John Connolly hat ein Buch über das Erwachsenwerden , über das Lesen und den Einfluss von Büchern auf die Phantasie und das Weltbild von jungen Leuten geschrieben. Dem Autor gelingt es, eine sehr spannende Geschichte in einem literarischen Stil zu beschreiben. Er beschreibt die Phantasiewelt äußerst detailliert und anschaulich, die Gefühle der Personen sind gut nachvollziehbar. Eine ungewöhnliche Geschichte, die gut erzählt ist.

 

Davids Erlebnisse sind der reinste Horrortrip. Für hart gesottene Liebhaber dieses Genres ist „Das Buch der verlorenen Dinge“ eine anspruchsvolle und spannende Lektüre.

 

Autorenportrait:

John Connolly, 1968 in Irland geboren, lebt in Dublin und schreibt für die „ Irish Times“ . Er wurde als erster Nichtamerikaner mit dem amerikanischen „Shamus Award“ ausgezeichnet. Für „Das Buch der verlorenen Dinge“ erhielt er 2007 den „Alex Award“, eine renommierte amerikanische Jungbuchauszeichnung.

Das Buch der verlorenen Dinge

John Connolly

Das Buch der verlorenen Dinge   

Aus dem Englischen von Claudia Feldmann

List Verlag, Berlin

ISBN 978-3-471-30005-3

1. Auflage 2008, 332 Seiten, Hardcover gebunden, Format 13,5 x 21,5 cm.

Unverbindliche Preisangabe: € 16,90 (D) / € 17,40 (A) / sFr 29,90

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