Wie ein Roman
Über die Lust zu lesen
(mag).
Bücherlesen gehört für viele Menschen so selbstverständlich
zum Leben dazu, wie Essen oder Schlafen. Doch was für den begeisterten
Leser eine Quelle der Freude ist, lässt manchen Erstklässler verzweifeln
und viele Jugendliche das Fach Deutsch abgrundtief hassen. In seinem interessanten
Sachbuch „Wie ein Roman“ plädiert der
französische Autor Daniel Pennac unterhaltsam für einen möglichst
unverkrampften Umgang mit Büchern. Das Buch ist eine mitreißende
Liebeserklärung an Bücher und an das Lesen sowie über den unbedingten
Willen, diese Leidenschaft an die Nichtleser weiterzugeben.
Zunächst beschreibt Daniel Pennac den schweren Weg des Lesenlernens. In wechselnden Perspektiven beschreibt er diesen Kampf mit den Buchstaben aus der Sicht der Kinder, Eltern und Lehrer. Dem Leser wird noch einmal deutlich, was für eine beeindruckende Kulturleistung das Lesen ist und wie viel Geduld dafür nötig ist. Daniel Pennac beschreibt das Lesenlernen kenntnisreich und gleichzeitig mit viel Witz, so dass man sich seinem Charme nicht entziehen mag. In jeder Zeile wird seine Begeisterung für Bücher deutlich, und diese Leidenschaft ist einfach ansteckend.
Daniel Pennac fordert die Leser auf, den Nichtlesern, egal welchen Alters – auch pubertierenden Jugendlichen –, aus interessanten Texten vorzulesen. Ebenso ermuntert er die Menschen, sich über die gelesenen Bücher zu unterhalten. Anstatt die Schüler und Studenten mit Prüfungsfragen zu quälen, sollen die Lehrer die Heranwachsenden dazu auffordern, über ihre Lieblingsbücher zu sprechen. Sein Buch ist jedoch kein abgehobenes Referat über Bildungskanon, Hochkultur oder Kulturpessimismus. Daniel Pennac geht es ums Lesen, und da schließt er Schundromane ebenso ein, wie das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen. Interessant ist, dass er nicht dem Fernsehen die Schuld an der Lesemüdigkeit von Kindern gibt, sondern die bildungsbeflissenen, überambitionierten Eltern und die schlechten Lehrer dafür verantwortlich macht.
Der krönende Abschluss des Buches „Wie ein Roman“, der dem Buch seinen Kultstatus verleiht, ist die Liste der zehn unantastbaren Rechte des Lesers, die Daniel Pennac auflistet und leidenschaftlich erläutert. Der begeisterte Leser erfährt unter anderem von dem „Recht, ein Buch laut zu lesen“, dem „Recht, irgendwas zu lesen“ oder dem „Recht herumzuschmökern“. Allein diese Liste ist schon die Anschaffung des hinreißenden Buches wert!
Das kurzweilige Buch „Wie ein Roman“ wurde von Uli Aumüller aus dem Französischen übersetzt. Da der Schriftsteller Daniel Pennac auch Französischlehrer ist, sind seine Beispielromane oft aus Frankreich. Man muss aber die erwähnten Bücher nicht kennen, um das Buch mit Genuss zu lesen.
„Wie ein Roman“ ist das perfekte Buch für alle, die gerne lesen und diese Leidenschaft auch an andere weitergeben möchten!
Autorenportrait:
Daniel Pennac, 1944 in Casablanca geboren, hat lange als Lehrer gearbeitet. Seine Malaussène-Romane sind in Frankreich Bestsellererfolge und gewannen auch in Deutschland eine Fangemeinde. Er hat auch Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und lebt und schreibt in Belleville/Paris.
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