Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Gedanken über Leben und Sterben
(mag).
Je älter ein Mensch wird, umso häufiger denkt er über den Tod
und das Sterben nach. Doch nicht nur alte Menschen sterben. Wenn man genauer
nachdenkt, begleitet uns der Tod das ganze Leben. Mal nehmen wir den Tod eines
entfernten Verwandten nur bedauernd zur Kenntnis, ein anderes Mal sind wir durch
den Verlust eines lieben Freundes tief erschüttert. Die Journalistin Sybil
Gräfin Schönfeldt lässt in ihrem Buch „Wenn
wir uns mitten im Leben meinen“ ihr Leben Revue passieren. Sie erzählt
ihre wechselvolle Lebensgeschichte anhand der Todesfälle, die sie erlebt
hat. Ihr Buch ist keine Biographie im engeren Sinne, es ist eher eine Aneinanderreihung
von erlebten Todesfällen, die ihr Leben widerspiegeln.
Sybil Gräfin Schönfeldt wird 1927 in Bochum geboren, ihre Mutter stirbt im Wochenbett und sie wächst bei Ihren Großeltern auf. So wird der Tod schon an ihrer Wiege zum ständigen Begleiter ihres Lebens. Die Schriftstellerin erzählt, wie sie als junges Mädchen den Krieg erlebt hat, aber auch wie traurig sie über den Tod eines geliebten Haustieres war. Den Verlust einer guten Freundin, die nach England flüchten muss, empfindet sie wie deren Tod. Manchmal ist der Tod ein schreckliches Erlebnis, dann wieder eine Erlösung, wie im Fall eines befreundeten Studenten. Die ersten Todeserfahrungen schildert Sybil Gräfin Schönfeldt mit einer gewissen Distanz, die sie als Kind sicher auch so empfunden hat. Wenn sie den Tod ihrer geliebten Großtante beschreibt, ist auch der Leser tief gerührt. Das Buch „Wenn wir uns mitten im Leben meinen“ ist jedoch nie sentimental. Es macht vielmehr deutlich, wie selbstverständlich und alltäglich das Sterben ist. Sybil Gräfin Schönfeldt schreibt in einem freundlichen Plauderton, ohne oberflächlich zu sein. Die einzelnen Textabschnitte sind recht kurz. Der Leser sieht jedoch nicht mit Schrecken dem nächsten Ereignis entgegen, sondern ist eher neugierig, was die umtriebige Frau als nächstes erlebt hat. Das Buch ist auch ein interessanter Spiegel der deutschen Geschichte aus der Sicht des alltäglichen Lebens.
In ihre Lebensgeschichte hat Sybil Gräfin Schönfeldt Berichte von Begräbnisritualen anderer Kulturen und Religionen, ihren Vorstellungen von der Seele, Engeln und dem Fegefeuer sowie andere Gedanken einfließen lassen. Das Buch ist zusätzlich mit zahlreichen Gedichten deutscher Autoren zum Thema Tod und Sterben angereichert. Diese literarischen Einschübe von Martin Luther bis Robert Gernhardt illustrieren den Text wie Bilder. Die breite Auswahl der Texte gibt dem Leser zahlreiche zusätzliche Anregungen, vielleicht auch Trost und Hilfe.
„Wenn wir uns mitten im Leben meinen“ ist ein Buch dem man viele junge Leser wünscht, um ihnen die Allgegenwärtigkeit des Todes zu zeigen. Es wäre wünschenswert, wenn ältere Leser dieses Buch als Anregung nehmen, um über ihr eigenes Leben und ihre Erfahrungen mit dem Tod zu erzählen. So kann dieses Buch dazu anregen, über das Tabuthema Tod ins Gespräch zu kommen.
„Wenn wir uns mitten im Leben meinen“ ist wie jedes gute Buch über den Tod eigentlich ein Buch über das Wunder des Lebens. Carpe Diem!
Autorenportrait:
Sybil Gräfin Schönfeldt erlebte den Krieg als Heranwachsende und die Nachkriegszeit als Studentin der Germanistik und Kunstgeschichte, 1951 Promotion. Sie heiratete 1957 und bekam zwei Söhne. Zahlreiche Bücher für Kinder und Erwachsene, wie „Bei Astrid Lindgren zu Tisch“, „„Feine Leute kommen spät…“ oder Bei Thomas Mann zu Tisch“, „Gestern aß ich bei Goethe“, „Weihnachtsgans und Lichterglanz“ sowie viele Preise. Heute lebt sie als freie Journalistin für Zeitungen, Zeitschriften, Funk und Fernsehen in Hamburg.
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