Überleben unter Franzosen
Ein Schnellkurs in 10 Lektionen
(akg).
Autor Stephen Clarke, der bereits mit seinem Überraschungswerk „Ein
Engländer in Paris“ und dessen Fortsetzung „Ich
bin ein Pariser“ großen Erfolg hatte, ist wieder da: In seinem
Schnellkurs über die französische Lebensart garantiert er seinen Lesern
ein „Überleben unter Franzosen“ und beweist damit wieder einmal, wie gut
er sich in seiner Wahlheimat Frankreich auskennt.
In sehr heiterem Ton beschreibt Stephen Clarke präzise „den Franzosen an sich“ und spielt damit so bewusst mit Stereotypen und Klischees, dass es eine wahre Freude ist, sie zu lesen. Zumal man sich als Frankreichreisender selbst bereits in den hier dargestellten Situationen befunden hat. Oder wer hat nicht bereits an sich gezweifelt, wenn er im halb leeren französischen Café damit abgespeist wurde, dass man „complet“ sei? Ähnlich verzweifelt dürfte man als Nordeuropäer der Sitte der Wangenküsse begegnen. Wen küsst man, wie küsst man und vor allen Dingen: wie oft? Stephen Clarke weiß Antwort und scheut sich dabei nicht, in seinen lebhaften Schilderungen auch einmal weiter auszuholen und historische wie gesellschaftliche Erklärungsmuster für bestimmte Verhaltensmuster abzugeben. Rein ironisch, versteht sich.
Aus dem Englischen ist „Überleben unter Franzosen“ von Gerlinde Schermer-Rauwolf und Thomas Wollermann übersetzt, die zwar den englischen Text hervorragend ins Deutsche transponiert haben, das englische Zielpublikum jedoch natürlich nicht durch ein deutsches ersetzen konnten. In den Schilderungen, die kapitelweise den Unterschied zwischen englischen und französischen Männern erläutern, deren Arbeits- und Essgewohnheiten beschreiben, erfährt der deutschsprachige Leser zwar allerhand über diese beiden Nationen, die Anspielungen versteht er aber wahrscheinlich erst, sofern er auch ein gewisses Vorwissen über England haben sollte. Auch die zahlreichen Aussprachetipps für die französische Sprache ist für deutschsprachige Adressaten, die weder Probleme mit runden Ü- noch mit kehligen R-Lauten haben, nur von mäßigem Interesse. Doch versteht man auch als Leser jenseits der Insel die augenzwinkernde Wehmut im Epilog des Schnellkurses in zehn Lektionen, in der Stephen Clarke die gegenseitige franko-angelsächsische Liebe beschreibt. Es ist eben eine ganz besondere Beziehung, die nicht-Franzosen zu Frankreich pflegen, und die sich oft in einer Mischung aus ironischem Kopfschütteln und staunender Bewunderung ausdrückt.
Nach Stephen Clarkes Gebrauchsanweisung für die Grand Nation weiß man nicht nur, dass man einen Kellner in Frankreich entgegen unserer Französischlehrwerke nie mit „Garçon“ ansprechen sollte, und der richtige Ausdruck für den scheinbar französischen Ausdruck „Café au lait“ „Crème“ bedeutet. Man hat außerdem eine sehr vergnügliche Lektüre hinter sich, die vor déjà-vus nur so wimmelt und Frankreich wieder ganz oben auf seine Reiseliste setzt.
„Überleben unter Franzosen“ ist eine wirkliche amüsante und äußerst prophylaktische Einstimmung auf den nächsten Frankreich-Urlaub!
Autorenportrait:
Stephen Clarke, Engländer, geboren 1958, lebt seit 13 Jahren in Frankreich. In seinem ersten Buch „Ein Engländer in Paris“ schrieb er seine fast wahren Abenteuer als Marketingexperte englischer Teesalons in Paris auf und veröffentlichte sie im Selbstverlag. Das Buch wurde Pariser Stadtgeflüster und bald ein in 20 Sprachen übersetzter Bestseller. Außerdem ist er Autor von „Ich bin ein Pariser“.
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