Titelkampf

Fußballgeschichten der deutschen Autorennationalmannschaft

Titelkampf(hpe). Was hat Gerd Müller mit Goethe oder dem Helden aus Stefan Zweigs „Schachnovelle“ zu tun? Warum ist Fabio Cannavaro eine Null? Und warum ist das keine Beleidigung? Fragen, die sich vermutlich die wenigsten Stadiongänger stellen. Deshalb ist vieles in „Titelkampf“, herausgegeben von Ralf Bönt, Albert Ostermaier und Moritz Rinke, nicht für jeden Fan. Wer sich am Geschehen auf dem grünen Rasen erfreut, an schönen Toren und Spielzügen und mit Gedichtzeilen wie „Der Rammer zugedeckt und kaltgestellt, / Der Brecher auf der Linie, ganz geknickt“ (Ror Wolf) nicht viel anfangen kann, der kann die Finger von diesem Geschichtenband der deutschen Autorennationalmannschaft lassen – könnte man meinen. Er würde aber trotzdem etwas verpassen.

 

Denn dieses Beispiel ist nur eines von einer Reihe unterschiedlichster Formen der Herangehensweise der Autoren. Beispiele für das andere Extrem? Etwa die spannende Schilderung des argentinischen „Gastautors“ Jorge Valdano über den Weg zu seinem Tor gegen Deutschland im WM-Finale 1986. Oder Sönke Wortmanns Erinnerungen an eine ganz persönliche Wembley-Katastrophe. Valdano und Wortmann – zwei bekannte Namen. Dazu kommt noch ein Statement von Trainerlegende Hans Meyer, das doch etwas unspektakulärer ausfällt als wir es von ihm gewohnt sind.

 

Der Rest der 29 zu Wort kommenden Autoren wird den eher Fußball- als Literaturinteressierten wohl wenig sagen. Ein größeres Fußballpublikum verdient hätten aber viele: So etwa Georg M. Oswald für seine einfühlsamen Gedanken zum „größten Mittelstürmer aller Zeiten“, Gerd Müller. Oder Uli Hannemanns desillusionierte und hoffentlich leicht übertriebene Bierorgie beim Spiel seines Vereins. Und wer erinnert sich nicht an ähnliche Momente in seinem Fanleben wie sie Klaus Döring beim Aufstiegskrimi seiner Frankfurter Eintracht am letzten Spieltag der Zweitliga-Saison 2002/2003 erlebte.

 

Und das ist das Schöne an „Titelkampf“: Es ist zwar von Literaten geschrieben. Aber die Empfindungen auf dem Platz oder auf den Rängen, sie gleichen denen all der anderen Fußballverrückten. Und so ist in diesem Geschichtenband mit Anspruch eben doch für jeden etwas dabei.

 

Herausgeberportrait:

Albert Ostermaier wird 1967 in München geboren. 1990 erhält er das Münchner Literaturstipendium. 1995 wird ihm der Lyrik-Preis des „PEN Liechtenstein“ verliehen. In der Spielzeit 1996/1997 ist er Hausautor am Nationaltheater in Mannheim. 1997/98 schreibt er für das Bayerische Staatsschauspiel ein Auftragswerk zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht. Hausautor am Bayerischen Staatsschauspiel in der Saison 1999/2000. Zahlreiche Preise wie der „Ernst-Toller-Preises“ oder der „Ernst-Hoferichter-Preis“. Seit 2006 Künstlerischer Leiter des internationalen Brechtfestivals „abc-AugsburgBrechtConnected“.

Titelkampf

Ralf Bönt, Albert Ostermaier und Moritz Rinke (Hrsg.)

Titelkampf

Fußballgeschichten der deutschen Autorennationalmannschaft

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main

ISBN 978-3-518-45969-0

1. Auflage 2008, 284 Seiten, Taschenbuch.

Unverbindliche Preisangabe: € 8,90 (D) / € 9,20 (A) / sFr 16,30

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