Spritztour

Verrückt spielende Hormone auf einer Fahrt quer durch die USA

Spritztour(jed). Was soll man als junger Kerl tun, wenn man erst 17 Jahre alt ist, einen langweiligen Sommer als Donut-Verkäufer verbracht hat, seine beiden besten Freunde Aufregendes im Urlaub erlebt haben und man selbst noch niemals Sex hatte? Genau, sein langweiliges Leben durchbrechen und kurz vor Ende der Sommerferien an einem freien Wochenende auf eine „Spritztour“ gehen.

 

Der doppeldeutige deutsche Titel „Spritztour“ ist nicht unbedingt jedermanns Geschmack. „All the way“ lautet der Originaltitel, und in der Tat hatte Übersetzerin Heike Brandt mit Andy Behrens' Roadmovie in Buchform für Jugendliche ab 14 Jahren mehr als nur eine lange Reise mit dem Auto zu übersetzen.

 

Ian chattet mit einem Mädchen aus South Carolina, während er selbst weit weg in Illinois lebt. Nie hat er vor, die junge Dame wirklich zu treffen, doch irgendwann wird der Internetflirt zum Selbstläufer und die Idee Wirklichkeit: Anstatt einen Ausflug mit seinen Freunden Lance und Felicia zu unternehmen, murmelt er ihnen gegenüber etwas von „kranker Großmutter“, schnappt sich seinen Wagen, liebevoll „Die Kreatur“ genannt, und plant zu seiner nächsten Schicht im Donut-Laden nicht mehr als Jungfrau zu erscheinen.

 

Während er Wichtiges für die Reise einkauft (Chips und Kondome), kommen ihm Lance und Felicia auf die Schliche und eher unfreiwillig nimmt er die beiden schließlich mit. Nun beginnt eine lustige Fahrt quer durch die USA, mit Abenteuern und wunderlichen Begegnungen, die besser gar nicht beschrieben werden könnte. Da wird an Ians Aussehen gefeilt, weil er Dank moderner Bildbearbeitung bei seinen Digitalfotos ein wenig geflunkert hat, „Die Kreatur“ muss man liebgewinnen, ebenso wie die sich ständig übergebende Felicia und den manchmal leicht vertrottelten Ian. Der stets auf Mädchenfang gepolte Lance wird manchmal ausgebremst, ab und zu entwischt er jedoch und tut genau das Gegenteil von dem, was Ian möchte. Und das ist in erster Linie unter einem gewissen Zeitdruck endlich nach Illinois zu kommen, ohne zu häufig mit Polizisten oder anderen Hindernissen aneinander zu geraten.

 

Manche Idole und Songs, die die drei Freunde scheinbar sehr mögen, passen nicht so ganz in die Gegenwart und erinnern eher an eine Jugend in den späten 80ern, aber darüber muss man sich nicht den Kopf zerbrechen, wenn es gleich danach mit rasendem Tempo in die nächste Katastrophe und um neuere Idole und Geschichten geht. Dennoch sind die Schauplätze und Personen immer überschaubar.

 

Die derbe Sprache der Drei passt total, und Sätze wie „Wenn Sex schwierig wäre, wären wir alle Bäume“ sind einfach genial. Das, worauf die ganze Geschichte schon leicht hinarbeitet, bekommt irgendwann eine immense Wichtigkeit und verhilft zu einem überraschenden Ende. Ob „Die Kreatur“ die Reise überlebt und die Drei am Ende heil dort ankommen, wo sie hin wollten und ob sie dann immer noch Freunde sind, sollte jeder selbst herausfinden.

 

Mit Sprache und Witz trifft „Spritztour“ das Komikzentrum eines jeden Jugendlichen und jung gebliebenen Erwachsenen und ist ein großartiges Buch nicht nur für den Sommer.

 

Autorenportrait:

Andy Behrens, geboren 1971, studierte Englische Literatur und arbeitet als freier Journalist in Chicago, unter anderem für das „Flak Magazine“. Seit der Geburt seiner kleinen Tochter schlägt er sich tapfer als Hausmann und Autor. „Spritztour“ ist sein erster Roman für Jugendliche, oder besser: sein erster Roman überhaupt.

Spritztour

Andy Behrens

Spritztour

Aus dem Amerikanischen von Heike Brandt

Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim

ISBN 978-3-407-81031-1

1. Auflage 2008, 250 Seiten, Klappenbroschur.

Unverbindliche Preisangabe: € 14,90 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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