Rostfrei
Mit 97 Jahren, da fängt das Leben an!
(jed).
Ich werde anfangen zu rauchen, auch Cannabis, beschließt Juliane
Knop, und auch, dass sie auf Jahrmärkte gehen, Achterbahn fahren und vorher
Fischbrötchen essen und Kirschsaft trinken wird, nur um später sagen
zu können: Ich heiße Juliane und habe während einer Achterbahnfahrt
gekotzt. Autorin Steffi von Wolff drückt Julianes Gedanken in ihrem
Roman Rostfrei sprachlich nicht immer so direkt aus, bringt sie aber doch
jedesmal sehr lustig auf den Punkt.
Was zu Beginn die Beschreibung einer ganz schrecklichen Lebenssituation ist, wird recht schnell zu einer megakomischen Geschichte: Kurz nach ihrem 97. Geburtstag ändert sich Juliane Knops Leben denn sie bricht aus dem gewohnten Alltagstrott aus. Nach zig Jahren auf einem Bauernhof in den Händen ihres misshandelnden Ehemannes, nachdem sie sechs Kinder geboren und aufgezogen hat und auch noch die alte Mutter versorgen muss, setzt sie sich eines Nachts in einen Zug nach Hamburg, wo sie auf Rechtsmediziner Jason trifft, dessen Leben sie gehörig durcheinanderwirbelt und er ihres. Nach und nach folgen noch Schatzi, zwei Polizisten, ein Fernsehkoch und allerhand andere liebenswerte Persönlichkeiten, die das neue Leben der Juliane Knop ab sofort bereichern, auch wenn sie zwischendurch mit Recht das Gefühl hat, nur von Verrückten umgeben zu sein. Das neue Leben beinhaltet nicht nur ihre erste Jeans sondern auch einen Besuch bei McDonalds, lernen mit Google umzugehen und allerhand Durcheinander, wie zum Beispiel eine Mikrowelle, die man eben nicht auf 20 Minuten stellen darf.
Dem nicht genug, muss sie dafür sorgen, dass ihr Ehemann nicht nach ihr sucht, hat doch Muddel Juliane jahrelang als Putzfrau, Köchin und Dienstmagd hergehalten, und es ist klar, dass er nicht gerade erfreut um nicht zu sagen stinksauer auf ihren Weggang reagiert. Rechtsmediziner Jason hilft zusammen mit Schatzi dabei, ihren Tod vorzutäuschen, und manchmal hält man dann doch den Atem an, weil man nicht glauben kann, dass bei diesen Chaoten alles gutgehen wird. Wenn die eine Katastrophe überstanden scheint, wartet schon die nächste Überraschung und aus dem Lachen und Kopfschütteln kommt man nur wieder heraus, weil man immer weiter lesen will und muss.
Als Einleitung vor jedem Kapitel gibt es Hinweise auf thematisch passende Websites, immer mit URL-Angabe und witzig gewählten Auszügen, manchmal mit Blog-Einträgen, einmal ein Witz. Dass Steffi von Wolff am Schluss im Rahmen der Danksagungen schreibt Juliane Knop. Ich hätte dich wirklich gerne gekannt!, kann ich sofort unterschreiben, denn so eine mutige ältere junge Dame möchte man einfach in seinem Umfeld haben.
Rostfrei ist ein Buch, das einfach Spaß macht. Wieso ein ungeliebter Treppenlift am Ende doch noch gebraucht wird, ob Juliane und ihr Ehemann sich miteinander arrangieren und wie die neuen Freunde der junggebliebenen Dame ihre ebenfalls neuen Leben leben dazu kann ich nur sagen: lesen!
Autorenportrait:
Steffi von Wolff, geboren 1966, arbeitet als Autorin, Redakteurin, Moderatorin, Sprecherin und Übersetzerin. Sie wuchs in Hessen auf und lebt heute mit Mann und Sohn in Hamburg. Ihre Romane wie Fremd küssen, Glitzerbarbie und Die Knebel von Mavelon sind eine Frechheit und Bestseller.
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