Reif für die Insel oder Was ich dir sagen will …

Eine Sylt-Geschichte

Reif für die Insel oder Was ich dir sagen will …(jed). Das gebundene kleine Büchlein ist schön anzusehen – zwei Strandkörbe, im Hintergrund das Meer –, und der Klappentext verspricht eine „romantische Liebesgeschichte“. In der Tat ist „Reif für die Insel oder Was ich Dir sagen will …“ von Autorin Gisa Pauly ein Buch, das man bequem in die Tasche stecken und überallhin mitnehmen kann, auch an den Strand. Sylt-Urlauber werden den ein oder anderen Ort darin wiedererkennen, was die ganze Geschichte besonders für sie sympathisch macht.

 

Paul und Sophia sind die beiden Hauptprotagonisten und wirklich „Reif für die Insel“. Man fragt sich die ganze Zeit, ob sie jemals dazu kommen, zu dem einen Satz, zu dem „Was ich dir sagen will“. Anfangs eher verwirrend, gewöhnt man sich im Laufe des Buches daran, dass von Paul in der dritten Erzählform geschrieben wird, während Sophia als Ich-Erzählerin den Leser direkt mit auf die Reise nimmt.

 

Schon in Klappen- und Umschlagtext werden beide Geschichten erwähnt, allerdings verwirrt es noch mehr, wenn man nur den äußeren Umschlagtext gelesen hat, in dem von Sophia die Rede ist und dann plötzlich zu Beginn von „Er muss verrückt geworden sein!“ die Rede ist. Im Klappentext ist Paul zudem mit einer Rosi verheiratet, während im Buch Uschi diejenige ist, auf die er sein Glück vor Jahren aufgebaut hat und das nun zerstört ist. Einige Fehler gehen dann innerhalb des Buches weiter: Tippfehler, Flüchtigkeitsfehler, Anführungsstriche einen Absatz zu spät – das stört den unbeschwerten Lesegenuss, selbst wenn man dabei am Strand in der Sonne liegt.

 

Paul und Sophia wirken leicht zwanghaft: Paul, weil in seinem Leben alles eine gewisse Symmetrie haben muss, Sophia, weil sie ständig überlegt, ob sie alle Fenster und Türen im Haus geschlossen hat, was einen aber oft lächeln lässt. Rückblicke auf ein Erlebnis in ihrer Jugendzeit, das die Weichen für ihre beiden Lebenswege gestellt hat, geben einen schnellen Einblick über verpasste Gelegenheiten und die Hoffnung auf ein Happy End. Fehler, die man im jugendlichen Leichtsinn begeht, können ganze Leben zerstören und eine Sehnsucht heraufbeschwören, die man noch 40 Jahre später intensiv spürt.

 

Ich hätte mir weniger Längen und Beschreibungen gewünscht und dafür mehr ernsthaften Hintergrund, denn die Idee zu diesem Buch ist erkennbar und durchaus interessant. Alles in allem ist „Reif für die Insel oder Was ich Dir sagen will …“ leider ein allzu sehr dahinplätschernder Roman, so wie die ruhige See bei schönem Wetter ohne viel Tiefgang. Gefühle beschreibt Gisa Pauly wunderbar, ebenso wie der leichte Verwirrungsversuch, im Laufe der Geschichte einem „bekannten Autor ohne Gesicht“ selbiges zu geben, was Spaß macht, und die Auflösung kommt tatsächlich überraschend. Die ganze Zeit wird der Leser jedoch zu einem Ende hingeführt, das dann irgendwie offen bleibt, vielleicht auch offen bleiben muss.

 

Als Film kann ich mir „Reif für die Insel oder Was ich Dir sagen will …“ sehr gut vorstellen – vielleicht macht Drehbuchautorin Gisa Pauly mal einen draus?

 

Autorenportrait:

Gisa Pauly lebt in Münster und auf Sylt, ist freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin.

Reif für die Insel oder Was ich dir sagen will …

Gisa Pauly

Reif für die Insel oder Was ich dir sagen will …

Eine Sylt-Geschichte

Rütten & Loening Verlag, Berlin

ISBN 978-3-352-00756-9

1. Auflage 2008, 152 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag.

Unverbindliche Preisangabe: € 9,95 (D) / € k. A. (A) / sFr 19,70

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