Lachsfischen im Jemen
Britischer Humor vom Feinsten
(mag).
Ananas züchten in Grönland, Schlittschuhlaufen in der Wüste oder
eben Lachsfischen im Jemen sind spinnerte Ideen, die man nur umsetzten kann,
wenn man viel, viel Geld zur Verfügung hat. Der jemenitische Scheich Muhammad
ibn Zaidi bani Tihama verfügt über die entsprechenden Mittel und hat
sich als passionierter Angler in den Kopf gesetzt, seinen Landsleuten im Jemen
die britische Begeisterung für das Fliegenfischen nahe zu bringen. Unterstützt
wird der exzentrische Wüstensohn bei seiner Vision, tausende wilde Lachse
aus Schottland in die Wadis des Jemen umzusiedeln, von der Immobilienberaterin
Harriet Chetwode-Talbot und dem anerkannten Fischereiwissenschaftler Alfred
Jones. – In seinem vielschichtigen Roman „Lachsfischen im Jemen“ erzählt
der Brite Paul Torday wie die drei sehr unterschiedlichen Menschen an ihrem
verrückten Projekt trotz vieler Widrigkeiten festhalten und sich durch
die gemeinsame Arbeit einander annähern. Ein Berater des britischen Premierministers
versucht möglichst viel medienwirksame Publicity aus dem Projekt zu schlagen
und macht es zum Politikum, dadurch bringt er alle in Gefahr.
Paul Torday, selbst begeisterter Lachsfischer, erzählt die absurde Geschichte aus der Sicht mehrerer handelnder Personen. Sein Buch ist eine Aneinanderreihung von E-Mails, Briefen, Notizen, Tagebucheinträgen, Verhörprotokollen, Auszügen aus Autobiographien und anderer Notizen, die sich ergänzen und aufeinander beziehen. Die Spannung seines Buches entsteht unter anderem dadurch, dass die Texte nicht in chronologischer Reihenfolge abgedruckt sind und der Leser nur langsam begreift, was eigentlich geschieht. Der gelungene Aufbau macht die Lektüre jedoch nicht unnötig kompliziert. Der Leser kann der Handlung gut folgen und amüsiert sich über die gegenseitigen Kommentare. Die stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen in Schottland und dem Jemen zeichnen ein lebendiges Bild, das den Leser in die Ferne entführt. Um eine gelungene Posse voll bissigem Spott über die Politik und die Medien zu schreiben, in der der islamistische Terror eine nicht unerhebliche Rolle spielt, bedarf es einer gehörigen Portion schwarzen britischen Humors, über den Paul Torday zweifellos verfügt. Der intelligente Roman, aus dem Englischen von Thomas Stegers übersetzt, ist stellenweise ein wenig langatmig – aber auch beim Angeln braucht man bekanntlich Geduld, um zu einer Belohnung zu kommen.
„Lachsfischen im Jemen“ ist eine vergnügliche Lektüre für alle begeisterten Angler oder für alle, die einen Angler begleiten und daher viel Muße zum Lesen haben.
Autorenportrait:
Paul Torday, geboren 1946, lehrte Englische Literatur am „Pembroke College“ in Oxford. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne aus einer ersten Ehe und zwei Stiefsöhne. Seit mehr als 15 Jahren ist er begeisterter Lachsfischer, und weil er in der Grafschaft Northumberland, ganz in der Nähe des wilden Flusses North Tyne wohnt, hat er auch ausreichend Gelegenheit, seiner Passion nachzugehen.
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