Jazz im New York der wilden Zwanziger

Ein swingvoller Bildband mit CD über den Groove der „Roaring Twenties“

Jazz im New York der wilden Zwanziger(pr). Ein Mann setzt sich ans Piano. Nein, er setzt sich nicht nur hin, er zelebriert den Gang an sein Instrument. Dann das Startsignal, der erste Akkord, Showtime! – Die Stride-Pianisten von New York gaben ihren Auftritten in den Bars und Jazzclubs der Stadt stets eine besondere Note – und zwar nicht nur in der Musik, sondern auch in dem, wie sie sich auf die Bühne bewegten: „Zuerst legte man den Gehstock auf den Notenhalter. Dann nahm man den Hut ab vorm Publikum. Jeder Tickler hatte seine eigene Geste, wie er den Hut mit einem Schwung absetzte; das gehörte auch zur Pose. Man nahm ein kleines Seidentuch heraus, schüttelte es aus und staubte den Klavierstuhl ab.

 

Jazz – das war im New York der wilden 1920er Jahre nicht nur irgendein neuartiger Musikstil, sondern ein Lebensgefühl. Selbstbewusst traten die schwarzen Einwohner Harlems erstmals ihren weißen Nachbarn gegenüber. Bei ihren „House Rent Parties“ mit Jazzmusik ließen sich immer mehr Bürger der gehobenen Mittelschicht blicken. Bald groovten die Großen des Jazz im „Happy Rhone's“, „Pod and Jerry's“, „Savoy“ und anderen Tanzpalästen. Harlem wurde zum „schwarzen Paris“. – Der Mann am Klavier blickt verträumt in die Ferne. Seine Augen scheinen etwas zu suchen. Da kommt eine junge Dame auf ihn zu. Er startet einen Ragtime, irgendetwas Einfaches, plaudert mit ihr. „Dann, ohne den smarten Talk zu beenden oder sich zum Klavier zurückzudrehen, legt er los, platzt einfach in den regulären Beat des Stücks.

 

Mit seinem hochwertigen Bildband „Jazz im New York der wilden Zwanziger“ legt auch der Illustrator und Graphiker Robert Nippoldt in Zusammenarbeit mit Autor Hans-Jürgen Schaal kräftig los. In einem einzigartigen Gesamtkunstwerk fängt er die Atmosphäre der damaligen Zeit in schwungvollen Bildern ein. Seine federleichten Zeichnungen scheinen förmlich jene Stimmung zu atmen, die New York in den goldenen zwanziger Jahren beseelte, nein, beswingte. Auf edlem Kunstdruckpapier entfalten sich großformatige Porträts von Barpianisten, Bluessängerinnen, Drummern – meist über eine ganze Doppelseite. Der Soundtrack der Großstadt braucht eben Platz.

 

Plakatartig, aber keineswegs plakativ, zeichnet Robert Nippoldt Jazzmusiker in Aktion. In jenem smarten Braunton, der der „Hot-Chocolate-Ära“ ihren Namen gab, gleiten Finger über Klaviaturen, steppen Tanzschuhe über das Parkett, leuchten Reklameschilder vor Szeneclubs und Kinosälen. Ein einzigartiges Panorama breitet sich vor den Augen des Betrachters aus. New York und der Jazz verschmelzen zu einer swingenden Symphonie. Auch mit Details wird dabei keineswegs gespart. Kleine Embleme berühmter Jazzmusiker, Großaufnahmen von Originalschallplatten, ein Stadtplan von Harlem mit den wichtigsten Clubs und vieles mehr, bereichern den Bildband um informative Anschauungsobjekte der damaligen Zeit. Eine dem Buch beigefügte CD mit 20 Originalaufnahmen von Jelly Roll Morton bis Cab Calloway rundet das Gesamtbild klanglich ab.

 

Last but not least sei auf die vielen unterhaltsamen, aber nicht weniger aussagekräftigen Texte von Hans-Jürgen Schaal verwiesen, die die einzigartigen Illustrationen von Robert Nippoldt begleitend kommentieren. Nach einer kleinen geschichtlichen Einführung schildert der Jazzexperte die größten Musikerpersönlichkeiten der wilden Zwanziger. Jazzgrößen wie Thomas „Fats“ Waller, Louis Armstrong oder Ethel Waters treten dem Leser in der Sprache von Hans-Jürgen Schaal lebhaft vor Augen. In zahlreichen Anekdoten malt er deren Biografien aus, kleine Informationskästchen geben dabei Lebensdaten, Alter der Erstveröffentlichung, Zahl der Aufnahmesessions und sonstige künstlerische Tätigkeiten des jeweiligen Musikers wieder.

 

Hätte der Mann am Klavier nicht nur Augen für jene junge Dame, er würde sich an dem großartigen Bildband „Jazz im New York der wilden Zwanziger“ von Robert Nippoldt und Hans-Jürgen Schaal nicht sattsehen können. So aber improvisiert er noch einen fetzigen Shout, klappt den Klavierdeckel zu und verlässt summend das Lokal. In Begleitung der jungen Dame, versteht sich. „I can't give you anything but love…

 

Autorenportrait:

Hans-Jürgen Schaal, geboren 1958, arbeitet als freier Musikjournalist, ist für das Jazzlabel „Enja-Records“ tätig, hat mehrere Bücher zum Thema Jazz veröffentlicht und lektoriert die Magazine „Jazz thing“ und „Blue Rhythm“.

 

Illustratorenportrait:

Robert Nippoldt, geboren 1977, studierte Rechtswissenschaften und Graphik-Design. Er arbeitet als freiberuflicher Designer, Illustrator und Gerichtszeichner.

Jazz im New York der wilden Zwanziger

Hans-Jürgen Schaal

Jazz im New York der wilden Zwanziger

Mit Illustrationen von Robert Nippoldt

Gerstenberg Verlag, Hildesheim

ISBN 978-3-8369-2581-5

1. Auflage 2007, 144 Seiten, mit zahlreichen dreifarbigen Illustrationen, mit 1 CD, Laufzeit 66 Minuten, Leinen gebunden, Format 34 x 22 cm.

Unverbindliche Preisangabe: € 39,90 (D) / € 41,10 (A) / sFr 69,50

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