Ich hatte keine Ahnung, dass Sterben so viel Spaß machen kann
Totgesagte leben länger
(mag).
Die Situation, in die der 80-jährige Amerikaner Art Buchwald gerät,
ist schon ziemlich skurril: Der todkranke Kolumnist der „Washington Post“ zieht
in ein Hospiz, um dort die letzten zwei bis drei Wochen seines Lebens zu verbringen.
Doch der quirlige Mann stirbt nicht, da seine totgesagten Nieren sich immer
mehr erholen. Als es Art Buchwald nach zwei Monaten zusehends besser geht, beschließt
er, die ihm geschenkte Zeit dazu zu nutzen, noch ein letztes Buch zu schreiben.
In seinem autobiografischen Werk „Ich hatte keine Ahnung, dass Sterben so viel
Spaß machen kann“ beschreibt er seine Erlebnisse in dem Hospiz. Er schildert
die Reaktionen seiner Familie, Freunde und Besucher auf seinen angesagten Tod,
er schreibt über sein eigenes Leben und über das Sterben seiner Eltern.
Art Buchwald macht sich Gedanken über das Leben nach dem Tod, plante seine
eigene Beerdigungsfeier und bittet seine fünf besten Freunde schon mal
seine Nachrufe zu verfassen, damit er selber auch noch etwas davon hat.
Das Besondere an dem Buch „Ich hatte keine Ahnung, dass Sterben so viel Spaß machen kann“ ist die Art, wie der Autor mit dem eigenen herannahenden Tod umgeht. Art Buchwald ist ein Mensch, der dem Leben immer die positive Seite abgewinnt und der versucht, sich mit seinem ansteckenden Humor auch durch schwierige Situationen des Lebens hindurchzumogeln. Seine Schilderungen haben stellenweise etwas von Don Quichotte, der sich über die Dinge, die um ihn herum geschehen, und die Reaktionen der Menschen nur wundern kann. Es gelingt ihm durch seine offene Art, Tabus zu brechen und das Sterben mitten ins Leben zu rücken. Art Buchwalds stellenweise satirischer Stil ist mitreißend und voller urkomischer Wortspiele. Er schildert die absurdesten Situationen, ohne dass dem Leser das Lachen im Halse stecken bleibt. Es ist so, als würde einem der alte Mann zurufen: Genieße dein Leben bis zum letzten Moment und lass dir vom herannahenden Tod nicht schon vorher den Spaß verderben! Das Lachen dieses Mannes, das man auf dem Cover des Buches sieht, zeigt, dass er mit gutem Beispiel vorangegangen ist.
Art Buchwald ist in den USA durch seine Kolumnen sehr bekannt geworden und hatte Umgang mit vielen Prominenten. Leser aus Europa mögen viele der genannten Personen nicht kennen, was aber die Freude an dem Buch nicht trübt. Leider ist Art Buchwald nicht frei von Selbstverliebtheit, so dass das Abdrucken der Nachrufe seiner Freunde am Ende des Buches stellenweise in eine unangenehme Lobhudelei ausartet. Nichtsdestotrotz hat er mit „Ich hatte keine Ahnung, dass Sterben so viel Spaß machen kann“ ein wunderbares Buch geschrieben, das zu einem ganz anderen, unverkrampften Umgang mit dem Tod einlädt.
Das ungewöhnliche Buch wurde von Nina Pallandt aus dem Englischen übersetzt. Wobei die provokante Übertragung des englischen Titels „Too Soon To Say Goodbye“ etwas unglücklich daneben geht und den Eindruck erwecken könnte, dass das Streben in der Spaßgesellschaft auch ein Happening sein muss. Im Anhang gibt es ein seitenlanges Personenregister, das eindrucksvoll dokumentiert, dass der sympathische Art Buchwald wie ein bunter Hund bekannt war. Erst zum Schluss erfährt der Leser, dass Art Buchwald ein Jahr, nachdem er in das Hospiz gezogen war, gestorben ist. So wird einem noch einmal schmerzlich vor Augen geführt, dass auch das erfüllteste Leben einmal zu Ende sein wird.
„Ich hatte keine Ahnung, dass Sterben so viel Spaß machen kann“ ist eine wunderbare Liebeserklärung an das Leben!
Autorenportrait:
Art Buchwald, geboren 1925 in Mount Vernon/New York, gehörte zu den weltweit bekanntesten Kolumnisten. Im Laufe seiner journalistischen Laufbahn verfasste er rund 8.000 Kolumnen für die „Washington Post“ und andere Zeitungen. Der Autor zahlreicher Bücher und Träger des „Pulitzer-Preises“ starb am 17. Januar 2007 in Washington.
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