Grüner Rasen, fette Beute
Die großen Fußballskandale
(hpe).
Fußball-Kenner werden es wissen: Erster Deutscher Meister wurde im Jahre
1903 „VfB Leipzig“. Doch vielen wird neu sein, dass sich der Finalgegner „DFC
Germania Prag“, auf dem Weg ins Endspiel eines starken Gegners, des „Karlsruher
FV“ entledigen konnte, ohne jemals gegen ihn angetreten zu sein. Denn kurz vor
ihrer Reise zum Halbfinal-Spiel erhielten die Karlsruher ein Telegramm mit den
Worten „Meisterschaftsspiel verlegt, DFB“, blieben zu Hause und wurden aus der
Meisterschaft ausgeschlossen. Denn der DFB hatte das Telegramm nicht geschrieben.
Wer es war, wurde nie ermittelt, aber eins ist sicher: Fertig war der erste
Skandal im deutschen Fußball. Es sollte nicht der letzte bleiben, und
so hatte Omar Gisler reichlich Futter für „Grüner Rasen, fette Beute“,
seine Sammlung der größten Schweinereien um das runde Leder.
In chronologischer Reihenfolge bringt Omar Gisler zu Papier, was sich die Gauner am Rasenrand und darauf weltweit geleistet haben. Meist reichen dem Autor zwei bis drei Seiten pro Missetat. Deshalb eignet sich „Grüner Rasen, fette Beute“ auch ideal für kurze Ausflüge in die Abgründe des Sports. In der Natur der Sache liegt, dass nicht jeder Leser über die Verfehlungen von „Leicester City“ im Jahr 1949 oder des „FC Genoa“ von 1960 erfahren will. Natürlich kann man diese Episoden einfach überspringen, vergibt sich damit aber die eine oder andere überraschende Sauerei. So wissen sicherlich die wenigsten der heute unter 40-Jährigen, dass der italienische Topstürmer Paolo Rossi Anfang der 80er Jahre an Spielmanipulationen beteiligt war. Klingelt es? Das war der Paolo Rossi, der Deutschland im Weltmeisterschafts-Finale 1982 fast im Alleingang abgeschossen hat. Vorher war er von seinem Verband netterweise nur so lang gesperrt worden, dass er noch rechtzeitig zur WM fahren konnte. Ein Skandal und danach der WM-Titel – das scheint in Italien Methode zu sein, denn auch vor der WM 2006 hagelte es ja massive Strafen wegen Spielmanipulationen, akribisch aufgeführt von Autor Omar Gisler. Das ist eine weitere Stärke von „Grüner Rasen, fette Beute“: Das Buch begnügt sich nicht nur mit seichten Nacherzählungen der Geschehnisse, es nennt bei den größeren Skandalen auch Ross und Reiter. So sind die Strafen für Klubs und Spieler oder die Statistik der manipulierten Spiele an den Fließtext jeder Episode angehängt. Zur Übersichtlichkeit trägt auch das Personenregister im hinteren Teil bei.
Mit „Grüner Rasen, fette Beute“ erhebt Omar Gisler jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zudem sind manche Vorkommnisse, die dem Autor eine Episode wert sind, nie aufgeklärt worden. Damit muss sich Omar Gisler sicher in dem einen oder anderen Fall den Vorwurf der Vorverurteilung gefallen lassen. Dennoch bleibt „Grüner Rasen, fette Beute“, illustriert mit wenigen Schwarzweiß-Abbildungen, ein guter Versuch, sich der dreckigen Seite des Fußballs in umfänglicher Art zu widmen. Aber wie gesagt: Nicht zu lange am Stück darin stöbern – oder zur Beruhigung zwischendurch immer wieder ein paar Szenen von Ribéry, Diego oder Ronaldinho anschauen.
Autorenportrait:
Omar Gisler, Journalist, geboren 1976 in Schattdorf/Schweiz, arbeitete als Sportredakteur bei einer Basler Wochenzeitung. Seit Mai 2001 ist er als Sportjournalist und Korrespondent der „Schweizerischen Depeschenagentur“ (SDA) tätig. Er ist verheiratet und lebt mit Frau und Kindern im Dorf Castel San Pietro im Mendrisiotto. Er ist außerdem Autor des Buches „Top Clubs Fußball“.
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