Göttliche Körper
Collagen zwischen Provokation und Kitsch
(pr).
Eine große Auswahl ihrer Werke aus einem Vierteljahrhundert stellen die
Künstler Pierre und Gilles in ihrem opulenten Kunstband „Göttliche
Körper“ zur Schau. In einer Mischung aus Fotografie und Malerei zeigen
die Bilder „verkörperte Gottheiten“ aus allen Religionen der
Welt.
Nina Hagen als Shiva, Naomi Campbell als Diana – zu den Gottheiten und Figuren aus Judentum, Islam, Christentum, Hinduismus und Buddhismus gesellen sich Götter aus der Antike, aus der griechischen und römischen Mythologie, nicht zu vergessen auch Engel und der Teufel. Kitschig im Stil von bunten Marienbildern mit viel Gold und Opulenz auf der einen Seite, in schlichten Posen wie auf religiösen Gemälden auf der anderen Seite zeigen die Werke ganz unterschiedliche Stile der Kunst.
„Göttliche Körper“ zeigt außerdem viel Haut. Die Mehrzahl der abgebildeten Götter und Heiligen sind entweder nackt oder sehr sparsam bekleidet und nicht unbedingt für sehr empfindliche oder streng religiöse Gemüter geeignet. So zeigt ein Bild zum Beispiel David und Jonathan, wie sie sich innig umarmen, wobei sie bis auf die traditionell islamische und jüdische Kopfbedeckung komplett nackt sind. Damit wollen Pierre und Gilles auf eine Versöhnung zwischen Palästinensern und Israelis anspielen und beziehen so auch politisch und ethisch eine Stellung mit ihren Bildern. Provokation ist dabei ein Mittel, dessen sich die beiden Künstler gerne und ausgiebig bedienen.
Die abgebildeten Kunstwerke sind durchgehend farbig und erstrecken sich über eine Seite, in einigen Fällen auch über eine Doppelseite. Zu jeder Aufnahme gibt es einen kleinen Text von Odon Vallet, aus dem Französischen von Christiane Gsänger übersetzt, der erzählt, welche Geschichte sich hinter dem jeweiligen Heiligen verbirgt. Teilweise nimmt der Autor auch Bezug zur Art der Darstellung durch Gilles und Pierre und interpretiert deren künstlerische Umsetzung. Der Text ist Gold auf Weiß gedruckt und auch einige Bilder sind mit einem goldenen Rahmen versehen, die diesen Kunstband zu einem edlen Hingucker machen. Im Anhang gibt es eine ausführliche Biographie der beiden Künstler sowie ein Verzeichnis ihrer Monographien, Ausstellungskataloge und der abgebildeten Werke.
„Göttliche Körper“ ist ein aufrüttelnder Kunstband, der mit gesellschaftlichen Tabus und Klischees provokativ spielt, aber dennoch nicht die Kunst an sich in den Hintergrund treten lässt.
Autorenportrait:
Odon Vallet, Religionswissenschaftler und Jurist, lehrt an der Sorbonne in Paris Politologie. Zudem ist er Autor zahlreicher Bücher zur Religionsgeschichte, darunter „Die Religionen der Welt“.
Künstlerportrait:
Die beiden französischen Künstler Pierre Commoy (geboren 1950, Fotograf) und Gilles Blanchard (geboren 1953, Maler) trafen sich 1976 auf einer Party des Modeschöpfers Kenzo in Paris. Seither leben und arbeiten sie gemeinsam. In ihrer Kunst verschmelzen Fotografie und Malerei. Am Beginn standen Porträts von Persönlichkeiten wie Salvador Dalì, Catherine Deneuve, Claudia Schiffer, Paloma Picasso oder Yves Saint-Laurent und Jean-Paul Gaultier, heute sind es unter anderem Laetitia Casta, Dalida und Juliette Greco.
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