Fridolin XXL

Ein Mutmachbuch für übergewichtige Kinder

Fridolin XXL(vre). Fridolin zieht mit seiner Mutter in die Nähe seiner Oma und seines Onkels Giovanni. Seine Familie fällt ziemlich aus dem Rahmen was eine konventionelle Familie betrifft. Seine Oma ist eine recht bekannte und sehr engagierte Opernsängerin mit roten Haaren und fast 100 Kilo an Lebendgewicht. Sein kleiner Onkel macht noch in die Hosen und hält alle ziemlich auf Trab. Kein Wunder, da er ja noch ein Kleinkind ist. Omas Nachzügler eben. Fridolins Mutter, ebenfalls ziemlich dick, ist permanent beschäftigt. Ist sie nicht gerade bei der Arbeit im Museum, bastelt sie zu Hause für irgendwelche Ausstellungen oder ist mit der Zubereitung von dem täglichen Essen der Familie beschäftigt. Denn eines haben alle Familienmitglieder gemeinsam: Sie essen für ihr Leben gern, und Kalorienzählen ist total verpönt.

 

Fridolin stört das wenig, solange er in Ruhe vor seinem Computer sitzen und er dabei sein geheimes Versteck plündern kann. Ein wahrer Schatz an Süßigkeiten, die er sich am liebsten dann in den Mund schiebt, wenn er seine Liste der Schimpfworte täglich ergänzen kann. Seine neuen Mitschüler hänseln ihn extrem wegen seines starken Übergewichtes, denn Fridolin ist nicht einfach nur dick, nein, er ist richtig fett. Die geheime Liste in seinem PC beinhaltet solch tolle Schimpfwörter wie XXL-Tornado, Specktzunami oder auch Horrorwalze. Obwohl Fridolin feinsäuberlich jeden Tag die Liste um ein oder mehrere neue Wörter ergänzt, scheint es ihn nicht allzu sehr zu beeindrucken. Nur manchmal weint er heimlich ein paar Tränen, doch die Schokolade lässt sie schnell wieder versiegen. Fridolin XXL hat keine Freunde, und wäre da nicht sein ebenfalls sehr dicker Hund „Schnitzel“ hätte er wohl oft niemanden zum Reden, denn seine Mutter und seine Oma scheinen ständig beschäftigt zu sein.

 

Jana Frey versteht es wunderbar, sich in die Kinderseele eines beginnenden Teenagers hinein zu versetzen. Der Leidensdruck der durch ein Anderssein entsteht, die Gemeinheiten anderer Kinder ertragen zu müssen, und sich mit all den verdrängten Emotionen hinter einem Berg aus Süßigkeiten und Verdrängung zu verstecken, hat die Autorin gelungen in ihr Kinderbuch „Fridolin XXL“ hinein übertragen können. Einzig störend erscheint an manchen Stellen die Denk- und Redensweise von Fridolin, die sich in diesen Momenten nicht nach einem zehn- bis zwölfjährigen Kind anhört, sondern eher nach der eines Erwachsenen. Doch im Gesamtbild stört das nicht weiter.

 

In Fridolins Klasse gibt es das Mädchen Tiffany, welches auch in dem Nebenhaus von Fridolin wohnt. Tiffany hat rote Haare und ist nicht nur in seinen Augen sehr sonderbar. Kunterbunte Kleider, die immer viel zu dünn für die Jahreszeit erscheinen, ständig mit einem dicken Wälzer unter dem Arm und spindeldürr. Anfangs ignorieren sich die beiden, zumal Tiffany am Tag seines Einzuges im neuen Haus einer Nachbarin zu rief „Ein Hund, ein Junge und eine Frau. Und alle dick wie Säcke!“ Doch mit der Zeit freunden sich Tiffany und Fridolin an und sie versucht ihn zum Abnehmen zu motivieren. Aber damit hat der Junge nichts am Hut…

 

Eines Tages kommt sein Vater mit seiner neuen Frau und seinem neuen Sohn zu Besuch. Sein Vater, ein sehr sportlicher Typ, erschrickt furchtbar, weil Fridolin seit seinem letzten Treffen noch fetter geworden ist. Voller Elan will er seinen Sohn dazu bringen, endlich nicht mehr soviel zu essen und Sport zu treiben. Als sein Vater mit seiner Mutter wegen der falschen Ernährung einen Streit beginnt haut Fridolin ab. Im Park trifft er Tiffany, die einsam am Wasser sitzt. Ab dem Moment beginnt eine tiefe und ganz besondere Freundschaft zwischen dem fetten Jungen und dem superdünnen Mädchen, die nicht so dünn ist, weil sie nicht essen mag, sondern einen ganz anderen Grund dafür hat, dass die Kleider nur so an ihr herab hängen…

 

Sie beschließen sich gegenseitig zu helfen und gemeinsam eine Lösung für ihre Probleme zu finden. Fridolin möchte abnehmen, aber es ist so schwer, zumal seine Mutter und Oma alles für Humbug halten und sich so wohl fühlen wie sie sind. Ob Fridolin heraus gefunden hat, weshalb Tiffany so eigenartig und dünn ist? Und konnte er es schaffen abzunehmen und wenn ja, wie? Das soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Doch eines ist sicher: Das Ende wartet mit einigen Überraschungen auf die jungen Leser.

 

Kindern ab zehn Jahren wird nicht nur aufgezeigt wie sehr dicke Kinder leiden, sondern auch gerade sehr übergewichtigen Jungen und Mädchen wird mit „Fridolin XXL“ ein Mut machendes Buch in die Hand gegeben. Mut zum Anderssein und den Mut zur Veränderung zu haben, auch wenn es schwer ist, Gewohnheiten zu durchbrechen, sind die Botschaften die sie in diesem Kinderbuch finden.

 

Alles in allem ist „Fridolin XXL“ ein empfehlenswertes Buch für Kinder und Jugendliche. Doch auch Erwachsenen sei das Lesen von „Fridolin XXL“ nahegelegt, damit sie einen besseren Einblick in das Leben ihres übergewichtigen Kindes erhalten und ihm dabei helfen können, Wege zu finden, damit sich das eigene Kind wieder wohler fühlen kann.

 

Autorenportrait:

Jana Frey wurde 1969 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium reiste sie eine Zeit lang durch die USA und engagiert sich in der Jugendarbeit. Heute verfasst sie Bilder-, Kinder- und Jugendbücher und lebt in Wiesbaden.

Fridolin XXL

Jana Frey

Fridolin XXL

Verlag Carl Ueberreuter, Wien

ISBN 978-3- 8000-5343-8

1. Auflage 2008, 144 Seiten, Hardcover gebunden, Format 14,5 x 20,7 cm .

Unverbindliche Preisangabe: € 9,95 (D) / € 9,95 (A) / sFr 17,90

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