Ein Tag mit dir
Die Geschichte eines todsicheren Selbstmordversuchs
(sl).
„Haben Sie jemals einen geliebten Menschen verloren und sich inständig
gewünscht, noch ein einziges Mal mit ihm sprechen zu können, um nachzuholen,
was Sie versäumt haben, als Sie noch glaubten, er werde immer da sein?“
Wenn Sie diese Frage mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie unbedingt
„Ein Tag mit dir“ von Mitch Albom lesen.
Im Prolog erzählt Mitch Albom wie er in Pepperville Beach zufällig Charles „Chick“ Benetto auf der Tribüne am Rande eines Baseballfeldes trifft. Dieser erzählt ihm seine Lebensgeschichte, denn Chick hat einen todsicheren Selbstmordversuch überlebt. Mitch Albom gibt diese Geschichte in Ich-Form wieder und fügt als „Beweis“ der besonderen Authentizität der Geschehnisse einige Dokumente der Familie Benetto hinzu. So entstand „Ein Tag mit dir“, aus dem Englischen von Sibylle Schmidt übersetzt. Das Buch, das erstmals als Taschenbuch erscheint, trägt in der vorliegenden Ausgabe einen abgewandelten Titel der Hardcoverausgabe „Nur einen Tag noch“, übrigens die korrekte Übersetzung des englischen Titels „For One More Day“. Warum die Taschenbuchausgabe nicht den gleichen Titel trägt, bleibt Geheimnis des Verlages und ist schlicht unlogisch.
Chick Benettos Leben ist in seinen Augen sinnlos: Seine Profi-Baseballkarriere, für die er zum Leidwesen seiner Mutter sein Studium samt Stipendium abbricht, ist schon nach kurzer Zeit wegen einer Knieverletzung gescheitert. Seine wechselnden Jobs als Vertreter versucht er durch Alkohol zu vergessen, seine eigene Ehe scheitert wie schon die seiner Eltern. Als dann auch noch seine einzige Tochter heiratet, ohne ihn einzuladen, steht sein Entschluss fest: Er will sich umbringen. Völlig betrunken fährt Chick in der Nacht in die Stadt, in der er aufwuchs. Als er die Ausfahrt verpasst, wendet er auf der Autobahn und kracht danach mit einem LKW zusammen. Chick wird aus dem Auto geschleudert und verlässt benommen die Unfallstelle. Zu Fuß läuft er die letzten Kilometer zu seinem Heimatort, klettert dort auf den Wasserturm und stürzt sich in die Tiefe. „Als ich die Augen aufschlug, lag ich zwischen Ästen und Zweigen. (…) Ich hob den Kopf und sah Folgendes: das Baseballfeld meiner Kindheit im Morgenlicht, die Spielerbänke, das Wurfmal des Pitchers. Und meine Mutter, die seit vielen Jahren tot war.“ Chick Benetto hat keine Erklärung dafür. Er kommt nur langsam zu sich, lässt sich von seiner Mutter die Wunden versorgen und das Frühstück machen. Und dann verbringt er den ganzen Tag mit ihr.
Mitch Albom erzählt abwechselnd von den Ereignissen und Gesprächen an diesem Tag zwischen Chick und seiner Mutter Posey und in Rückblenden von der Vergangenheit der Familie. So lässt der Autor ein Stück Zeitgeschichte einer amerikanischen Kleinstadt Ende der 1950er Jahren lebendig werden. Die Familiengeschichte ist wiederum so typisch, dass sie einem irgendwie bekannt vorkommt. Die Ereignisse des Tages und die Vergangenheitsbewältigung von Chick, der die Chance nutzt, seiner Mutter die Lüge seines Lebens zu gestehen und damit endlich sein schlechtes Gewissen zu erleichtern, verweben sich gekonnt ineinander. Leider wird der Verlauf gegen Ende immer mehr vorhersehbar. Wer sich die Illusion erhalten möchte, es handle sich tatsächlich um eine reale Geschichte des Autors Mitch Albom, der Chick an diesem Tag in Pepperville Beach kennen lernte und sich alles erzählen ließ, um daraus ein wunderbares Buch zu machen, sollte nach Ende des Epilogs nicht die letzten beiden Seite mit der Danksagung und den drei Fotos ansehen…
„Ein Tag mit Dir“ legt man nicht aus der Hand, sondern liest es in einem Rutsch. Es lässt einen nachdenklich zurück, aber auch versöhnlich. Ich habe danach sofort meine Mutter angerufen und ihr eine Passage, die mich besonders berührt hat, vorgelesen. Ein liebevoll geschriebenes Buch für alle Söhne – aber auch Töchter –, die noch mit ihrer Mutter sprechen können und diesen Wert vielleicht gar nicht (mehr) zu schätzen wissen!
Autorenportrait:
Mitch Albom begeisterte mit seinen Büchern weltweit unzählige Leserinnen und Leser. Seine Bücher wurden in 36 Sprachen übersetzt und waren Nummer-1-Bestseller. Er lebt mit seiner Frau Janine in Michigan.
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