Ein Jahr in der Toskana
Reise in den Alltag
(ini).
„Ich war verliebt: in die Toskana. (…) Ich kostete vom süßen
italienischen Leben, spürte die ungeheure Lebenslust…“ Mit dieser
verführerischen Beschreibung beginnt Andrea Thiele ihr Buch „Ein Jahr in
der Toskana“, in dem sie die ersten elf Monate in ihrer Wahlheimat Italien beschreibt.
Gefühle, die auch die vielen Touristen, die jedes Jahr in die Toskana pilgern,
sehr gut nachvollziehen können. Doch wie ist es, wenn das Urlaubsgefühl
verflogen ist, wenn der Alltag einkehrt?
Andrea Thiele macht sehr schnell Bekanntschaft mit den Tücken der italienischen Lebenswirklichkeit: Behördengänge zum Beispiel haben ihre Tücken und sind nur mit der Hilfe von Italienern mit Erfolg zu bewältigen. Glücklicherweise hat Andrea Thiele mit ihrem Freund Guido eine solche Hilfe an ihrer Seite. Doch ihre Beziehung ist nicht unproblematisch, denn Guidos „mamma“ wacht mit Argusaugen über ihren Sohn und ist über die „Deutsche“ in seinem Leben gar nicht begeistert. Auch das Wetter bleibt selbst in der Toskana nicht immer warm und sonnig, wie die Autorin bald feststellen muss. Bereits im November hat der Nordwind die Toskana fest im Griff und die „limonaia“, das alte Gewächshaus, in dem sie lebt, wird zur Eiskammer. Aber zum Glück gibt es viele neue Bekannte, die ihr viele gute Tipps und Tricks fürs Überleben in Italien im Allgemeinen und in der Toskana im Besonderen geben. So verbringt sie im Winter einen großen Teil des Tages in öffentlichen Bibliotheken und lernt im Frühling die Freuden des Arbeitens auf der Piazza kennen.
Andrea Thiele versucht ihren Lesern ein detailgenaues Bild des italienischen Alltagslebens zu vermitteln. Daher verwendet sie viele italienische Bezeichnungen, die im darauf folgenden Satz erklärt werden. Das macht das Lesen zum Teil mühsam, außerdem sind ihre Erklärungen manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Neben dem Alltag lernt der Leser aber auch einiges über die florentinische Architektur und Geschichte, denn die Autorin ist studierte Kunsthistorikerin und lässt ihre Leser an ihrem profunden Wissen teilhaben. Deshalb ist „Ein Jahr in der Toskana“ auch eine hervorragende Literatur für Florenz-Touristen, die sich gerne auf unterhaltsame Weise einen ersten Überblick über ihr Reiseziel verschaffen möchten. Aber auch andere passionierte Italienurlauber können dieses Buch mit Gewinn lesen und – wer weiß? – vielleicht kommt ja der eine oder andere auf den Geschmack, es selbst einmal mit einem Jahr in Italien zu versuchen…
Autorenportrait:
Andrea Thiele, geboren 1967, hat Kunstgeschichte studiert und arbeitet seit 13 Jahren als freie Journalistin. Im Auftrag von Zeitschriften und Zeitungen reiste sie um die halbe Welt – in der Toskana fand sie ihre zweite Heimat.
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