Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk
Geschichte einer Jugend im Österreich der späten 60er Jahre
(akg).
Der Vater nennt ihn „eine einzige Enttäuschung“, die Mutter bezichtigt
ihn des Diebstahls und der Lügnerei. Johann Nepomuk lässt sich davon
jedoch nicht beirren und denkt gar nicht daran, diese Beleidigungen wahr werden
zu lassen. Stattdessen lebt er seine Jugend, wie wahrscheinlich viele seiner
Altersgenossen in den späten 60er Jahren in Österreich auch: mit Fußballtraining,
Tanzschule und der ersten großen Liebe. In Mariella findet er einen Gegenpol
zu dem rauen Ton bei ihm zu Hause. Mit einem Vater, der erst nach Alkohol stinkt
und schließlich gar nicht mehr wiederkommt. Und einer Mutter, die ihm
vorwirft, ihr ihre Jugend genommen zu haben. Doch auch bei Mariella ist die
Welt alles andere als heil. Zwar lernt er durch sie die Liebe zu Gedichten und
französischer Malerei kennen, doch bringt sie ihn durch ihre Vergangenheit
auch bald in große Gefahr…
In Christoph Wilhelm Aigners Roman „Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk“ finden sich viele Alltäglichkeiten wieder, die die späten 60er und frühen 70er Jahre auszeichneten. Beiläufig erwähnt sein Romanheld Johann Nepomuk die reichen Verwandten, die in einem der ersten Plattenbauten mit Fahrstuhl wohnen, lange bevor diese als heruntergekommen galten. Er spricht von den Altnazis, die ihren Antisemitismus auch weiterhin offen zur Schau stellen, und von seiner Oma, die in der Nachbarschaft noch immer als Vaterlandsverräterin gilt, weil sie sich im Krieg zu den Hilflosen bekannte. Alles andere als behütet wächst er auf, und man ahnt die Stärke, die Christoph Wilhelm Aigner seinem Protagonisten zuschreibt, durch die er den immer größer werdenden Herausforderungen des Lebens für lange Zeit standhalten kann.
Es sind jedoch nicht nur die bitteren Situationen, die im Roman „Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk“ beschrieben werden. Genau die gleiche Aufmerksamkeit gibt Christoph Wilhelm Aigner den schönen Momenten. Hier ist von Johanns Oma die Rede, die als eine der wenigen keine Forderungen an ihn stellt. Von seiner großen Liebe Mariella, die sich als einzige Sorgen um ihn macht. Es zählt zu den großen Stärken des Romans, dass der Autor kein Mitleid für seinen Hauptdarsteller wecken möchte, sondern einzig dessen Geschichte erzählen will, die wohl wie jedes Leben aus guten und bösen Momenten besteht. Im lapidaren Ton, aus der Ich-Perspektive, oft in Umgangssprache, sodass ein sehr intimes Gefühl zwischen Johann Nepomuk und seinem Leser entsteht. Fast so, als erzähle er seine Geschichte tatsächlich nur für einen selbst, den Leser.
Man wünscht sich, dass Johann Nepomuk auch weiterhin seinen Weg gehen wird und sich dabei nicht von Niederlagen bremsen lassen wird. Auch wenn man ihn hierbei leider nicht mehr verfolgen kann, denn schließlich enden auch „Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk“ einmal – doch sie enden hoffnungsvoll.
Autorenportrait:
Christoph Wilhelm Aigner, geboren 1954 in Wels/Oberösterreich, studierte und arbeitete als Tageszeitungsredakteur in Salzburg, seit 1985 ist er freier Schriftsteller und lebt in Italien. „World Literature Today“ zählt ihn zu den wichtigsten zeitgenössischen Dichtern.
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