Die Geschichte meiner Schreibmaschine
Metamorphosen der „Olympia“ von Paul Auster
(pr/sl).
Es ist eine verrückte Idee, seiner Schreibmaschine ein Buch zu widmen.
Doch genau dies hat Paul Auster nun getan. „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“,
aus dem Englischen übersetzt von Werner Schmitz, ist eine Hommage an eine
Schreibmaschine der Firma „Olympia“, auf der der bekannte Schriftsteller seit
1974 seine Romane verfasst.
Im Zeitalter des Computers ist es eher ungewöhnlich, wenn ein Schriftsteller seine Romane immer noch auf einer manuellen Schreibmaschine verfasst. Alle Freunde von Paul Auster schafften sich langsam Computer an, nur der Schriftsteller selbst blieb bei seiner „Olympia“. „Langsam kam ich mir vor wie ein Fortschrittsfeind, der letzt heidnische Posten einer Welt voller digitaler Konvertiten.“ Dies ist der Moment, an dem er eine starke Zuneigung zu seiner Schreibmaschine entwickelte. Dabei ist es heutzutage nicht unbedingt praktisch, noch mit einer manuellen Schreibmaschine zu arbeiten. Paul Auster schreibt, dass keine Farbbänder für die Maschine mehr zu beschaffen sind. Doch er hängt an der Schreibmaschine, da sie ihn seit über 25 Jahren begleitet. Immerhin hat sie etliche Kühlschränke, Wohnungen, Häuser, Schuhe und andere Dinge überlebt.
Der Maler Sam Messer, ein Freund von Paul Auster, entwickelte ebenfalls eine Beziehung zu der alten „Olympia“. „Sam hat von meiner Schreibmaschine Besitz ergriffen, und ganz allmählich hat er einen leblosen Gegenstand zu einem Wesen mit Persönlichkeit und Ausstrahlung gemacht.“ Deshalb ist das Buch eine Zusammenarbeit der beiden, da die Schreibmaschine dem Maler mehrmals als Motiv gedient hat. Das Buch enthält neben dem Text von Paul Auster Ölbilder von Sam Messer, die den Schriftsteller mit seiner Schreibmaschine, aber auch die „Olympia“ alleine zeigen. Die Gemälde widmen sich ihr und lassen sie tatsächlich als lebendig erscheinen. Die „Olympia“ ist in verschiedenen Farben dargestellt, teilweise sind ihre Tasten nur Farbkleckse. Auf einem Bild erscheinen diese Tasten wie ein gieriger Mund. Ein anderes zeigt den Autor, wie er mit ihnen jongliert. Neben den Ölgemälden sind auch Skizzen von Sam Messer zu sehen. Sie alle haben ein Ziel: Das Eigenleben der Schreibmaschine einzufangen, die für den Autor und für den Maler mehr als eine Maschine ist. Dies ist sowohl dem Text als auch den Bildern auf wundervolle Weise gelungen.
Interessant ist, dass Paul Austers Danksagung am Ende des Buches auf den 10. September 2001 datiert ist. Dahinter ist ein Bild der „Olympia“ mit den Türmen des „World Trade Centers“ im Hintergrund zu sehen. Doch es bleibt unklar, ob dieses letzte Bild nachträglich als Erinnerung an den 11. September 2001 entstanden ist.
„Die Geschichte meiner Schreibmaschine“ ist ein überaus poetisches und außergewöhnliches Buch, das nicht nur den Fans von Paul Auster gefallen wird!
Autorenportrait:
Paul Auster lebt als Schriftsteller in Brooklyn, New York. Er verfasste unter anderem den Roman „Das Buch der Illusionen“.
Illustratorenportrait:
Sam Messer lehrt an der „Yale University“ Kunst und lebt in Santa Monica, Kalifornien. Seine Bilder hängen in zahlreichen Sammlungen und Museen, unter anderem im „Whitney Museum of American Art“ und im „Metropolitan Museum of Art“ in New York.
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