Der verschollene Caravaggio

Kunstgeschichte als spannende Schnitzeljagd

Der verschollene Caravaggio(mag). Manches verschollene Kunstwerk taucht unerwartet in dem berühmten Koffer auf dem Dachboden der Großeltern oder überraschend auf einem kleinen Flohmarkt auf. Doch den meisten Entdeckungen gehen jahrelange Recherchen, akribische Aktenstudien und geduldige Sucherei voraus. In seinem unterhaltsamen Buch „Der verschollene Caravaggio“ zeichnet der Autor Jonathan Harr den Weg nach, der 1993 schließlich zur Wiederentdeckung des Gemäldes „Die Gefangennahme Christi“ von Michelangelo Caravaggio geführt hat.

 

Zu der erfolgreichen Suche haben viele Personen beigetragen, daher erzählt Jonathan Harr die Geschichte aus der Perspektive eines Kunstprofessors, der beiden Studentinnen Francesca Cappelletti und Laura Testa sowie zweier Restauratoren. Jonathan Harr gibt einen eindrucksvollen Einblick in die mühselige Arbeit der Kunsthistoriker, die sich durch staubige Archive wühlen und mit Hilfe modernster Technik Gemälde wie Patienten untersuchen. Der Leser wird zum Teilnehmer diese Suche und kann jeden Schritt mitverfolgen. Der Amerikaner macht deutlich, dass die Kunstgeschichte eine Wissenschaft voller Rivalitäten, Eitelkeiten und Geldgier aber auch fleißiger Studenten, aufmerksamer Restauratoren und leidenschaftlicher Forscher ist. Außerdem stellt er einen Vergleich der Universitäten in England und in Rom an, bei dem die chaotische Uni in Rom ganz schlecht wegkommt. Jonathan Harr stellt dem Leser auch die aufwändige und oft heikle Arbeit der Restauratoren vor und würdigt ihr Fachwissen.

 

Das Buch „Der verschollene Caravaggio“ ist eine gelungene Mischung aus Sachbuch und Roman. Der Leser taucht tief in die Welt der Kunstgeschichte ein und wird kenntnisreich unterhalten. Jonathan Harr hat in die Handlung der Gegenwart auch biografische Fakten aus dem abenteuerlichen Leben von Michelangelo Caravaggio im 16. Jahrhundert eingewoben. Die Suche nach dem verschollenen Gemälde ähnelt einer Schnitzeljagd über sehr viele Stationen. Dadurch dass Jonathan Harr auch über das Leben, die Gefühle und Wünsche der einzelnen Beteiligten schreibt, ist neben den vielen interessanten Details und Fakten auch ein lebendiges Bild der kunstbegeisterten Menschen entstanden.

 

Dass „Der verschollene Caravaggio“ auf einer wahren Begebenheit beruht, erfährt der Leser erst im Nachwort. Das gut geschriebene Sachbuch, aus dem Englischen von Gabriele Bonhoeffer übersetzt, hätte man auch für eine unterhaltsame Fiktion halten können. Das Buch wird allen Lesern, die sich für Kunst interessieren, Kunststudenten, Museumsbesuchern und Menschen, die akribische Detektivarbeit mögen, eine spannende Unterhaltung sein. Leider sind dem Buch keine Bilder beigegeben, man würde zumindest das barocke Gemälde „Die Gefangennahme Christi“ aus dem 16. Jahrhundert gerne mal sehen. Aber da hilft ein Blick ins Internet dem neugierigen Leser weiter.

 

„Der verschollene Caravaggio“ nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Suche nach einem verlorenen Gemälde.

 

Autorenportrait:

Jonathan Harr wurde in Beloit, Wisconsin, geboren. Er lebt in Northampton (Massachusetts) und Rom. Er schreibt für „New England Monthly“, „The New Yorker“ und das „New York Times Magazine“. Sein Buch „A Civil Action“ (unter demselben Titel mit John Travolta verfilmt) war für den „National Book Critics Circle Award“ nominiert.

Der verschollene Caravaggio

Jonathan Harr

Der verschollene Caravaggio

Aus dem Englischen von Gabriele Bonhoeffer

Deutscher Taschenbuch Verlag, München

ISBN 978-3-423-24667-5

Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2008, 280 Seiten, Klappenbroschur.

Unverbindliche Preisangabe: € 14,90 (D) / € 15,40 (A) / sFr 25,80

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