Der Verlag

Ein satirischer Comic

Der Verlag(hpe). Ein typischer Tag im Verlag: Es werden zündende Ideen gesucht für die Promotion eines „leicht umstrittenen“ Pro-Walfang-Buches. Die Mitarbeiter geben ihr Bestes: Wale fangen schafft Arbeitsplätze, Wale nehmen echten Fischen den Platz weg, und schließlich: Wale sind keine potentiellen Kunden. Es gibt keine treffendere Zusammenfassung für die Stoßrichtung des satirischen Comics „Der Verlag“ von Roland Jungbluth als dieses letzte Argument. Denn die Maxime im Verlag ist nur die eine: Gut ist, was sich verkaufen lässt. Moral spielt da keine Rolle. Das heißt eigentlich doch, aber nur, wenn sie sich verkaufen lässt. Wie etwa beim obigen Walfang-Buch. Um die Walfang-Gegner nicht vor den Kopf zu stoßen, produziert „Der Verlag“ nämlich gleich noch heimlich Anti-Walfang-Aufkleber, die er dann für teures Geld verkauft. Wieder ein Musterbeispiel für die hervorragende Arbeit Roland Jungbluths. Wo andere Satiriker bei der ersten Pointe Schluss machen, setzt er noch eine drauf. Der Autor entwirft mit der vierköpfigen Ideenschmiede im Verlag einen Kosmos, der in sich schlüssig und humorvoll die Perversitäten des Geschäfts abbildet. Das ist selbstverständlich alles übertrieben – so bleibt zumindest zu hoffen.

 

Roland Jungbluths farbige, aber nicht unbedingt herausragenden Zeichnungen erinnern an klassische Zeitungscomics wie Garfield oder die Peanuts (die zitiert Roland Jungbluth mehr als einmal). Wie diese Vorbilder arbeiten auch die Verlagsangestellten jeweils auf einer Seite ein Thema ab. Warum ist der Chef ein Hund? Na, weil Hunden niemand böse sein kann. Wie das Ozonloch vermarkten? Als unser Fenster zu Herrn. Moral oder Profit? Die Antwort erübrigt sich.

 

Gerade in Zeiten, da Korruptionsaffären fast jede deutsche Chefetage durcheinanderwirbeln, passt „Der Verlag“. Denn was sich in der Medienlandschaft abspielt, ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Doch neben den Machern bekommt auch immer der Leser sein Fett weg. Denn die platten Strategien, mit denen die „Kreativen“ ihre Produkte an den Mann zu bringen versuchen, entwerfen sie ja nur, weil die Menschen dafür empfänglich sind. So ist es also nur nachvollziehbar, dass Brechts „Dreigroschenoper“ von den „Scharfen Lederludern“ intoniert wird oder der Chef die direkte Eigenwerbung auf der Titelseite („Kaufen Sie dieses Buch!“) für zu subtil befindet.

 

Wer sich auf diese herrliche Weise beleidigen lassen will, der ist bei Roland Jungbluth und „Der Verlag“ genau richtig.

 

Autorenportrait:

Roland Jungbluth, 1970 geboren und in einer Kleinstadt nahe Braunschweig lebend, studierte Kunstgeschichte, bevor er sich von der reinen Theorie ab- und sich als Autodidakt erfolgreich der Produktion von Cartoons und Comicstrips zuwandte. Trotz seines vergleichbar späten Einstiegs in das Cartoongeschäft hatte er unter anderem bereits zahlreiche Veröffentlichungen in bekannten Zeitschriften und Zeitungen. „ Der Verlag“ ist sein erstes Buch in der „Ehapa Comic Collection“ und nicht zuletzt gerade deshalb ein schöner Einstieg, weil er auf gekonnt satirische und witzige Weise genau die Branche auf die Schippe nimmt, die er sich selbst als Spiel- und Arbeitsplatz auserkoren hat. Und so spürt man in der humorvoll zynischen Betrachtungsweise immer auch ein liebevoll augenzwinkerndes Verständnis des Autors für eine Medienwelt, die es in Punkto Verrücktheit und Wahnsinn mit jeder noch so geschlossenen Anstalt aufnehmen kann.

Der Verlag

Robert Jungbluth

Der Verlag

Egmont Ehapa Verlag, Köln

ISBN 978-3-7704-3089-5

Originalausgabe, 1. Auflage 2007, 64 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Broschur gebunden, Querformat.

Unverbindliche Preisangabe: € 7.- (D) / € 7,20 (A) / sFr 13.-

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