Der Klan der Wölfin
Eine geheime Prophezeiung soll verfeindete Hexenstämme vereinen
(cic).
In dem Roman „Der Clan der Wölfin“ von der spanischen Autorin Maite Carranza
geht es um das 14-jährige Mädchen Anaíd, dessen Leben nach
dem Verschwinden der Mutter völlig aus den Fugen gerät.
Bis zu ihrem 14. Lebensjahr leben Anaíd und ihre Mutter Selene glücklich, wenn auch abgeschieden in einem kleinen Dorf in den Pyrenäen. Anaíd wird zwar von allen gehänselt, da sie mit 14 immer noch so aussieht wie eine Zehnjährige, aber durch die lebensfrohe Selene erhält sie immer wieder neuen Lebensmut. Eines Tages beim Aufstehen entdeckt Anaíd, dass ihre Mutter verschwunden ist; doch nicht nur das – alle Kleidungsstücke, das Portemonnaie, alle ihre Sachen sind noch am selben Ort wie am Tag davor. Anaíd sucht überall nach ihr, selbst in dem Wald, wo sie damals ihre tote Großmutter entdeckt hat, aber von Selene fehlt jede Spur. Um ihr in dieser Lage zu helfen, taucht wenig später ihre Großtante Criselda auf. Als Anaíd ihr zeigen will, dass keine von Selenes Sachen verschwunden sind, ist fast alles wie von Geisterhand verschwunden; selbst vom Konto ist Geld abgehoben worden und im Briefkasten befindet sich ein Brief von Selene, in welchem sie Anaíd erklärt, dass sie mit ihrem Freund weit weggefahren ist, um ein neues Leben anzufangen. Aber als Anaíd diesen Freund aufsucht, ist er nicht verreist und hat von Selene ebenfalls eine Absage erhalten.
Die Trauer des Mädchens wächst, während ihre Tante Criselda gemeinsam mit den drei Frauen Elena, Gaya und Karen herauszufinden versucht, wohin Selene verschwunden ist. Eines Tages entdeckt Anaíd zufällig eine Crème und ein Buch im Zimmer ihrer Tante; als sie sich mit der Crème einschmiert und einen Spruch aus dem Buch vorliest, beginnt sie, auf eine Waldlichtung zu fliegen, auf der sich auch Criselda, Elena, Karen und Gaya versammelt haben. Es stellt sich heraus, dass die vier Hexen sind, ebenso wie Selene und Selenes Mutter und dass Anaíd ebenfalls zur Hexe ausgebildet werden soll. Außerdem erfährt sie, dass Selene die Auserwählte einer Prophezeiung ist, die vor langer Zeit gemacht wurde. Die Prophezeiung besagt, dass die Auserwählte die verfeindeten Hexenstämme Odish und Omar wieder vereinen soll; und aus diesem Grund ist Selene von den bösen Odish entführt worden. Anaíd, die sehr schnell Fortschritte in der Hexerei macht, entscheidet sich, selbst und nur mit Hilfe ihrer Zauberkräfte nach Selene zu suchen...
Autorin Maite Carranza hat das Talent, durch eine wortgewandte und lebendige Schreibweise, aus dem Spanischen von Hanna Grzimek übersetzt, eine völlig neue Welt vor den Augen des Betrachters erscheinen zu lassen. Mit ihrer Liebe zum Detail gelingt es ihr, alles vorstellbarer zu gestalten. Sie schreibt spannend und lebhaft – man möchte das Buch eigentlich kaum mehr aus der Hand legen. Ihre Charaktere werden liebevoll beschrieben und ihre Gefühlswelt nachvollziehbar; Anaíds pubertierende Gefühlsschwankungen zum Beispiel sind reell dargestellt und man möchte die Protagonistin manchmal einfach nur in den Arm nehmen.
Jedoch erscheint die Handlung des Romans nicht besonders spektakulär. Die Autorin entwirft eine typische Hexengeschichte nach dem üblichen Schema: Mädchen, das nicht weiß, dass sie eine Hexe ist, es später erfährt und mit ihrer großen Zauberkraft die Welt verändern bzw. retten kann. Es werden kaum neue Aspekte oder Überraschungen in die Storyline mit eingebunden und so ist recht früh klar, wie „Der Clan der Wölfin“ zu ende gehen wird. Wer es also lieber etwas ausgefallener und spektakulärer mag, sollte sich lieber einem anderen Roman zuwenden.
„Der Clan der Wölfin“ ist für alle Jugendlichen zwischen elf und 15 Jahren zu empfehlen, die Hexengeschichten mögen und nicht unbedingt nach etwas Ausgefallenem in diesem Genre suchen.
Autorenportrait:
Maite Carranza, 1958 in Barcelona geboren, studierte Anthropologie und arbeitete als Gymnasiallehrerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen und Drehbüchern widmete. Sie hat über 40 Titel veröffentlicht und wurde mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Kritikerpreis „Serra d'Or“ und dem „Edebé-Preis für Kinderliteratur“.
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