Das erste Buch

Schriftsteller über ihr literarisches Debüt

Das erste Buch(mkb). Nicht jeder Schriftsteller stürmt wie J. K. Rowling gleich mit dem ersten Werk die Bestsellerlisten, sondern beginnt sein Debüt leise und in kleinen Auflagen. Der Herausgeber Renatus Deckert hat in „Das erste Buch“ weitgehend unbekannte Erstlinge zwischen 1948 bis 1995 in den Mittelpunkt gestellt und die heute erfolgreichen Schriftsteller damit konfrontiert. Mit einem Schmunzeln, ernsthaften Zweifeln oder ganz rationell, aber immer mit einem Augenzwinkern, gehen die Schriftsteller mit ihrem Debüt um und erinnern sich.

 

Anschaulich beschreibt Günter Grass, wie er schon als 13-Jähriger in die Schriftstellerei gestolpert ist. Eine NS-Jugendzeitung hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben, und sofort machte er sich an einen Roman über Kaschuben, die ihm ganz aus der Kaschubenart geriet und stattdessen eine Aneinanderreihung von Totschlag und Morden geworden ist: „Blut floß im Übermaß. Mit anderen Worten: Nach zwanzig Seiten Sütterlinprosa im Kontobuch meiner Mutter waren alle Helden tot (…)“. Dies und so einiges mehr landete in den Untiefen einer Schublade, bis er endlich seinen eigenen Stil gefunden hatte und mit dem Gedichtband „Die Vorzüge der Windhühner“ in den Buchmarkt eingestiegen ist, 1959 schließlich mit „Die Blechtrommel“ einen Langzeiterfolg feierte.

 

Siegried Lenz hat seine literarischen Gehversuche mit dem Volksschullehrer Stenka eingeleitet, jenem zeitversetzt die eigene Flucht in die Schuhe geschoben und unermüdlich in den Minuten und Stunden zwischen seiner Feuilletonarbeit an „Es waren Habichte in der Luft“ geschrieben. Als sein Erstling 17 Jahre später neu aufgelegt werden sollte, bat man ihn, sein Werk noch einmal zu lesen und ein passendes Vor- und Nachwort anzufertigen. Beim Durchlesen geriet er ins Seufzen und entschied sich gegen die ein- und ausleitenden Anmerkung, weil er „(…) merkte, dass es nur auf eine Bitte um Nachsicht hinauslaufen würde, auf Rabatt, auf kritischen Preisnachlaß sozusagen.

 

Robert Menasse hätte nach abgeschlossenem Philosophiestudium lieber weiterstudiert als einer geregelten Arbeit nachzugehen. Alternativ zum Dasein als ewiger Student nahm er einen Kredit auf und schrieb sich im zweiten Anlauf mit „Sinnliche Gewissheit“ in den Anfang einer langen Schriftstellerkarriere. Eva Demski kündigte sogar ihren Job beim Rundfunk, damit sie Zeit zum Schreiben hatte, und auch sie gehört zu den Auserwählten, für die mit dem ersten Buch ein Traum wahr geworden ist. Martin Walser, Michael Krüger, Sten Nadolny und Sarah Kirsch sind nur einige der Autoren, die für uns literarisch auf ihr „Erstes Mal“ zurückblicken und davon erzählen wie auch sie einmal ganz klein angefangen haben.

 

Am Ende von „Das erste Buch“ befindet sich eine chronologische Aufstellung über die Autoren und ihre Erstlinge. Beim Stöbern in der Liste überlegte ich, wie viele Manuskripte zeitgleich auf dem Schreibtisch des zuständigen Lektors gelandet und nicht verlegt worden sein müssen. Ein Manuskript unter die Haube zu bringen ist nicht nur das Resultat von Talent und harter Arbeit, sondern ebenso mit reichlich Glück verbunden, und dieses Glück blitzt unübersehbar aus den Zeilen der Autoren hervor.

 

„Das erste Buch“ ist der unterhaltsame Rückblick auf einen bedeutenden Meilenstein im Leben vieler, heute erfolgreicher Schriftsteller!

 

Herausgeberportrait:

Renatus Deckert, geboren 1977 in Dresden, lebt als Essayist, Lyriker und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Lose Blätter“ in Berlin.

Das erste Buch

Renatus Deckert (Hrsg.)

Das erste Buch

Schriftsteller über ihr literarisches Debüt

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main

ISBN 978-3-518-45864-8

Originalausgabe, 1. Auflage 2007, 358 Seiten, Taschenbuch.

Unverbindliche Preisangabe: € 10.- (D) / € 10,30 (A) / sFr 18.-

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