Blaue Schuhe für eine Kobra
Ein afrikanischer Krimi mit viel Lokalkolorit
(mag).
Ursprünglich wollte der in Zimbabwe und Schottland aufgewachsene Autor
Alexander McCall Smith eine Geschichte schreiben, die die positive Seite von
Afrika zeigt. Entstanden ist die inzwischen mehrere Bände umfassende Weltbestseller-Reihe
über die Privatdetektivin Mma Ramotswe, die in Gaborone ihre „No 1
Ladies' Detective Agency“ (es gibt in der Hauptstadt von Botswana allerdings
auch nur eine von Frauen geführte Detektei) betreibt. In dem Buch „Blaue
Schuhe für eine Kobra“ müssen Mma Ramotswe und ihre Assistentin Mma
Makutsi Fälle von Erpressung, Diebstahl und Medikamentenfälschung
bearbeiten, und sie stehen einem schwierigen Problem von tief in Afrika verwurzeltem
Aberglauben gegenüber. Aber auch privat läuft nicht alles glatt: So
muss Mma Makutsi ihren Verlobten davon überzeugen, dass er sie nicht verlässt,
und ihre neuen schicken blauen Schuhe einlaufen. Mma Ramotswe, die sich selbst
als „Frau von traditioneller Statur“ bezeichnet, überlegt,
ob sie wegen ihres Bluthochdruckes nicht doch eine Diät beginnen soll.
Auch die plötzlich im Büro der beiden auftauchende Kobra hält
die couragierten Detektivinnen auf Trapp.
Alexander McCall Smith erzählt seine Geschichte „Blaue Schuhe für eine Kobra“ in einem ganz eigenen humorvollen Stil. Er hat eine interessante Beobachtungsgabe für die Vielschichtigkeit und die Widersprüche in Botswana und ein gutes Gespür für Situationskomik. Die Beschreibungen der Landschaft lassen die afrikanische Kalahari-Wüste in all ihrer Schönheit auferstehen, und die Schilderungen der Straßenszenen sind sehr bunt und lebendig. Ebenso wie seine Heldin Mma Ramotswe lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Roman hat ein gemächliches Tempo und spiegelt so den Rhythmus in Botswana wieder, bringt aber auch die Geschichte nur langsam voran.
Alexander McCall Smith hat ein großes Herz für die Menschen aus Botswana, neigt aber zur Idealisierung. Die Figur der Mma Ramotswe hat in Afrika kein real existierendes Vorbild, betont er, sie entspricht aber einem Frauentyp, den man dort überall antreffen kann. Auch die anderen Personen sind eher Typen als Charaktere. Alexander McCall Smith beschreibt nie die Gesichter der Personen, so dass viel Raum für die eigene Phantasie bleibt. Leser, die eine atemberaubende Krimihandlung mit Mord und Totschlag erwarten, werden enttäuscht sein, in „Blaue Schuhe für eine Kobra“ geht es wenig spektakulär zu, dafür aber mit viel Bauernschläue und gesundem Menschenverstand.
„Blaue Schuhe für eine Kobra“ („Blue Shoes and Happiness“) wurde von Verena Kilchling aus dem Englischen übersetzt. Ihr gelingt es ganz wunderbar, den britisch-flapsigen Plauderton des Originals zu übertragen. Alexander McCall Smith meint, dass in seinem Buch so viele Szenen vorkommen, in denen Tee getrunken und Kuchen gegessen wird, dass seine Bücher weniger zur Kriminalliteratur zählen, sondern dafür eher die Gattung der „Tee- und Kuchen-Literatur“ geschaffen werden müsste.
Wer Alexander McCall Smiths Art des Erzählens mag und es aushalten kann, dass über viele Seiten scheinbar nichts Bedeutendes passiert, wird dieses Buch mit viel Vergnügen lesen. Der Roman „Blaue Schuhe für eine Kobra“ ist ideal für alle, die britischen Humor lieben und eine andere Sicht auf Afrika genießen möchten.
Autorenportrait:
Alexander McCall Smith, Jahrgang 1948, wuchs in Zimbabwe und Schottland auf und lebt in Edinburgh mit seiner Frau, zwei Kindern und einer Katze. Er war bis vor kurzem Professor für Medizinrecht. Der erklärte Musikliebhaber spielt das Fagott, unter anderem im „Really Terrible Orchestra“, das er mit gegründet hat – allerdings, wie er einräumt, nicht das ganze Fagott, weil er die schrillen Töne nicht leiden kann und deshalb meist beim hohen C aufhört. Das ist seiner Meinung nach aber völlig ausreichend. Er veröffentlichte zahlreiche Fach- und Kinderbücher, bevor ihm mit der „The No. 1 Ladies' Detective Agency“ und der Krimi-Reihe mit Isabel Dalhousie Welterfolge gelangen. Die Romane dieser Reihe werden in 42 Ländern veröffentlicht. Oscar-Preisträger Anthony Minghella („Der englische Patient“) führt derzeit Regie bei der Verfilmung des Stoffes um Mma Ramotswe und ihre Detektei.
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