Was ist gute Kunst?

Eine Diskussion über Qualität in der Kunst

Was ist gute Kunst?(mag). Jedem Museumsbesucher ist es schon so ergangen, dass er ratlos vor einem Kunstwerk stand und nicht begreifen konnte, warum dieses Werk den Weg ins Museum geschafft hat. Der Berliner Galerist Wolfram Völker hat sich auf die Suche nach allgemeinen Qualitätsmaßstäben zur Bewertung von Kunst gemacht. In dem von ihm herausgegebenen Sachbuch „Was ist gute Kunst?“ lässt er zwölf namhafte Kunsthistoriker zu Wort kommen. Alle Experten arbeiten an Museen im deutschsprachigen Raum und sind international anerkannt.

 

Eingeteilt ist das kontroverse Buch in sechs Kapitel zu den unterschiedlichen Medien Malerei, Zeichnung und Druckgrafik sowie Videokunst, Fotografie und Skulptur. Jedes Kapitel besteht aus dem Text eines Kurators und aus einem Interview, das der Herausgeber Wolfram Völker mit einem Kollegen geführt hat. Das Kapitel über Fotografie besteht aus zwei Interviews. So gelingt es dem Herausgeber, je zwei Meinungen zu einer Kunstgattung gegenüberzustellen, um so eine kontroverse Auseinandersetzung über Qualität in der Kunst anzuregen.

 

In den Texten, die die Kunsthistoriker verfasst haben, stellen sie dem Leser gut lesbar ihre Betrachtungsweise von Kunst dar. Es wird deutlich, dass die Bewertung von Kunst individuell verschieden ist und jeder einen eigenen Ansatz hat. Die Bewertungskriterien werden durch fundierte Kenntnisse erläutert und anhand von konkreten Beispielen aus der zeitgenössischen Kunst konkretisiert. Qualität steht für viele Kuratoren im Kontext der Kunstgeschichte und deren Weiterentwicklung. Daher gibt es sehr interessante kurze Abrisse über die Entstehung der Kunst in den Bereichen Fotografie, Videokunst und Druckgrafik sowie Skulptur. In diesen Kapiteln wird der Ansatz deutlich, dass das Buch „Was ist gute Kunst?“ eine Hilfestellung für Kunstinteressierte sein möchte. Alle Texte sind durch farbige Abbildungen erläutert und jeder erwähnte Künstler wird mit seinen Lebensdaten genannt.

 

Die Interviews beginnen jeweils mit der gleichen Frage: „Was verstehen Sie allgemein unter „Qualität“ in der Kunst?“ Bei fast allen Befragten erkennt man in der darauf folgenden Antwort ein inneres Aufstöhnen, wegen des komplexen Themas. Gudrun Inboden und Michael Semff versuchen es erst einmal mit der Erläuterung des aus dem lateinischen stammenden Begriffes, Urs Stahel aus der Schweiz stöhnt, „gleich zu Beginn eines Interviews die Frage nach Leben und Tod?, während sein Kollege Wulf Herzogenrath feststellt, „Qualität ist sicher noch schwerer zu definieren als Kunst allgemein“. Dann jedoch entwickeln sich substanzielle Gespräche über zeitgenössische Kunst, ihre Tendenzen und deren unterschiedliche Bewertung. Interessant ist unter anderem, wie kontrovers die Kunsthistoriker die Frage nach dem Einfluss des eigenen Geschmackes auf ihre Werturteile zur Kunst einschätzen. Alle Befragten werden dazu aufgefordert, ihre Meinungen durch konkrete Beispiele aktueller Kunst zu erläutern. Die meisten nennen ein, zwei Beispiele für hohe Qualität in der Kunst. Leider trauen sich nur die wenigsten ein Negativbeispiel zu nennen. Der kritische Leser würde dies sicher zu schätzen wissen.

 

Die Beiträge der Koryphäen im Kunstbereich sind durchweg informativ und gut verständlich, schade ist, dass einige Experten nicht ohne Eitelkeiten und Abschweifungen auskommen. Trotz der Meinungsvielfalt erkennt der Leser einige Gemeinsamkeiten in der Bewertung und erhält so einen Eindruck, nach welchen Kriterien Kuratoren die Kunstwerke für Museen auswählen. Gérard A. Goodrow, der Direktor der Kunstmesse „Art Cologne“, nennt als Zielgruppe für das informative Sachbuch „Was ist gute Kunst?“ die „eingefleischten Kunstsammler“ und die ‚unbefleckten' Messe- und Museumsbesucher auf ihrem Weg zum Kunstliebhaber und -sammler“.

 

Das Kunstbuch „Was ist gute Kunst?“ ist vor allem für alle ein großer Gewinn, die sich ein bisschen in der zeitgenössischen Kunst auskennen. Da die Anzahl der Abbildungen begrenzt ist, bedarf es einiger Kenntnisse um alle genannten Beispiele nachvollziehen zu können. Im Anhang des Buches gibt es zu jedem Autor eine Kurzbiografie, bei der leider die Lebensdaten fehlen, sowie ein Bild- und Fotonachweis.

 

Das Buch „Was ist gute Kunst?“ ist eine interessante Bereicherung bei der ewig währenden Diskussion um zeitgenössische Kunst und deren Qualität. Es zeigt, dass Kunstbetrachtung eine sehr subjektive Angelegenheit ist und lädt dazu ein, sich eine eigene Meinung zu bilden.

 

Herausgeberportrait:

Dr. Wolfram Völker studierte Volkswirtschaft und Philosophie. Er ist der Herausgeber dieses Buches und betreibt in Berlin eine Galerie mit dem Schwerpunkt auf Zeichnungen. Er berät Unternehmen und Sammlungen beim An- und Verkauf von Kunstwerken und organisiert die Kunstmessen der Berliner Liste und Liste Köln.

Was ist gute Kunst?

Wolfram Völcker (Hrsg.)

Was ist gute Kunst?

Hatje Cantz Verlag, Ostfildern

ISBN 978-3-7757-1976-6

1. Auflage 2007, 168 Seiten, mit 61 meist farbigen Abbildungen, Leinen gebunden, Format 17 x 24,6 cm.

Unverbindliche Preisangabe: € 24,80 (D) / € k. A. (A) / sFr 42.-

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