Verschollen in Afrika
Auf den Spuren von David Livingstone
(mkb).
„Armes, versklavtes Afrika! Wann werden deine Wunden geheilt?“ Ein
Aufschrei von David Livingstone, der sich im 19ten Jahrhundert lautstark gegen
den Menschenhandel ausgesprochen hat – in Zeiten, als Sklaven noch als Produkt
ohne Seele ein natürlicher Teil des Alltags waren. Das Hörbuch „Verschollen
in Afrika“ von Maja Nielsen aus der Reihe „Abenteuer & Wissen“ folgt den
Spuren des Forschers auf seiner Suche nach der Quelle des Nils und heftet sich
doch mehr dem Humanisten als dem Forscher an die Fersen, gibt in Tagebuchauszügen
dessen Entsetzen über die brutalen Methoden der Sklavenhändler wieder.
Mit dem Auftrag, die Quelle des Nils zu finden, bricht der Forscher David Livingstone im Januar 1866 vom afrikanischen Sansibar auf, begibt sich auf eine Expedition, aus der er zwar nicht lebend, dafür aber als Legende wiederkehren soll. Mit einer Karawane dringt David Livingstone in den Dschungel ein, wird mit Krankheiten, Stammesfehden, totaler Erschöpfung und Hunger konfrontiert, leidet jedoch vornehmlich unter den an ihm vorüberziehenden Sklavenzügen, die aneinander gekettet unter unmenschlichen Bedingungen ans Meer geführt werden: „Heute stießen wir auf eine Frau, die erwürgt und an einen Baum gebunden war. Sie war tot. Wir erfuhren von den Eingeborenen, dass die Unglückliche beim Sklaventransport mit den anderen nicht Schritt halten konnte und von ihren Herren getötet wurde, damit sie nicht Eigentum eines anderen würde, der sie zufällig des Weges fände (...)“ Umso bitterer ist es für David Livingstone, als er sich auf seiner Expedition in der Not einer Gruppe Sklavenhändler anschließen muss und Zeuge eines brutalen Angriffs der Menschenhändler auf ein Dorf wird, die ein Aufbäumen der afrikanischen Bevölkerung zur Folge hat und den Forscher auf der Weiterreise ernsthaft in Gefahr bringt.
Zwei Jahre nach seinem Aufbruch verschwindet David Livingstone spurlos, gilt erst als verschollen, dann als tot. Der amerikanische Journalist Henry Stanley ist davon überzeugt, dass David Livingstone noch lebt und folgt ihm in den Dschungel, findet ihn tatsächlich im Dorf Udschidschi wieder, wo er den tot geglaubten Forscher mit dem legendär gewordenen Satz: „Dr. Livingstone, I presume?“ ( „Dr. Livingstone, nehme ich an?“) begrüßt. Die beiden ungleichen Männer freunden sich an, und als David Livingstone stirbt, forscht Henry Stanley weiter nach der Quelle des Nils. Er findet eine, jedoch nicht die entscheidende Quelle, fällt im Gegensatz zum verstorbenen Forscher durch seine Sympathie für die Sklavenhändler negativ auf. David Livingstone hingegen hat keine Quelle des Nils gefunden, ist jedoch mit seinem Einsatz gegen den Sklavenhandel maßgeblich daran beteiligt, dass jener 1875 abgeschafft worden ist.
„Verschollen in Afrika“ ist zugleich Dokumentation und Hörspiel, erzählt mit musikalischer Untermalung und akustischer Szenendarstellung spannend die Expedition von David Livingstone und widmet sich ausführlich dem Engländer Neil McGrigor, der mehr als 200 Jahre später, im Jahr 2004, mit Flugbooten und einem Flugzeug die Quelle des Nils neu aufspürt und glaubt herausgefunden zu haben, dass der Fluss 100 Kilometer länger ist, als man bislang angenommen hat. Neil McGrigor teilt mit David Livingstone nicht nur den Forscherdrang, sondern auch die Leidenschaft für ein Afrika. Er begegnet auf seiner Reise nicht dem Sklavenhandel, sondern einem blutig ausgetragenen Bürgerkrieg, der seinem Freund und im Alltag unzähligen Frauen, Kindern und Männern das Leben kostet.
Der CD liegt ein Booklet bei, welches den Hörer mit Eckdaten über Afrika, den Nil, die Sklaverei und David Livingstone versorgt. Farbige Abbildungen und Skizzen verbildlichen Orte und Eindrücke, die im Hörbuch vorkommen, und runden das Werk sehr schön ab. Die Sprecher Jens Wawrczeck, Sabine Postel, Horst Mendroch, Hans Holzbecher und Roland Görschen haben Maja Nielsens kleine Expedition in die Vergangenheit und Gegenwart unter der Regie von Theresia Singer wunderbar gesprochen, haben aus Wissen wahrlich ein Abenteuer werden lassen.
„Verschollen in Afrika“ verschmilzt Wissen und Unterhaltung und beweist einmal mehr, dass Bildung nicht zwingend in trockenen Theoriehappen zu sich genommen werden muss.
Autorenportrait:
Maja Nielsen ist gelernte Schauspielerin. Durch ihre beiden Jungs kam sie dazu, Kindergeschichten zu erfinden. Seitdem sind viele dieser Geschichten als Bücher erschienen oder als Hörspiele und Reportagen im Radio gesendet worden. Mit großer Begeisterung, die ihre ganze Familie teilt, arbeitet sie an den spannenden Berichten über moderne und historische Abenteurer.
© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen