Tausend strahlende Sonnen
Eine spannende Liebesgeschichte aus Afghanistan
(mag).
Die Bilder aus Afghanistan flimmern seit Jahren über unsere Fernsehbildschirme.
Über das Leben der Menschen in den Wirren der Geschichte wissen wir jedoch
nur sehr wenig. Der aus Afghanistan stammende Amerikaner Khales Hosseini hat
die spannende Familien- und Liebesgeschichte „Tausend strahlende Sonnen“ geschrieben,
die den Leser in diese fremde Gesellschaft führt.
Als Miriam 1969 als uneheliches Kind in Afghanistan geboren wird, erlebt das Mädchen schwierige, aber friedliche Zeiten. Mit 15 Jahren wünscht sich Miriam nichts sehnlicher, als von ihrem Vater als Tochter anerkannt zu werden. Doch sie ereilt das grausame Schicksal vieler junger Mädchen: Ihr Vater verheiratet sie mit dem deutlich älteren Schuhmacher Rashid. Als dagegen Laila 1978 geboren wird, befindet sich Afghanistan mitten in einem Putsch. Laila wächst in einer fortschrittlichen, gebildeten Familie auf und freundet sich mit dem Nachbarjungen Tarik an. Als Lailas Familie durch die Wirren des Krieges umkommt und Tarik mit seinen Eltern nach Pakistan flieht, sieht sie sich gezwungen, das Angebot Rashids anzunehmen und seine zweite Frau zu werden. Miriam fühlt sich zunächst durch die junge Frau in ihrer Stellung bedroht, begreift dann aber, dass sie in Laila eine Verbündete gegen ihren grausamen Ehemann hat ... Spannend erzählt Khales Hosseini wie es den beiden Frauen gelingt, die Kriege und den Terror der Taliban zu überleben und wie sie versuchen, sich gegen den gewalttätigen Ehemann zu wehren.
Khales Hosseini gibt dem Schicksal des afghanischen Volkes ein Gesicht und macht die Leiden der Bevölkerung, vor allem der Frauen deutlich. Dabei geht es ihm aber trotzdem immer darum, einen unterhaltsamen Roman zu schreiben. Hier liegt die Schwäche des Buches: Das grausame Schicksal der Zwangsehe, die Rechtlosigkeit der Frauen und die Leiden der afghanischen Bevölkerung unter den Taliban werden eher oberflächlich geschildert. Es ist nicht einfach, sich als Autor in die Befindlichkeiten junger Mädchen hineinzudenken. So ist der Roman „Tausend strahlende Sonnen“ nicht frei von Klischees und Plattitüden. Die Geschichte Afghanistans bildet die Grundlage für die Familiengeschichte, bleibt jedoch eher am Rande, so dass der Leser den Eindruck hat, dass das Schicksal von Miriam und Leila, Tarik und Rashid sich auch in jeder anderen rückständigen, vom Islam geprägten Gesellschaft abspielen könnte.
Der Roman „Tausend strahlende Sonnen“ wurde von Michael Windgassen aus dem Amerikanischen übertragen. Leider ist die Übersetzung im ersten Teil des Buches stellenweise etwas holperig und teilweise findet Michael Windgassen einfach nicht das passendere deutsche Wort: Wenn zum Beispiel ein kleines Mädchen seine Haare auf beiden Seiten zusammenbindet, sind das Zöpfe und nicht „seitlich abstehende Pferdeschwänze“! Etwas mehr Sorgfalt wäre wünschenswert gewesen.
Der Autor Khales Hosseini ist als Gesandter der humanitären Organisation „UNHCR“ tätig und setzt sich für die Belange von Flüchtlinge ein. Im Nachwort seines Buches bittet er um Unterstützung für die Arbeit der „UNHCR“.
Der Roman „Tausend strahlende Sonnen“ ist ein spannender Unterhaltungsroman aus einer fremden faszinierenden Welt.
Autorenportrait:
Khaled Hosseini wurde 1965 in Kabul, Afghanistan, geboren. Er ist das älteste von fünf Kindern einer Lehrerin und eines Diplomaten. 1976 zog seine Familie nach Paris, wo sein Vater eine Stelle in der Botschaft Afghanistans übernahm. 1980 sollte ihn der diplomatische Dienst wieder nach Afghanistan zurückführen. Doch zu diesem Zeitpunkt befand sich das Land, nach einem blutigen kommunistischen Staatsstreich, im Krieg mit den sowjetischen Invasoren. Er und seine Familie erhielten 1980 politisches Asyl in den Vereinigten Staaten und zogen nach San Jose in Kalifornien. Nach Abschluss an der „San Diego Universität“ lebt er heute als Arzt in Nordkalifornien, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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