Schreiben!
30 Autorenporträts
(ini).
In dem Bildband „Schreiben!“, einer modernisierten und verkürzten Fassung
des bereits 1998 erschienenen Bandes „Im Schreiben zu Haus“, staunt der Betrachter
über die Unordnung, ja das Chaos in Friederike Mayröckers Arbeitszimmer
oder über die nüchterne Atmosphäre im Büro von Robert Manesse,
die Schreibklause unterm Dach von Ingo Schulze oder die überbordenden Bücherregale
bei Peter Härtling. Viele der Porträtierten schildern Schreiben nicht
etwa als „Musenkuss“, sondern als anstrengende Arbeit. Die meisten unter ihnen
haben sogar feste Arbeitszeiten. Nicht alle schreiben in ihren Arbeitszimmern.
Der Schweizer Peter Bichsel zum Beispiel schreibt gerne im Zug und fährt
deshalb manchmal kreuz und quer durch die Schweiz.
Wie sieht es eigentlich im Arbeitszimmer berühmter Schriftsteller aus? Warum sind sie zum Schreiben gekommen? Verfassen sie ihre Werke auf dem Computer oder auf Papier? Diese für passionierte Leser und für neugierige Nicht-Leser gleichermaßen interessanten Fragen hat die Fotografin und Autorin Herlinde Koelbl 30 Autorinnen und Autoren gestellt und zum Teil erstaunliche Einblicke in deren Lebens- und Arbeitswelt gewährt bekommen. Besonders schön ist es, wenn Herlinde Koelbl in ihren Duoton-Aufnahmen die Handschriften der Schriftsteller festhält, die elegante, ausladende Schrift von Robert Gernhardt oder die verspielte Schrift von Sarah Kirsch. Auch diese Details lassen den Leser einen Blick auf die Persönlichkeit des Schreibenden werfen.
Herlinde Koelbls Fotos fangen das Wesentliche ein: das Gesicht, die Hände, Stifte und Papier, Computer und Arbeitstisch. Ihre Fotos sind nicht aufdringlich, sondern ruhige, unaufgeregte Abbildungen von Menschen und den sie prägenden Gegenständen. Menschen mit einem außergewöhnlichen Beruf, den man ihrem Arbeitsplatz häufig gar nicht ansieht. Ihr Blick auf die engste Umgebung des Schreibenden zeigt, wie genau sie zugehört hat, wie einfühlsam ihre wenigen Fragen an ihr Gegenüber waren, so dass zwischen Bildern und den Worten der Schriftsteller eine aufschlussreiche Wechselwirkung entsteht. Der Autorin gelingt es dadurch, den Leser „am bildhaften, lebendigen Erzählen“ der Porträtierten teilhaben zu lassen, wie sie im Vorwort scheibt. Und auch dem Verlag gebührt ein Lob für die hervorragende Druckqualität der Bilder und die hochwertige Gestaltung des Bandes zu einem niedrigen Preis.
Autorenportrait:
Herlinde Koelbl ist seit 1976 als Fotografin tätig. Ihr umfangreiches fotografisches Werk wurde vielfach publiziert, sowohl in Büchern als auch in renommierten Zeitschriften. Sie hat zahlreiche Preise gewonnen, und ihre Bilder werden in Museen im In- und Ausland gezeigt. Viele ihrer Bücher wurden zu Bestsellern, darunter „Spuren der Macht“.
© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen