Piraten! Das Kochbuch
Auf kulinarischer Kaperfahrt rund um die Welt
(mag).
Die Lektorin Monika Römer war schon als Kind von Piraten fasziniert und
hat sich mit dem Buch „Piraten! Das Kochbuch“ einen Traum erfüllt. In dieser
gelungenen Mischung aus Sach- und Kochbuch nimmt sie den Leser nach einer kurzen
Einführung mit auf eine Reise durch Zeiten und Weltmeere. In sieben Kapitel
stellt sie das Piratenwesen der verschiedenen Meere dar.
Monika Römer beginnt mit der Geschichte der Vitalienbrüder, die im Mittelalter der Hanse das Handeln schwer machten, und den Korsaren des Mittelmeeres aus dem 16. Jahrhundert, die regelrechte Kochwettbewerbe veranstaltet haben. Natürlich fehlt auch ein Kapitel über die Karibik und den Pazifischen Ozean nicht. Zum Abschluss macht sie noch einen Abstecher ins chinesische Meer. In den unterhaltsamen Texten stellt sie interessante Piratenpersönlichkeiten vor und erläutert gut recherchierte historische Zusammenhänge. Die Texte sind auch für jüngere Piratenfreunde durchaus geeignet. Die Kapitel enden jeweils mit drei bis vier passenden Rezepten. Dabei unterscheidet
Monika Römer zwischen „Historischen Rezepten“, die eher der Dokumentation der Essgewohnheiten der Piraten dienen und oft Zutaten enthalten, die wir heute aus den unterschiedlichsten Gründen nicht essen und so genannten „Kombüsenrezepten“, die unseren modernen Essgewohnheiten angepasst sind. Die Rezepte sind unterschiedlich aufwändig und erfordern teilweise einige Kocherfahrung, es gibt viele Eintöpfe, Geflügel- und Fischgerichte.
„Piraten! Das Kochbuch“ will keine ernst zunehmende historische Studie über die Eßgewohnheiten von Piraten sein. Orientiert an den geschichtlichen Gegebenheiten, hat Monika Römer eine Mischung aus interessanten, abenteuerlichen „Originalrezepten“, zum Beispiel „Bukanier-Schwein am Spieß“ oder „Schildkrötensuppe à la Lafitte“ und modernen schmackhaften Gerichten, zum Beispiel „Maltesische Piraten-Spagetti“ oder „Kantonesische Garnellenbällchen“ zusammengestellt. Sie weißt in ihrem Buch öfter daraufhin, dass sie keine gesicherten historischen Quellen über das Essverhalten der Piraten hat. Ihre Auswahl ist an manchen Stellen etwas bemüht, wenn sie zum Beispiel für die mittelalterlichen Vitalienbrüder die erst im 18. Jahrhundert verbriefte „Hamburger Aalsuppe“ kocht. (Wie man beim Kochen dieser Köstlichkeit die Brühe erst durch ein Sieb gießt, um danach das Gemüse, die Kräuter und das Backobst herauszunehmen, war beim Nachkochen des Rezeptes jedoch nicht nachvollziehbar.) Das Rezept „Smutjes Labskaus“ mit Instant-Kartoffelbrei zeigt, dass dies kein wirklich ernst zu nehmendes Kochbuch ist. Das Essen auf den Piratenschiffen ist wohl einfacher und karger gewesen als hier dargestellt, aber so genau möchte man das ja auch gar nicht wissen und lieber an den romantischen Vorstellungen festhalten.
Zu Beginn des Buches „Piraten! Das Kochbuch“ steht ein Inhaltsverzeichnis, in dem auch alle Rezepte aufgeführt werden. Im Anhang gibt es eine kleine Literaturliste.
Neben den interessanten Texten und den Rezepten fällt das Buch besonders durch seine sehr aufwändige Gestaltung auf. Der Halblederband ist mit goldverziertem Reliefdruck und einem kleinen Siegel geschmückt. Die Textseiten sollen aussehen wie altes Pergament, und die vielen stimmungsvollen Zeichnungen von Helmut „Poul“ Dohle runden das Bild perfekt ab. Viele Blätter haben aufklappbare Seitenteile, auf denen sich sorgfältig ausgewählte Illustrationen und Fotos von Kinohelden wie Errol Flynn und Burt Lancaster befinden. Die Gestaltung des Buches geht an einigen Stellen ein bisschen auf Kosten der Lesbarkeit des Textes, aber der Gesamteindruck ist so stimmig, dass der Leser darüber gerne hinwegsieht.
„Piraten! Das Kochbuch“ ist ein schönes Buch für Piraten- und Kochbuchbegeisterte, die noch ein bisschen Platz im Schrank haben.
Autorenportrait:
Monika Römer, geboren 1963 in Düsseldorf, studierte zunächst katholische Theologie und Philosophie in Bonn und Münster. Noch während des Aufbaustudiengangs Buchwissenschaft begann sie, als Lektorin in einem Reisebuchverlag zu arbeiten. 1997 erfüllte sie sich einen Herzenswunsch und wechselte in das Kochbuchlektorat eines renommierten Verlages. Seit 2000 ist sie im „Hölker Verlag“ als verantwortliche Lektorin tätig.
Illustratorenportrait:
Helmut „Poul“ Dohle, 1961 in Essen geboren, entdeckte bereits mit fünf Jahren seine Leidenschaft fürs Malen. Als Autodidakt konzentrierte er sich zunächst auf die Porträtmalerei. Seine romantisch-realistischen Arbeiten fanden bereits in zahlreichen Ausstellungen Beachtung und haben nun den Weg ins Reich der Kinderbücher und Adventskalender gefunden. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern als freier Illustrator in Münster.
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