Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Eine Zeitreise durch die Meere
(flk).
Man kann sich das Leben aber auch unnötig schwer machen – so des Lesers
erster Eindruck beim Einstieg in das Vorwort der „Nachrichten aus einem unbekannten
Universum“. Nicht dass der Autor Frank Schätzing etwa einem höchst
akademischen Schreibstil frönen würde – mitnichten! – doch gesteht
er hier frei heraus, dass die Würfel für dieses Werk beim netten Plausch
unter Freunden fielen, um genauer zu sein: Eines dieser Versprechen, die man
„nur morgens um vier in einer Bar geben kann.“ Arbeitsreiche Monate
für den Autor und schmökervolle Stunden für den Leser später
wissen wir: Es hat sich mehr als gelohnt! „Nachrichten aus einem unbekannten
Universum“ ist eine bunte Reise durch die nasse Geschichte unserer Erde, lehrreich,
ohne jedoch dabei belehrend zu wirken.
Eingeteilt in drei Großkapitel, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des nassen Elementes und seiner Bewohner beleuchten, nimmt uns Frank Schätzing an der Hand und führt uns an Orte, die in ihrer Exotik und ihrer Kuriosität geradewegs einem Jules Verne Roman zu entspringen scheinen – mit dem kleinen Unterschied, dass diese real sind, oder es zumindest bis vor einigen Millionen Jahren waren. Von den ersten Reptilien, die die Weltmeere in grauer Vorzeit bewohnten, bis zu den gejagten Jägern der Ozeane, den bei unseren asiatischen Freunden als Suppen-Ingredienzien geschätzten Haien, zieht sich der rote Faden durch die „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“. Frank Schätzing geht in den verschieden Kapiteln ebenso auf Flora und Fauna ein, wie er auch chemisch-reaktionäres und den biologischen Unterbau anschaulich und mit Blick auf die weniger naturwissenschaftlich Bewanderten unter uns erläutert.
Überhaupt der Autor: Einfach toll, wie es Frank Schätzing gelingt, selbst komplizierte Zusammenhänge gekonnt zu vermitteln. Da staunt dann auch der Laie und der Fachmann, nun ja, der wundert sich bekanntlich auch gerne mal. So wartet Frank Schätzing mit ganz eigenen Thesen zum Geschlechtsverkehr auf („...schweißtreibend, frustrierend, mitunter brutal, man investiert teure Abendessen...!“) leitet dann aber – dies ist schließlich kein Schmuddelroman – gekonnt zum biologischen Alibi für die vielleicht schönste Nebensache der Welt über: Sex als Möglichkeit zur Diversifizierung von Erbmaterialien und damit als Mittel zu einer optimalen Ausnutzung des Lebensraumes. Dieses kleine Beispiel aus der Entwicklung des Lebens vom Ein- zum Vielzeller ist eines von unzähligen, mit denen „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ aufwartet, und die den Reiz dieses Buches ausmachen: Viele Informationen überaus kurzweilig für den Leser aufbereitet, ergänzt durch einen umfangreichen Anhang bestehend aus Glossar und Zeittafel für alle, die es ganz genau wissen wollen.
„Nachrichten aus einem unbekannten Universum“: Chapeau für diesen literarischen Stern am Himmel des Infotainment, Herr Schätzing!
Autorenportrait:
Frank Schätzing , geboren 1957, veröffentlichte 1995 den historischen Roman „Tod und Teufel“, der bis heute eine Auflage von 250.000 Exemplaren erreicht hat. Nach zwei weiteren Romanen und einem Band mit Erzählungen erschien 2000 der politische Thriller „Lautlos“, 2004 der internationale Bestseller „Der Schwarm“. Er lebt und arbeitet in Köln. 2002 erhielt der den „KölnLiteraturpreis“, 2004 den „Corine-Preis“ und 2005 den „Deutschen Science-Fiction-Preis“.
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