Komm zurück, Mutter
graphic novel über einen Tod und drei Schicksale
(hpe).
Ein Mann mit Glatze und Vollbart schwebt mit unbeteiligter Miene über Wiesen,
Gebirge, Wasser. Er sucht eine Frau. Seine Frau. Doch statt sie zu finden, reißen
ihn fremdartige Wesen in die schwarze Tiefe. Schon die ersten surrealen, in
tristen Braun- und Grüntönen gezeichneten Bilder der Einführung
zu „Komm zurück Mutter“ weisen den Weg hinein in die Seele dieser in hohem
Maße persönlichen Geschichte. Gezeichnet ist die Einführung
nämlich nicht von Autor Paul Hornschemeier, sie stammt von Thomas Tennant.
Der tritt kurz darauf als siebenjähriger Sohn des bärtigen Mannes
in Erscheinung.
Vater und Sohn teilen ein Schicksal: Sie mussten ihre Frau/Mutter nach schwerem Krebsleiden begraben. Beide flüchten sich in ihre eigene Welt. Der junge Thomas versteckt sich und seine Trauer hinter einer Löwenmaske, Vater David wirkt zusehends entrückt. Er verpasst Vorlesungstermine, vergisst, zu essen. So sorgt der Sohn mehr für den Vater als umgekehrt und wahrt nach außen hin den Schein. Doch das Kartenhaus bricht bald auseinander …
In dieser unglaublich traurigen Geschichte stimmt einfach alles: Jede der meist sehr einfach gehaltenen Zeichnungen, jeder Satz der einfühlsamen Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff ist auf seine Art notwendig und regt zum Nachdenken an. Großartig etwa, wie Autor Paul Hornschemeier die manchmal übertriebene Reaktion der Umwelt auf die Trauernden am Beispiel von Thomas' Lehrerin entlarvt. Fesselnd, wie Vater David sich in der Therapie zuerst dagegen wehrt, die Wahrheit anzuerkennen.
„Komm zurück, Mutter“ wirkt so wahrhaftig und lebensnah, weil es nach einer wahren Geschichte entstand. Das birgt aber auch eine Gefahr. Die Gefahr, dass sich Menschen, die in ähnlichen Situationen stecken, allzu sehr mit dem Schicksal der Tennants identifizieren. Gerade mit Blick auf die Konsequenzen, die Thomas' Vater zieht, ist jedoch jedem anzuraten, die Distanz zu den Protagonisten zu wahren. Betroffene Kinder sollten diese graphic novel – zumindest beim ersten Mal – nicht ohne Eltern lesen. Zu groß könnte die Identifikation sein – das vielleicht größte Kompliment für ein Werk dieser Machart.
Autorenportrait:
Paul Hornschemeier wurde 1977 in Cincinnati in den USA geboren und wuchs im ländlichen Georgetown im Bundesstaat Ohio auf. Derzeit lebt er mit seiner Katze Margo in Chicago und arbeitet an der in Fortsetzungen veröffentlichten Erzählung „Life with Mr. Dangerous“.
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