Im Labyrinth der Bücher

Ein interaktives Leseabenteuer

Im Labyrinth der Bücher(mag). Ein Buch liest man normalerweise von vorne nach hinten, oder in manchen Sprachen auch von hinten nach vorne, aber nicht so das interaktive Leseabenteuer von Franz Sales Sklenitzka. In seinem Buch „Im Labyrinth der Bücher“ macht der österreichische Autor den Leser zur Hauptperson der Geschichte, der den Fortgang der Handlung selber bestimmen kann.

 

Nach einigen der insgesamt 153 kurzen Kapitel muss der Leser entscheiden, was er als nächstes tun möchte und wird dann auf das entsprechende Kapitel verwiesen. Nach anderen Kapiteln muss der Leser Würfen, um den Fortgang der Geschichte zu bestimmen. Das Buch ist wie ein Labyrinth, durch das es verschiedene Wege hindurch gibt. Nicht jeder Weg führt direkt zum Ziel und mancher Umweg steckt voller Überraschungen. So blättert der Leser in dem Buch mal vor oder mal zurück und taucht tief in die Geschichte ein.

 

Der Leser des Buches „Im Labyrinth der Bücher“, der vom Autor direkt angesprochen wird, stolpert umgehend in die abenteuerlichen Ereignisse: Er soll für den Deutschunterricht ein Referat über die Städtische Bücherei halten. In der Bibliothek trifft er auf den etwas sonderbaren Bibliothekar Koloman Buchinger. Dieser erklärt ihm, dass aus der Bibliothek vier Bücher verschwunden sind. Es fehlen eine dreibändige Bibel und ein Buch über den Heiligen Bonifatius, das eine geheime Rezeptur für ewige Jugend enthalten soll. Gemeinsam machen sich Leser und Bibliothekar auf die Suche nach den Büchern. Dabei stoßen sie auf den Bürgermeister, der aus dem verschwundenen Rezept für sich und die Stadt Kapital schlagen möchte, besuchen eine Klosterbibliothek und entdecken das wohl schönste Buch der Welt. Die beiden müssen aufdringliche Reporter loswerden, lernen Antiquare kennen und schrecken auch nicht davor zurück, auf Zeitreise zu gehen.

 

„Im Labyrinth der Bücher“ ist ein Buch, das den Leser sofort gefangen nimmt und in die wunderbare Welt der Bücher und Büchermenschen mitnimmt. Dabei gelingt es Franz Sales Sklenitzka, die Faszination für Bücher ganz ohne pädagogischen Zeigefinger zu vermitteln. Lesen ist spannend und kann den Leser in phantastische Welten entführen, und genau das tut dieses Buch auf so wunderbar vielschichtige Art, dass es ein Vergnügen ist. Da die Kapitel teilweise recht kurz sind, haben auch junge Leser, die sich mit dem Lesen etwas schwer tun, keine Mühe das Buch durchzulesen.

 

Das interaktive Leseabenteuer von Franz Sales Sklenitzka wurde leider vom Verlag um eine Dimension beraubt. In dem Buch tritt der Autor selber auf, er liest in einer Schule aus dem Buch, das der Leser gerade liest, vor. In diesem und einem weiteren Kapitel wird deutlich, dass der ursprüngliche Titel des Buches wohl „Die Bibliothek“ sein sollte. Wenn nun der Autor den Leser auffordert sich den Titel des Buches noch einmal genau anzusehen, läuft dieser Zweig des Spiels ins Leere, da auf dem Umschlag der Titel „Im Labyrinth der Bücher“ steht. Die Idee des Buches im Buch und dem Leser als eigentlichen Helden, der in dieses Leseabenteuer hineingezogen werden soll, ist dadurch ein wenig verloren gegangen. Der Aufbau des Buches wäre mit dem ursprünglichen Titel noch ein bisschen besser gewesen.

 

Das Buch „Im Labyrinth der Bücher“ wurde von Franz Sales Sklenitzka für Kinder ab neun Jahren geschrieben und selbst illustriert. Die Qualität der Bilder ist sehr unterschiedlich, besonders gelungen sind die kleinen Zeichnungen, die einzelne Gegenstände, überwiegend Bücher, darstellen. Die Bilder lockern den Text auf. Da der Leser in dem Buch ständig hin und her blättert, fallen ihm die Bilder immer wieder ins Auge.

 

An einigen Stellen der Geschichte wird der Leser aufgefordert, den Fortgang der Ereignisse durch Würfeln zu bestimmen. Da man beim Lesen eines Buches nicht zwingend einen Würfel zur Hand hat, gibt es in dem Buch „Im Labyrinth der Bücher“ eine Art Daumenkino: auf jeder Seite ist in der unteren Ecke ein Würfel abgebildet. Wenn der Leser nun die Seiten unter seinem Daumen durchlaufen lässt und an einer beliebigen Seite anhält, kann er an dem Würfelbild die entsprechende Augenzahl ablesen. Auch dies ist eine der vielen interessanten Ideen, die das Buch zu einem interaktiven Lesevergnügen machen.

 

„Im Labyrinth der Bücher“ ist ein spannendes Leseabenteuer für alle Leseratten, Büchernarren und solche, dies werden sollten!

Autorenportrait:

Franz Sales Sklenitzka, geboren 1947 in Lilienfeld, zählt zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Österreichs. Er unterrichtete viele Jahre an einer Volksschule in Wilhelmsburg, Niederösterreich, wo er auch lebt. Heute arbeitet er freiberuflich als Schriftsteller, Grafiker, Illustrator, Hörspiel- und Schulbuchautor. Für seine Bücher, die bisher in zwölf Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Im Labyrinth der Bücher

Franz S. Sklenitzka

Im Labyrinth der Bücher

Ein interaktives Leseabenteuer

Mit Illustrationen von Franz S. Sklenitzka

Arena Verlag, Würzburg

ISBN 978-3-401-00405-1

1.Auflage 2006, 192 Seiten, mit zahlreichen s/w-Illustrationen, Taschenbuch.

Unverbindliche Preisangabe: € 6,95 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

Buch bestellen.

© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen

www.literaturtipp.com

Impressum