Hype!
Kunst und Geld
(mag).
In Museen, Galerien und auf Kunstauktionen weltweit tauchen immer wieder dieselben
Künstler mit ihren Werken auf. Dies ist für einige Kunsthistoriker
ein Indiz für deren hohe Qualität und nachhaltige Bedeutung. In ihrem
Sachbuch „Hype! Kunst und Geld“ vertritt die Autorin Piroschka Dossi die Ansicht,
dass der Boom, den ein Künstler erfährt, nichts mit der Qualität
seiner Kunst zu tun hat, sondern von Kunsthändlern und deren wirtschaftlichen
Interessen gesteuert wird.
In sechs Kapiteln untersucht Piroschka Dossi die Machenschaften innerhalb des Kunstmarktes, in dem sie die Handlungen bzw. Bedeutung der Beteiligten genau betrachtet. Im ersten Kapitel „Der Kunstmarkt – Hype und Herdentrieb“ gibt sie einen kurzen Abriss über die Geschichte der Geldwirtschaft und zeigt, dass sich der Handel mit Kunst nur unwesentlich vom spekulativen Aktien- und Kapitalmarkt unterscheidet. Piroschka Dossi unterscheidet im zweiten Teil „Der Sammler – Das Objekt der Begierde“ zwischen dem Kunstliebhaber, der die Kunst als solche wahrnimmt und liebt auf der einen Seite, und andererseits dem Kunstsammler, der sich für Kunst interessiert, weil er sie besitzen will und auch das Geld hat, sie zu kaufen. Sie versucht den Ursprung und den tieferen Sinn des Sammelns zu ergründen: Sammlungen können sowohl ein Spiegel der Seele des Sammlers sein, als auch eine Trophäe der Macht und des Reichtums.
In „Der Händler – Promoter und Parasiten“ hat sie interessante Geschichten zusammengetragen, die die schillernde Welt des Kunsthandels mit seinen Gewinnern und Verlierern illustrieren. Sie zeigt, dass die bedeutendsten Händler oft aus wohlhabenden Familien stammen, erläutert das unterschiedliche Preisniveau in Galerien und Auktionshäusern und zeigt wie global agierende Auktionshäuser die Preise für Kunst hochtreiben. In den Kapiteln „Der Künstler – Vom Mythos zur Marke“ und „Das Kunstwerk – Die Aura des Originals“ wird Piroschka Dossis Kritik am Kunsthandel besonders deutlich, wenn sie zeigt, dass nicht die Qualität eines Kunstwerkes über dessen Preis entscheidet. Entscheidend für den Erfolg eines Künstlers sind nicht seine Kunstwerke, sondern seine Fähigkeit sich innerhalb des Kunstmarktes erfolgreich zu bewegen, die richtigen Leute zum passenden Zeitpunkt zu treffen und die entsprechende Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Zum Abschluss des Buches „Hype! Kunst und Geld“ formuliert Piroschka Dossi einen Appell an die Verantwortung der Museen, sich den Mechanismen des Kunsthandels zu entziehen und die Freiheit der Menschen sich die Kunst auszusuchen, die sie lieben, zu erhalten. Der Anspruch der Kunst „auf tiefe Wahrheit und existentielle Erkenntnis“ darf nicht verloren gehen.
Piroschka Dossi schreibt ihr engagiertes Buch mit leichter Hand, ihr Text ist informativ und voller Sachkenntnis. Sie hat viele interessante Begebenheiten zusammengetragen und überraschende Zusammenhänge dargestellt. Zuweilen wird ihr Ton etwas flapsig, die Wortwahl blumig und phrasenverliebt. Der eher journalistische Stil macht das Buch zu einer kurzweiligen unterhaltsamen Lektüre. Ärgerlich ist, dass sie stellenweise besonders gelungene Textpassagen wortwörtlich wiederholt. Nur weil die Formulierungen wirklich gut sind, möchte man sie nicht mehrfach lesen. Der interessierte Leser wird von dem Elan und der Empathie der Autorin mitgerissen und mag das Buch nicht zur Seite legen. Mit großer Leidenschaft deckt Piroschka Dossi die Machenschaften des Kunstmarktes auf und plädiert für die Freiheit der Kunst.
Die Gestaltung des Buches „Hype! Kunst und Geld“ ist gewöhnungsbedürftig. Die Typographie ist sehr abwechslungsreich gestaltet, was das Schriftbild unruhig und beliebig erscheinen lässt. Das Sachbuch ist gut lesbar, ein bisschen weniger ambitionierte Gestaltung hätte es aber auch getan. Im Anhang des Buches befinden sich ein umfangreicher Anmerkungsteil, der überwiegend aus Zitatnachweisen besteht, und ein ausführliches, sehr nützliches Personenverzeichnis.
Das kurzweilige Sachbuch „Hype! Kunst und Geld“ ist ein entlarvender Blick hinter die Kulissen des glänzenden Kunstgeschäftes!
Autorenportrait:
Piroschka Dossi studierte Jura und Kunstgeschichte. Sie war im Management eines international arbeitenden Unternehmens in der Kunstberatung tätig. Sie ist mit dem Künstler Ugo Dossi verheiratet und lebt mit ihrer Familie in München.
© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen