Himmelstraße

Geschichte meiner Familie

Himmelstraße(mag). Als der zweite Weltkrieg 1945 zu Ende war, mussten alle Familien in Europa von vorne anfangen und sich ein neues Leben aufbauen. Besonders schwierig war dies für die wenigen jüdischen Überlebenden. – In ihrem autobiografischen Roman „Himmelstraße“ erzählt die bekannte Autorin Erica Fischer wie ihre Eltern aus dem Exil in England nach Wien zurückkehren und versuchen in der alten Heimat Fuß zu fassen.

 

Erica Fischers Mutter stammt aus einer jüdischen Familie, die in Warschau lebt. Ihre Eltern, der Vater ist österreichischer Kommunist, lernen sich in Wien kennen. Das junge Paar überlebt den Nationalsozialismus, weil es ihm gelingt nach England zu fliehen. Dort werden auch die beiden Kinder Erica und Paul geboren. Nach dem Ende des Krieges zieht die Familie auf Wunsch des Vaters zurück nach Wien. Erica Fischer beschreibt sehr anschaulich wie schwierig es für ihre entwurzelte Mutter ist, sich im Nachkriegsösterreich zurechtzufinden. Sie bleibt in der Gesellschaft eine Außenstehende, die sich immer mehr zurückzieht. Der Tod ihrer Eltern in Treblinka und die eigenen Erlebnisse lassen sie immer mehr verhärten und gefühllos werden. Die Kinder reagieren unterschiedlich darauf: Während Erica sich von der Mutter losreißt und nach Deutschland zieht, gerät Paul immer mehr in eine starke Abhängigkeit zur Mutter.

 

Nach dem Tod der Mutter verschwindet Paul zunächst spurlos, und Erica Fischer ist gezwungen, sich mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Der Roman „Himmelstraße“ beschreibt offen und sehr eindrücklich wie schwierig es für die Kinder der Überlebenden der Shoah ist, mit den traumatisierten Eltern und den grauenhaften Erlebnissen der toten Vorfahren zu leben. Der Schatten des Holocaust fällt über diese Familien und lässt sie auch in späteren Generationen straucheln, die Unfähigkeit liebende Beziehungen zu Menschen aufzubauen, ist eine der traurigen Folgen.

 

„Himmelstraße“ ist nicht chronologisch erzählt, der Leser hat jedoch keine Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Zum Ende des Buches beschreibt Erica Fischer ihre Reise nach Treblinka, zu dem Ort an dem die Großeltern ermordet wurden. Dieses eindrückliche Stück Erinnerungsliteratur macht noch einmal deutlich, mit was für einer Last die nachfolgende Generation durchs Leben stolpert. Erica Fischer gelingt es dabei unsentimental und ohne anzuklagen, von den Befindlichkeiten der Nachgeborenen zu erzählen.

 

Das Buch „Himmelstraße“ endet mit dem Satz „Es ist, als hätte es mich nie gegeben.“ Dem Text folgen drei leere Seiten, die aus drucktechnischen Gründen angebunden sind. Diese leeren Seiten können aber auch für das Verschwinden der Familie und deren Zukunft, die sich im Nichts verliert, stehen und so dem Buch ein beeindruckendes Ende geben.

 

„Himmelstraße“ ist ein ergreifendes Buch, das erahnen lässt, wie tief die Wunden der Familien, die den Holocaust überlebt haben, sind!

Autorenportrait:

Erica Fischer geboren St. Albans in England, wo die Eltern nach der Flucht aus Nazi-Deutschland 1938 Aufnahme fanden. Sie studierte in Wien Sprachen und arbeitete als Journalistin. Anfang der 70er Jahre wurde sie zu einer der Gründerinnen des österreichischen Feminismus und nahm als Aktivistin, Theoretikerin und Rednerin an unzähligen Veranstaltungen und Demonstrationen teil. Sie lebt seit 1988 als freie Autorin und Übersetzerin in Deutschland, heute in Berlin. Ihre dokumentarische Erzählung „Aimée & Jaguar“ wurde 1994 ein Bestseller, verfilmt und in 20 Sprachen übersetzt.

Himmelstraße

Erica Fischer

Himmelstraße

Geschichte meiner Familie

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin

ISBN 978-3-87134-584-5

1. Auflage 2007, 252 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag.

Unverbindliche Preisangabe: € 19,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 35,40

 

Buch bestellen.

© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen

www.literaturtipp.com

Impressum