Heiß

Das wilde Leben eines Sternekochs

Heiß(bhs). Man nehme eine gehörige Portion Fantasie, den kritischen Blick auf Sterne-Küchen, TV-Sendungen, Liebe und vermeintlichen Ruhm und würze das Ganze mit reichlich Bissigkeit. Gepaart mit Wortwitz, Sprachgewandtheit und Ironie ist das Ergebnis reichlich heiß! „Heiß“ – um genau zu sein, denn so lautet der neue Bestseller von Ronald Giphart, aus dem Niederländischen übersetzt von Judith Dörries.

 

Seine Hauptfigur Art Trost vermittelt Alltag in Gerichten: Sieht er eine Frau auf der Straße, so denkt er wahlweise an Wildgerichte, marinierte Variationen oder raffinierte Suppen. Beilagen inklusive ... Entsprechend kreativ sind seine Menüs, und so erfährt er gar überschwängliche Ehrung von Kritikern, Medien wie auch im Alltag. Das Leben von Art Trost scheint nahezu perfekt: Berühmt, die Tische in seinem Restaurant ausgebucht, und als Bonbon die eigene Kochsendung. Die Prominenz vergöttert ihn und er ist „voll im Trend“.

 

Trotzdem kein Grund sich zu freuen, denn konfliktreich bleibt das Ganze bei allem – der Ruhm hat tatsächlich auch Schattenseiten: Die Auszeichnung seiner Kochshow findet beim Erzrivalen statt, die Gästeschar findet sich orgiastisch im Bett wieder, und zudem interessiert sich Art Trost für die ambitionierte Schauspielerin, die sich unter den Eingeladenen befindet. Obwohl er noch an seiner alten Beziehung zu nagen hat ...

 

Das Fazit ist nicht nur heiß, sondern letztlich auch noch ein völlig aus den Fugen geratenes Leben – welches von Ronald Giphart brillant in Szene gesetzt wird: „Heiß“ spielt innerhalb von wenigen Stunden und schürt so ungeheuerliches Tempo, welches nur in Rückblenden zum Aufatmen einlädt und das Begreifen der Vergangenheit und Vorgeschichte erlaubt. Boshaft und mit bestechend bissiger, flotter Schreibe gelingt dem Autor ein ganz rasanter Anschlag auf die Bauchmuskulatur. Zugleich aber werden aus Sprachgründen auch jene Leser bedacht, die sich im Genre „Unterhaltung“ sonst eher nicht wiederfinden. Schon das verbal geschaffene Bild, sich seinen „Starallürenbademantel“ überzuziehen, spricht Bände und ist prägnant für die Selbstironie, die sich im gesamten Buche zeigt.

 

„Heiß“ ist zubereitet und stimmig wie ein perfektes Menü. Alle Geschmacksrichtungen kommen vor, teils säuerlich, teils delikat aufeinander abgestimmt. Witz findet sich genauso wie fast komische Tragik. Ronald Gipharts Werk erzählt von Fassadenleben, Liebe und Ruhm – aber auch der Ehrlichkeit dahinter. Und nebenbei erfährt man sogar noch, wie man politisch korrekte Gänseleber zubereitet: in erster Linie nämlich mit ganz viel heißer Luft ...

 

Autorenportrait:

Ronald Giphart, 1965 in Dordrecht/Niederlande geboren, studierte Niederländisch. Seine Bücher verkauften sich in den Niederlanden über eine Million Mal.

Heiß

Ronald Giphart

Heiß

Aus dem Niederländischen von Judith Dörries

Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

ISBN 978-3-462-03661-9

Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2006, 237 Seiten, Taschenbuch.

Unverbindliche Preisangabe: € 8,95 (D) / € 9,20 (A) / sFr 16,50

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