Die schlaue Mama Sambona
Eine afrikanische Parabel auf die Lebensfreude
(mag).
Auch der Tod muss sich in Afrika an Regeln halten. Zumindest ist dies in dem
Bilderbuch „Die schlaue Mama Sambona“ von Hermann Schulz der Fall. Mama Sambona
ist die Königin einer Insel im Ukerewe-See, der afrikanische Name für
den riesigen Viktoriasee. Damit der Tod die alte Dame auch antrifft, schickt
er zunächst einmal einen kleinen Hasen als Vorboten. Als der Tod sich dann
im besonders eleganten Anzug selbst auf den Weg macht, um Mama Sambona zu ihren
Ahnen zu bringen, erklärt ihm die fröhliche Frau, dass sie sich erst
einmal um ihre kleine Nichte kümmern müsse, bevor sie abtreten könne.
Immer wieder vertröstet die lebensfrohe Mama Sambona den Tod, bis sie ihn
schließlich zu einem fröhlichen Fest mit Tanz und Musik einlädt.
Doch anders als in klassischen Totentanz-Erzählungen
bedeutet das Tänzchen mit dem Tod für die
alte Königin nicht das Ende ihres Lebens, im Gegenteil: Der Tod lässt
sich von der Musik mitreißen und vergisst, warum er eigentlich gekommen
war.
Autor Hermann Schulz erzählt die märchenhafte Geschichte „Die schlaue Mama Sambona“ in einer sehr schönen Sprache und einem wunderbaren Stil (wann trifft man schon auf einen Autor, der noch den Konjunktiv beherrscht!). Der Grundgedanke der Erzählung, dass man dem Tod durch eigene Lebensfreude von der Schippe springen und das Leben durch die Fürsorge für Kinder verlängern kann, hat etwas Faszinierendes. Die ernste Geschichte wird dabei von einer ansteckenden Leichtigkeit getragen und steckt voller kluger Bilder und Ideen. Hermann Schulz zeigt dem Leser, dass es in Afrika längst nicht so ungeordnet und gesetzlos zugeht, wie man in Europa meint und dass dieser Kontinent sehr fröhliche Seiten hat. Die Parabel ist für Kinder ab vier Jahren geeignet, aber eigentlich ist es ein Bilderbuch für Erwachsene – Kinder wissen, wie schön das Leben ist, doch mancher Erwachsener muss erst wieder daran erinnert werden.
Das Bilderbuch „Die schlaue Mama Sambona“ wird von interessanten Illustrationen von Tobias Krejtschi begleitet. Der junge Illustrator hat überwiegend blattfüllende oder doppelblattgroße farbenfrohe Bilder gemalt. Der Kontrast zwischen den warmen leuchtenden Farben Afrikas und dem bleichen, kantigen Angesicht des Todes machen das Buch zu einer Augenweide. Die Bilder stecken voller humorvoller Details, zum Beispiel steht am Strand eine riesigen Sanduhr, weil „die Dinge in Afrika manchmal dauern können“, und der Tod besitzt einen Vogelkäfig, in dem ein Vogelskelett sitzt, und bei genauerem Betrachten sehen die Felsformationen wie schräge Vögel aus. Die Bandbreite seines Könnens zeigt Tobias Krejtschi auch in den braun-weißen Linolschnitten, mit denen er den Text ebenfalls illustriert. Die kleinen reduzierten Bilder stecken voller Ausdruckskraft. Tobias Krejtschi zeigt kongenial, dass es möglich ist, Lebensfreude malen zu können. Das reich illustrierte Bilderbuch „Die schlaue Mama Sambona“ hat auch von Tobias Krejtschi gestaltete Vorsatzpapiere, auf denen man den kleinen Hasen entdeckt, der durch einen Zebraschädel guckt.
„Die schlaue Mama Sambona“ ist eine wunderbare farbenfrohe Liebeserklärung an das Leben – und an Afrika!
Autorenportrait:
Hermann Schulz wurde 1938 in Nkalinzi/Ostafrika geboren. Kindheit und Jugend verlebte er im Wendland und am Niederrhein. Nach Schule und Buchhandelslehre verbrachte er einige Monate im Vorderen Orient. Seit 1960 lebt er in Wuppertal. 1967 wurde er Leiter des „Peter Hammer Verlages“ als Nachfolger von Johannes Rau. Sein verlegerisches und persönliches Engagement galt in den 70er und 80er Jahren vor allem der Literatur Lateinamerikas und der politischen Entwicklung Nicaraguas. Für seine verlegerische Arbeit erhielt er 1981 den „Von der Heydt-Kulturpreis“ der Stadt Wuppertal. 1998 wurde ihm vom „P.E.N.-Zentrum“ Deutschland die „Hermann-Kesten-Medaille“ zuerkannt.
Illustratorenportrait:
Tobias Krejtschi, geboren am 27.8.1980 in Dresden, studiert seit 2003 in Hamburg an der „Hochschule für Angewandte Wissenschaften“ im Fachbereich Gestaltung mit dem Schwerpunkt Illustration bei den Professoren Bernd Mölck-Tassel und Reinhard Schulz-Schaeffer. Er ist der Gewinner des Illustrationswettbewerbs, den der Peter Hammer Verlag 2006 anlässlich seines 40-jährigen Bestehens ausgeschrieben hatte. Seine Illustrationen zur Afrika-Geschichte „Die schlaue Mama Sambona“ von Hermann Schulz wurden aus 360 Einsendungen ausgewählt.
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