Die Nudel

Eine Kulturgeschichte mit Biss

Die Nudel(mag). Der Journalist Christoph Neidhart isst gerne Nudeln, am liebsten bissfest gekocht. Auf seinen Reisen in Asien und Europa hat er sich durch zahlreiche Nudelmahlzeiten durchprobiert und ist dabei auf viele unterschiedliche Gerichte und große Gemeinsamkeiten gestoßen. Beim Sammeln von Material über Nudeln im Allgemeinen und im Besonderen entstand die Idee, ein Buch über die große weltweite Nudelfamilie zu schreiben: „Die Nudel – Eine Kulturgeschichte mit Biss“. Es zeigt sehr anschaulich die Vielfalt der weltweiten Nudelkultur und vermittelt auf sehr kurzweilige Art viele Informationen über Nudeln. Ein Buch, das neugierig macht auf die große Vielfalt dieses auf den ersten Blick schlichten Lebensmittels und seiner appetitanregenden, unerschöpflich vielfältigen Zubereitung.

 

Im ersten Teil seines unterhaltsamen Sachbuches nimmt Christoph Neidhart den Leser mit auf eine Reportagereise zu „Neun Schauplätzen der Nudelkultur“. Da gibt es unter anderem Spaghetti in einer neapolitanischen Familie, „la mian“ (Ziehnudeln) bei einem Nudelmacher in China, und „Pelmeni“ in einem Moskauer Dampfbad, aber auch „pho“ (Reisnudeln) zum Frühstück in Vietnam und „Älplermagronen“ (Hörnchennudeln mit Apfelmus, Käse und Zwiebeln), einem Lieblingsessen schweizer Kinder. In nettem Plauderton stellt der Autor die unterschiedlichen Nudeltraditionen vor und erläutert ihre Entstehung. Seine Texte sind unterhaltsam, zuweilen ein bisschen geschwätzig, aber immer interessant.

 

Fundierte Kenntnisse vermittelt das Sachbuch „Die Nudel“ in einem sorgfältig recherchierten Kapitel über die Geschichte des Grundnahrungsmittels Weizen, ohne das es keine Nudeln gäbe. Der Autor stellt die Zusammenhänge zwischen dem Getreideanbau und der Verbreitung der Nudel durch die Handel treibenden Kaufleute anschaulich da. Er erläutert wie die Erfindung der Gabel in Europa und der Stäbchen in Asien mit der Verbreitung von Nudelgerichten einhergeht.

 

Anschließend zeigt der Schweizer Christoph Neidhart den Einfluss der Lebensumstände der Menschen auf ihre Nudel-Essgewohnheiten, unterteilt in die Kapitel „Europa“ und „Asien“. Diese unterhaltsame Kulturgeschichte führt den Leser unter anderem in eine kleine Getreidemühle in der Schweiz, in der angeblich die besten Spaghetti der Welt gemacht werden, aber auch in die riesigen Fabrikhallen des italienischen „Barilla“-Konzerns. Der Autor erläutert die Unterschiede zwischen den Nudelessern in der Stadt sowie auf dem Land und verrät, dass Casanova 1743 ein Loblied auf die Makkaroni gedichtet hat. Gekonnt führt Christoph Neidhart, der zurzeit mit seiner chinesischen Frau in Japan lebt, durch die fremde zuweilen exotische Welt der asiatischen Küche. Er erläutert, dass die Seidenstraße von einigen japanischen Autoren auch „Nudelstraße“ genannt wird, erzählt die Geschichte der japanischen Firma „nissin“, die mit ihren Instant-Nudelsuppen weltweit über 250 Millionen Euro Jahresumsatz macht und berichtet davon, dass die Nudeln in der chinesischen Nudelprovinz Shanxi eher fade im Geschmack sind.

 

Das sorgfältig gestaltete Sachbuch „Die Nudel“ ist großzügig illustriert. Auf fast jeder Doppelseite befindet sich ein Bild, und vor jedem neuen Kapitel steht eine ganzseitige Zeichnung des Grafikers und Illustrators Günter Mattei. Die Bilder veranschaulichen den Text und machen ihn noch verständlicher. Die Beschreibung einer Nudel kann noch so gut sein, wenn man eine Zeichnung davon sieht, kann man sie sich besser vorstellen. Darüber hinaus sind die Zeichnungen auch humorvolle Kommentare zu den geschilderten Episoden. Bis auf die albernen, Nudelnpakete tragenden Murmeltiere sind die Illustrationen eine gelungene Bereicherung zu dem Text. Die stimmungsvollen Bilder sind passend zum sehr schönen blauen Druck der Schrift in gelb-blau-grün-Tönen gehalten. Das Buch ist eine Augenweide: von der Gestaltung des gelben Umschlages, den blauen Vorsätzen bis zu den sehr zahlreichen detaillierten Illustrationen. Man hält es begeistert in seinen Händen und verschenkt gern ein weiteres Exemplar an Nudelfreunde.

 

Im Anhang befindet sich ein Verzeichnis „Ausgewählte Literatur und Quellen“ sowie ein „Nudelregister“, das alle erwähnten Nudelformen auflistet. Dass selbst der Anhang mit zwei blattgroßen Bildern illustriert wurde unterstreicht die sorgfältige Gestaltung des interessanten Buches.

 

„Die Nudel“ ist ein liebevoll gestaltetes Sachbuch, das dem Leser einen spannenden und zunehmend hungrigen Blick über den eigenen (Nudel-)Tellerrand ermöglicht.

 

Autorenportrait:

Christoph Neidhart, geboren 1954 in Basel, ist Tokio-Korrespondent der „Weltwoche“, für die er auch schon aus Moskau berichtet hat. Er lebt in Tokio und Zürich.

 

Illustratorenportrait:

Günter Mattei wurde 1947 in Österreich geboren. Er lebt seit 1971 hauptsächlich in München und ist freiberuflich als Grafiker und Illustrator für verschiedene Verlage, Werbeagenturen und Kultureinrichtungen im In- und Ausland tätig. Aufgrund mehrer längerer Aufenthalte in der Karibik, in Afrika und in der Südsee bildet die bildnerische Auseinandersetzung mit den Tropen seit Jahren einen Schwerpunkt in den Arbeiten von Günter Mattei.

Die Nudel

Christoph Neidhart

Die Nudel

Eine Kulturgeschichte mit Biss

Illustrationen von Günter Mattei

Deuticke Verlag, Wien

ISBN 978-3-552-06042-5

1. Auflage 2007, 320 Seiten, mit zahlreichen dreifarbigen Illustrationen, Hardcover gebunden.

Unverbindliche Preisangabe: € 24,90 (D) / € 25,60 (A) / sFr 43,70

Buch bestellen.

© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen

www.literaturtipp.com

Impressum