Das Wetter vor 15 Jahren
Eine spannende Liebesgeschichte
(mag).
In der Fernsehshow „Wetten, dass..?“ von Thomas Gottschalk tritt der 30-jährige
Vittorio Kowalski auf. Er wettet, dass er für jeden Tag der letzten 15
Jahre sagen kann wie das Wetter in dem österreichischen Ort Farmach gewesen
ist. Vittorio Kowalski gewinnt seine Wette und wird der Wettkönig des Abends.
– In seinem neuesten Roman „Das Wetter von 15 Jahren“ beschreibt Wolf Hass wie
der Autor angelockt durch die ungewöhnliche Fähigkeit von Vittorio
Kowalski versucht herauszubekommen, welche Geschichte dahinter steckt.
Vittorio Kowalski ist 15 Jahre lang mit seinen Eltern jeden Sommer in den Ferien nach Farmach gefahren. Die Familie wohnt immer bei Familie Bonati. Anni Bonati ist genauso alt wie Vittorio Kowalski. Die Kinder freunden sich an und kommen sich von Jahr zu Jahr näher. Als beide 15 Jahre alt sind, geschieht ein tragisches Unglück, das dazu führt, dass die Kowalskis nie wieder nach Farmach fahren. Der Junge interessiert sich von dem Tag der hektischen Abreise an für das Wetter in dem Ferienort. Er will aber nicht wie alle anderen „Wetternormalverbraucher“ wissen wie das Wetter werden wird, sondern wie das Wetter gewesen ist. Durch den Auftritt im Fernsehen angeregt, fährt Vittorio Kowalski noch einmal nach Farnach, um Anni Bonati zu sehen. Angekommen in Österreich überschlagen sich die Ereignisse …
Der österreichische Kultautor Wolf Hass ist durch seine zahlreichen preisgekrönten Wiener Kriminalromane auch in Deutschland bekannt geworden. Wolf Hass wollte keinen weiteren Krimi schreiben, sondern eine Liebesgeschichte. Um nicht die übliche Erzählform einer konventionell erzählten und damit nicht sonderlich originellen Geschichte um Liebe und Sehnsucht zu wählen, hat Wolf Haas nach einer modernen Form des Erzählens gesucht. Da der Österreicher gerne Interviews liest, hat er sich dafür entschieden. Die Form des Interviews ermöglicht einen direkten Zugriff auf die Geschichte, ohne dass der Autor den Stil der Erzählung beachten muss.
Die Liebesgeschichte in Form eines Interviews sollte einen Leser nicht abschrecken. Schon nach wenigen Seiten liest man das Buch so flüssig wie einen konventionell geschriebenen Roman. Das Buch „Das Wetter von 15 Jahren“ ist nicht schwierig zu lesen, aber es zwingt den Leser, genau aufzupassen was gesagt wird. Stück für Stück setzt sich die Geschichte von den beiden Familien Bonati und Kowalski zusammen. Wolf Haas schreibt eine spannende Geschichte, die die Geduld der Leser herausfordert, denn die entscheidenden Informationen werden manchmal nur am Rande erwähnt. Während die Gesprächspartner sich über Formulierungen streiten, brennt der Leser darauf zu erfahren, was denn nun vor 15 Jahren genau passiert ist.
Das Wort „Wetter“ steht in den Alpenregionen auch für „Gewitter“, und ein Gewitter spielt eine entscheidende Rolle im Fortgang der Geschichte von Anni und Vittorio. Wolf Hass beschreibt beeindruckend nachfühlbar die elektrisierende Stimmung während eines herannahenden Gewitters in den Bergen. Der österreichische Autor spielt in seinem Roman immer wieder auf die Gegensätze und die nicht so gern gesehenen Gemeinsamkeiten zwischen den Einheimischen und den deutschen Urlaubern an.
Der Roman „Das Wetter von 15 Jahren“, ausgezeichnet mit dem „Wilhelm-Raabe-Literaturpreis“, ist auch eine sehr humorvolle Abrechnung mit der Buchkritik. Die Rezensentin, genannt „Literaturbeilage“, wird an manchen Stellen regelrecht vorgeführt, wenn sie sich in vermeintlich klugen Wortklaubereien verliert und nur die scheinbare eigene Gelehrsamkeit darstellen will. Das geht natürlich gründlich schief und ist sehr witzig zu lesen. Man den Eindruck, dass der Schriftsteller Wolf Haas schon so manchen dusseligen Interviewer ertragen musste und hier die Gelegenheit nutzt, gekonnt zurückzuschlagen.
„Das Wetter von 15 Jahren“ ist ein facettenreicher Roman, der viel mehr ist als eine modern erzählte Liebesgeschichte. „Vielen Dank, Herr Haas, für das gelungene Interview!“
Autorenportrait:
Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer geboren. Berühmt wurde er mit seinen Kriminalromanen um Privatdetektiv Brenner. Die erfolgreiche Serie wurde mit dem „Deutschen Krimipreis“, dem „Burgdorfer Krimipreis“ und dem „Literaturpreis der Stadt Wien“ ausgezeichnet. Die Romane wurden in mehreren Sprachen übersetzt und fürs Kino verfilmt. Er lebt als freier Autor in Wien.
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