Das Geheimnis des Buchhändlers
Literatur kann tödlich sein
(hpe).
In den USA firmieren John Dunnings Kriminalgeschichten um den Buchhändler
und ehemaligen Polizisten Cliff Janeway nur noch unter dem Stichwort „A Janeway
Novel“. Diesen Status muss sich John Dunning in Deutschland noch erarbeiten.
Mit „Das Geheimnis des Buchhändlers“ ist nun das erste Werk aus der Reihe
übersetzt worden. Und die Leser lernen eine im doppelten Sinne schlagfertige
Hauptfigur kennen.
Cliff Janeway hat es sich in seinem Buchladen in Denver bequem gemacht und geht auf die Jagd nach seltenen und wertvollen Büchern. Als er eine rare Ausgabe des Weltenbummlers Richard Burton (der Schriftsteller, nicht der Schauspieler) ersteigert, sucht ihn eine alte Dame auf. Sie behauptet, dass das Buch eigentlich ihr gehöre, windige Buchhändler es ihr jedoch vor rund 80 Jahren gestohlen hätten. Obwohl er immer noch zweifelt, verspricht Cliff Janeway der alten Dame auf ihrem Sterbebett, die Hintergründe des historischen Verbrechens aufzuklären. Damit setzt er eine fast schon aberwitzige Spirale der Gewalt in Gang. Denn wenig später wird ein Mord geschehen …
Das ist nur der Auftakt zu Verwicklungen, die manchem nicht ganz so aufgeschlossenen Leser doch etwas aufgesetzt vorkommen mögen. Mord und Totschlag wegen eines alten Schinkens? Selbst bei dem Wert, der sich dahinter verbirgt, erscheint das übertrieben. Doch wie so oft ist nicht alles so, wie es scheint, und das wahre Motiv der Tat und ihrer Folgen macht die Geschichte glaubwürdiger. Auf dem Weg zur Auflösung muss Cliff Janeway jedoch mit rabiaten Schlägern genauso fertig werden, wie mit der wortgewandten Anwältin Erin, die eine große Anziehungskraft auf ihn ausübt.
Natürlich erreicht der trotz der ungewöhnlichen Materie doch eher konventionell gestrickte Thriller nicht die literarische Höhe der ein ums andere Mal zitierten Werke etwa von Mark Twain oder Charles Dickens. Und wenn sich Janeway und Erin die verbalen Bälle zuspielen, dann wirkt das doch etwas übertrieben glorifizierend.
So sind es – neben einigen unbestreitbar spannenden Passagen – vor allem die profunden Einblicke in die Arbeit der Buchhändler und ihrer Scouts sowie der lange Rückblick im Mittelteil des Buches in die Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, die „Das Geheimnis des Buchhändlers“ von John Dunning zu einem außergewöhnlichen Buch machen.
Autorenportrait:
John Dunning war viele Jahre lang nicht nur Journalist und Schriftsteller, sondern auch Buchhändler und Antiquar. Sein Geschäft in Denver galt als eine Kultstätte für Bücher. Er besitzt eines der größten Archive über die Geschichte des Radios. Er lebt in Denver, Colorado. Seine Serie um den Bücherdetektiv Cliff Janeway gehört zu den erfolgreichsten Krimiserien in den USA.
© Copyright by: *tipp Redaktionspool Butjadingen