Brehms Tierleben

Die schönsten Tiergeschichten

Brehms Tierleben(tkr). Vom Affen, über das Alpenmurmeltier bis hin zur Staatsqualle sind im Tierlexikon „Brehms Tierleben“ 91 Tierarten vertreten. Der Zoologe Alfred Brehm hat sie alle auf seinen Reisen eingehend beobachtet und damit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Beachtliches geleistet. Seine Aufzeichnungen sind keine trockenen, abstrakten Lehrbuchtexte. Es sind Geschichten, die das Staunen des Betrachters unmittelbar auf den Leser übertragen. Es sind Aussagen wie die folgende, die Alfred Brehm den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit einbrachten: „Der Affe in seiner sinnlichen Liebe ist ein Scheusal; er kann aber in seiner sittlichen Liebe manchem Menschen ein Vorbild sein.“ Doch diese Geschichten und sein Ansatz, das Tierlexikon als „volksthümliches Buch“ anzulegen, gaben ihm Recht. Alfred Brehm wurde durch seine unkonventionelle Art weltberühmt. Der Grund: Sein Publikum verstand ihn und gewann einen Einblick in die bis dahin weitgehend unerforschte Tierwelt.

 

Alfred Brehm war einer der wenigen Wissenschaftler seiner Zeit, der Tiere, die er betrachtete, nicht tötete, ausstopfte oder in Alkohol tränkte, um sie zu konservieren. Er wollte jedes Tier in seinem natürlichen Lebensraum kennen lernen. Das Begreifen durch Beobachtung und Einfühlungsvermögen stand für ihn im Vordergrund. Dabei war er selten objektiv. Alfred Brehm ordnete den Tieren menschliche Attribute zu, fand sie hässlich oder gar abscheulich, wahrte jedoch immer den Respekt vor ihnen. Er vermenschlichte die Natur zwar, romantisierte sie aber nicht. Seine Darstellungen zeigen die reale Natur, die von Gewalt und Überlebenskampf geprägt ist.

 

In jedem Lexikonartikel in „Brehms Tierleben“ ist ein Tier in seinem natürlichen Lebensraum beschrieben. Alfred Brehm erfasste seine Maße, das Verhalten bei Fortpflanzung und Nahrungssuche sowie das Zusammenleben im Rudel. Weiterhin schrieb er über die kulturelle Bedeutung des Tieres im Zusammenhang mit Religion, Kult und Aberglauben. So wundert es nicht, dass Alfred Brehm im Artikel über „die Affen“ auf deren Bedeutung für die Ägypter eingeht.

 

In „Brehms Tierleben“ vertritt der Zoologe eine zentrale These: „Die Menschen haben die Tiere niedrig gehalten und als niedrige Wesen verstehen wollen, damit ihre eigene Macht uneingeschränkt bleibe und die wahren Ähnlichkeiten den eigenen Überlegenheitsgedanken nicht gefährden.“ Alfred Brehm beklagte die Tierquälerei und die Herabwürdigung von „edlen Kreaturen“ im Dienste des Menschen. Damit ist der Zoologe bis heute aktuell und bietet Raum für Diskussionen.

 

„Brehms Tierleben“ erschien im Original in zehn Bänden und wurde seitdem kontinuierlich überarbeitet und korrigiert. Allein in Deutschland sind über 200 Auflagen des Tierlexikons erschienen. Die Maxime von „Brehms Tierleben“ war immer die Anschaulichkeit und die Allgemeinverständlichkeit, die auch bei der neubearbeiteten Fassung von Roger Willemsen eingehalten wird. Roger Willemsen hat den Klassiker der Zoologie entstaubt und auf knapp 1.000 Seiten gekürzt. Der Text der Ausgabe ist in alter Rechtschreibung belassen und folgt der zweiten Auflage des Lexikons von 1882-1887. Dieser wurde von Alfred Brehm zum größten Teil selbst verfasst.

 

Das Lexikon unterteilt die Tiere in die Gattungen „Säugethiere, Vögel, Kriechthiere, Lurche, Fische, Insekten und niedere Thiere“. Unter diesen Überschriften sind die Tierarten leider nicht erkennbar geordnet. Dadurch dauert es etwas länger, bis der Leser findet, was er sucht. Doch ist ein Lexikonartikel einmal entdeckt, wird er neben dem Inhalt auch durch seine Gestaltung begeistern: Jedes Tier ist so naturgetreu von Klaus Ensikat illustriert, dass man alle Fotos, die man je davon gesehen hat, vergessen kann. Denn auch hier sind die Tiere von ihrer natürlichen Umgebung umrahmt und lassen Geschichten im Kopf des Betrachters entstehen.

 

In einem ausführlichen Geleit- und Nachwort von Roger Willemsen erhält der Leser zusätzliche Informationen über die Intention, das Leben und das Vermächtnis des Zoologen Alfred Brehm. Damit ist „Brehms Tierleben“ in dieser polierten Fassung mehr als ein reines Tierlexikon. Es ist ein Klassiker, der sowohl einen tiefen Einblick in die Tierwelt als auch in das allgemeine Denken und Schaffen der Zoologie im 19.Jahrhundert gewährt. Im Besonderen erlaubt er einen Blick auf den Lebensweg des „Tiermalers in Worten“, Alfred Brehm.

 

„Brehms Tierleben“ gehört in das Bücherregal jedes Tierliebhabers!

Autorenportrait:

Alfred Edmund Brehm wurde 1892 in Thüringen geboren; nach vielen Expeditionsreisen wurde er 1863 Zoodirektor in Hamburg, 1869 gründete er das Berliner Aquarium. Er verfasste viele Aufsätze und Bücher. Die mehrbändige Ausgabe von „Brehms Tierleben“ (1864-1869), die umgehend zu einem großen Publikumserfolg wurde, machte ihn weltberühmt. Alfred Brehm starb 1884 in Renthendorf/Thüringen.

 

Herausgeberportrait:

Roger Willemsen, Jahrgang 1955, war Nachtwächter, Reiseleiter, Museumswärter, Autor, Kritiker, Übersetzer und Auslandskorrespondent, bevor er 1991 zum Fernsehen kam, wo er vor allem mit „Willemsens Woche“ bekannt wurde. Darüber hinaus arbeitete er als Dokumentarfilmer und Produzent.

 

Illustratorenportrait:

Klaus Ensikat, geboren 1937 in Berlin, ist für seine Illustrationen mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem 1996 mit der „Hans-Christian-Andersen-Medaille“ und 1997 mit dem „Deutschen Jugendbuchpreis“ für sein Gesamtwerk.

Brehms Tierleben

Alfred Edmund Brehm

Brehms Tierleben

Die schönsten Tiergeschichten

Herausgegeben von Roger Willemsen

Mit Illustrationen von Klaus Ensikat

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

ISBN 978-3-10-092101-7

1. Auflage 2006, 960 Seiten, mit 60 farbigen Illustrationen, Leinen gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen.

Unverbindliche Preisangabe: € 39,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 69,40

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