28 Stories über Aids in Afrika

Wie dramatisch Aids das Leben auf dem Kontinent verändert

28 Stories über Aids in Afrika(nas). „Wir haben es mit der größten Gesundheitskrise in der Menschheitsgeschichte zu tun“, sagt Nelson Mandela, der ehemalige Staatspräsident Südafrikas. Die Zahlen geben ihm Recht. 26 Millionen Menschen sind bereits gestorben, 45 Millionen Menschen haben sich angesteckt, weltweit. Die Krankheit heißt Aids, und sie hat sich zu einer Pandemie entwickelt, was bedeutet, dass sie nicht vor Länder- oder Kontinentalgrenzen Halt macht. Allein in Afrika werden in den nächsten vier Jahren 28 Millionen Menschen an Aids sterben. Die Zahl ist so groß, dass kaum vorstellbar ist, was diese Todeswelle für die Menschen in Afrika bedeutet.

 

Stephanie Nolen erlebt täglich, wie dramatisch Aids das Leben in Afrika verändert. Vor einigen Jahren verließ sie ihre kanadische Heimat und zog nach Südafrika, um als Korrespondentin über die unfassbare Entvölkerung zu berichten, die das HI-Virus (der Auslöser von Aids) in Afrika anrichtet. Sie bereiste unzählige afrikanische Länder und sprach mit Menschen, die sich alle auf verschiedenste Weise mit dem Virus und seiner Folge, der Erkrankung an Aids, konfrontiert sehen.

 

In ihrem Buch „28 Stories über Aids in Afrika“ lässt Stephanie Nolen den Leser an ihren Gesprächen mit 28 Menschen teilhaben, die von ihrem Leben im Aids-geplagten Afrika berichten. Stellvertretend für 28 Millionen HIV-Infizierte erzählt jede/r von ihnen, was es bedeutet, in Ländern zu leben, in denen so viele Menschen qualvoll an Aids sterben, dass es keinen Platz mehr auf den Friedhöfen gibt, Särge zur Mangelware werden und Millionen von Aidswaisen sich selbst überlassen bleiben.

 

Einfühlsam und unvoreingenommen beleuchtet die Autorin das Ausmaß der Seuche von verschiedenen Seiten. Prostituierte, Fernfahrer und Soldaten, also jene Gruppen, die als maßgebliche Verbreiter des Virus gelten, kommen ebenso zu Wort, wie Aidswaisen, Großmütter, Krankenschwestern und Wissenschaftler, die mit den Folgen des Virus zu kämpfen haben. Die so entstandenen „28 Stories über Aids in Afrika“ reichert Stephanie Nolen mit Informationen zu kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründen an, die es ermöglichen, die Lebensumstände der Menschen besser zu verstehen. Gleichzeitig vermittelt die Autorin fundiertes Wissen über den Ursprung, die Verbreitung und die Wirkungsweise des tödlichen HI-Virus. Hilfreich erweist sich dabei das Glossar im Anhang, welches die üblichen medizinischen Termini allgemein verständlich erläutert.

28 Millionen afrikanische HIV-Infizierte bleiben nicht länger eine abstrakte Zahl. Das Schicksal dieser Menschen wird in den „28 Stories über Aids in Afrika“ derart gegenwärtig, dass man sich ihm als Leser kaum entziehen kann. Die Lektüre macht nachdenklich und ruft Gefühle hervor, die von der Bewunderung des ungebrochenen Engagements und Mutes vieler Betroffener, bis hin zu Gefühlen der Ohnmacht und Wut reichen.

 

Wie ergreifend es gewesen sein muss, diesen Menschen zu begegnen, lässt sich erahnen, wenn man ihre Geschichten liest und ihre eindrucksvollen schwarz-weiß gehaltenen fotografischen Portraits betrachtet, die den einzelnen Kapiteln vorangestellt sind. Umso bewundernswerter sind Stephanie Nolens journalistische Fähigkeiten, die sie davor bewahren moralisierend und mit erhobenem Zeigefinger zu schreiben. Stattdessen lässt die Autorin die Menschen und ihre Lebensgeschichten für sich selbst sprechen. Es ist der große Verdienst der Übersetzer Karlheinz Dürr, Ursula Pesch und Wolfram Ströle, die den Ton der Autorin sprachlich ansprechend und punktgenau treffend aus dem Englischen übersetzt zu haben.

 

Stephanie Nolen geht es in „28 Stories über Aids in Afrika“ um weitaus mehr, als über den Tod und das unermessliche Leid zu berichten. Die Welt ignoriert Afrikas Sterben. „Genozid durch Gleichgültigkeit“, nennt Stephanie Nolen unser Wegsehen . Würden wir tatenlos zusehen, wenn in Deutschland alle Einwohner südlich des Mains sterben müssten?

 

Was jeder Einzelne von uns tun kann, welche Bücher zum Thema lesenswert sind und was aus den 28 Menschen, mit denen die Autorin sprach, geworden ist, erfährt der Leser im Anhang des Buches, wo sich neben einem Epilog auch eine Bibliografie und Adressen von Hilfsorganisationen finden.

 

„28 Stories über Aids in Afrika“ ist ein hervorragend geschriebenes und wichtiges Buch! Die Betroffenen des schockierenden Aids-Dramas bekommen eine Stimme. Aus abstrakten Zahlen werden Menschen mit Schicksalen.

 

Autorenportrait:

Stephanie Nolen ist Afrika-Korrespondentin der kanadischen Zeitung „The Globe an Mail“. Sie berichtete aus 40 Ländern der Erde, unter anderem aus zwei Dutzend afrikanischen. Die vielfach ausgezeichnete Journalistin gewann zweimal den „Newspaper Award for International Reporting“ und zweimal den „Amnesty International Award for Human Rights Reporting“. Die junge Mutter lebt in Johannesburg, Südafrika.

28 Stories über Aids in Afrika

Stephanie Nolen

28 Stories über Aids in Afrika

Aus dem Englischen von Karlheinz Dürr, Ursula Pesch und Wolfram Ströle

Piper Verlag, München

ISBN 978-3-492-05014-2

1. Auflage 2007, 464 Seiten, mit 28 s/w-Fotos und 2 s/w-Karten, Klappenbroschur.

Unverbindliche Preisangabe: € 16.- (D) / € 16,50 (A) / sFr 28.-

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