Wo Licht und Schatten ist
Ein Mord am Leuchtturm
(mkb).
Eine exklusive Insel, ein Leuchtturm, ein Mord, ein Mörder und die Ermittler
Commander Adam Dagliesh mit seiner Crew Inspektor Kate Miskin und Sergeant Francis
Benton-Smith. „Wo Licht und Schatten ist“, Originaltitel „The
Lighthouse“, von P.D. James ist ein Kriminalroman, dessen Spannung nicht
zuletzt in der Komposition der Mitwirkenden liegt, deren Vergangenheit annähernd
jeden von ihnen an irgendeinem Punkt zum möglichen Täter macht.
Auf der englischen Urlaubsinsel Combe Island wird eines nebligen Morgens der
Bestsellerautor Nathan Oliver am Leuchtturm erhängt gefunden. Man ruft
Commander Dagliesh für die diskrete Klärung, und jener steht bereits
vor den ersten Ermittlungen vor einer kniffligen Aufgabe: Es gilt nicht nur
zu berücksichtigen, dass es sich bei Nathan Oliver um einen Mann der Öffentlichkeit
gehandelt hat, sondern auch, dass die Insel das Rückzugsgebiet von einflussreicher
Prominenz aus Kultur und Politik ist, die sich für die Dauer ihres Aufenthaltes
nicht zuletzt auch dem Interesse der Medien an ihrer Person entziehen wollen.
Für das Außenministerium ist der Fall quasi schon gelöst: „Mord
wäre uns am lästigsten, Selbstmord unter den gegebenen Umständen
kaum weniger unangenehm. Mit einem Unfalltod könnten wir vermutlich leben.
Bei dem Opfer wird sich Medienrummel kaum vermeiden lassen, aber das bekämen
wir schon in den Griff, vorausgesetzt, es war kein Mord.“ –
und doch stehen alle Anzeichen auf Mord! Die Vernehmungen laufen zäh, die
Verhörten geben sich unkooperativ, machen keinen Hehl daraus, dass ihnen
die Anwesenheit der Detektive lästig ist.
Die Autorin P.D. James zieht Seite für Seite durch das Leben ihrer Romanfiguren,
verfasst eines jeden Mitspielers Lebensgeschichte so ausführlich wie nötig,
lenkt irgendwann die Wege mit denen des Ermordeten zusammen und enttarnt den
getöteten Nathan Oliver als Egomane, dessen Skrupellosigkeit zahlreiche
Tatverdächtige hinterlässt. P.D. James nimmt selbst die Tochter des
Toten in den Kreis der Verdächtigen auf, inszeniert einen Interessenskonflikt
zwischen Vater und Tochter, hervorgerufen durch die Liebe zwischen Miranda Oliver
und dem Lektor Dennis Tremlett. Oliver verfährt mit ihr genauso hartherzig
wie mit dem Rest seiner Umwelt.
Verdächtig sind auch die alte Dame Emily Holcombe, der Nathan Oliver ihr
Cottage nehmen wollte und der Forscher Mark Yelland, den der Schriftsteller
als Hauptdarsteller in seinem noch unveröffentlichten Roman eingesetzt,
seine umstrittenen Experimente an Tieren gnadenlos für den Spannungsaufbau
genutzt hat; Yellands Image droht mit der Veröffentlichung noch weiteren
Schaden zu nehmen, und er beschließt eine Aussprache am Abend vor dem
Mord. „Der Abend war ein Desaster. Und der ganze Disput wirkte irgendwie
seltsam. Es war eigentlich keine Diskussion, sondern eher ein kontroverser Wechselgesang,
bei dem nur einer der Teilnehmer, nämlich Yelland, echte Leidenschaft empfand.“
Der Kriminalroman, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
übersetzt, liest sich nicht nur spannend, sondern besticht auch mit Stimmungsbildern,
vermittelt das typische Flair Großbritanniens: „Und dann begann
der Nebel, so unerklärlich wie er gekommen war, sich zu lichten. Dünne
Schleierfetzen trieben um den Leuchtturm herum, (…)“.
„Wo Licht und Schatten ist“ hebt den Leser mitten auf die Plattform
des Geschehens, schickt ihn mit den Zeilen auf Spurensuche und lässt ihn
nicht mehr los, bis er von dem nicht vorhersehbaren Ende erlöst wird. Spannung
und Lesevergnügen pur!
Autorenportrait:
Phyllis Dorothy James, seit 1981 Baroness James of Holland Park, wurde 1920
in Oxford geboren und konnte sich erst nach langen Jahren in der Krankenhausverwaltung
und in der Kriminalabteilung des Innenministeriums ab 1962 ganz der Schriftstellerei
widmen. „Wo Licht und Schatten ist“ ist ihr 17 Roman. Die Autorin,
weltweit als „Queen of Crime“ gerühmt, wurde mit Auszeichnungen
und Preisen überhäuft; ihr Commander Adam Dalgliesh, der die meisten
Fälle löst, ist in die Literaturgeschichte eingegangen.
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