Wein & Krieg
Bordeaux, Champagner und die Schlacht um Frankreichs größten Reichtum
(tep).
Wussten Sie, dass beim wohl bekanntesten Champagner Frankreichs bereits im Namen
die ganze Dimension von zwei Weltkriegen mitschwingt? Das „Veuve“
aus „Veuve Cliquot“ bedeutet „Witwe“ und ist Zeichen
des pragmatischen Überlebenswillens der Kriegswitwen, die ihre Männer
im Ersten Weltkrieg verloren hatten und die Geschäfte zwangsläufig
allein weiterführen mussten. Die Witwe Cliquot hat den Namen ihrer Champagnerie
weit über die Grenzen Frankreichs hinaus zu einem Synonym für Geschmack,
Klasse und Exklusivität gemacht.
Mit dem Einmarsch der Deutschen im Land des Weines fürchteten die Winzer
um ihre Weinberge und natürlich um ihre Weine. Hitlers ausdrücklicher
Befehl lautete, die wertvollsten nach Deutschland zu transportieren. Um dies
zu verhindern, ließen sich die Franzosen jede Menge einfallen: Unmengen
an Weinen wurden in entlegenen Winkeln der Weinkeller eingemauert, in der Hoffnung,
die Deutschen würden die besten Tropfen nicht finden. Weniger wertvolle
Weine wurden umetikettiert und als erstklassig verkauft. Nebenbei wurden Informationen
an die Résistance weitergegeben: Deutsche Generäle orderten etliche
Flaschen mit der Beschriftung „Reserviert für die Wehrmacht“;
dieser Hinweis stellte sich als wertvoll heraus, denn um die Soldaten bei Laune
zu halten, wurde Alkohol an diejenige Front geschickt, die als nächstes
im Begriff war, anzugreifen.
Derlei gibt es viele Geschichten zu erzählen und den Autoren Don und Petie
Kladstrup gelingt dies in ihrem Buch „Wein & Krieg“, aus dem
Englischen von Dietmar Zimmer übersetzt, äußerst charmant, ohne
jeweils die Sensibilität und das Gespür für die Gefahr, die damals
in jedem dieser „Schelmenstücke“ steckte, vermissen zu lassen.
Zahlreiche Schwarzweißabbildungen unterstützen die Darlegung der
spannenden Ereignisse.
Es war ein ständiger Drahtseilakt, dieses Geschäftetreiben mit dem
Feind. Glücklicherweise gab es auf Seiten der Deutschen einige frühere
Weinhändler, die während der Besatzung hohe Ämter bekleideten
und dessen Weinliebe größer war als die Habgier der meisten Deutschen.
Diese dachten auch an eine Zeit nach dem Krieg und bemühten sich um gute
Beziehungen zu den Franzosen.
„Wein & Krieg“ ist eine Ansammlung hoch interessanter, gut recherchierter,
teils unglaublicher Geschichten, die von mutigen, tragischen und anrührenden
Schicksalen handeln!
Autorenportrait:
Don und Petie Kladstrup sind Weinkenner und -liebhaber, die das Thema Wein auch
im historischen Kontext studiert haben. Sie leben in der Normandie und Paris.
Für ihre Reportagen und Dokumentationen wurden sie mehrfach ausgezeichnet.
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