Venedig

Traumhafter Bildband mit Texten von Joseph Brodsky

Venedig(asp). An viele Orte dieser Erde würde ich am liebsten im Sommer reisen. Die Sonne taucht alles in ein besonders schönes Licht, die Vegetation steht in voller Blüte, und auf den Fußmärschen durch Straßen und Landschaften muss ich nicht kiloweise Kleidung mit mir herumschleppen. Seitdem ich den Bildband „Venedig“ mit Fotografien von Thomas Ernsting kenne, habe ich allerdings Venedig von meiner Liste „Reiseziele im Sommer“ gestrichen. Die schönste Stadt der Welt eingehüllt in herbstlichen Dunst und Nebel, im schummrigen Licht und unter diesigem Winterhimmel ist wahrlich eine Offenbarung – ich kann mir Venedig kaum schöner vorstellen.

Der Fotobildband „Venedig“ beginnt dort, wo auch die meisten Besucher ihre Besichtigungstour beginnen – in San Marco, dem einstigen politischen Zentrum der Stadt. Doch die Bilder vom Touristenmagnet sind weit entfernt von kitschigen Urlaubsfotografien oder einer Dokumentation der von Besucherhorden besetzen Plätze und Gassen. Ungewöhnliche Perspektiven und viel Sinn für die Wirkungskraft des Lichts haben wundervolle Aufnahmen ermöglicht, die zum Träumen einladen.

Zur Seite gestellt werden den Bildern Texte des Nobelpreisträgers Joseph Brodsky der mit „Ufer der Verlorenen“ das winterliche Venedig heraufbeschwor und der festen Überzeugung war, „solange diese Stadt existiert, solange Winterlicht auf sie scheint, sind Aktien von Kodak die beste Investition“. Wie wunderbar die Fotografien und Texte der beiden Künstler zusammenpassen, lässt sich anhand dieses Zitates bereits erahnen. Was Joseph Brodsky beschreibt, fängt Thomas Ernsting mit seiner Kamera ein – es scheint als hätte er die Texte des Schriftstellers, aus dem Amerikanischen übersetzt von Jörg Trobitiusm, beim Blick durch die Kameralinse regelrecht vor Augen gehabt.

Das zweite Drittel des Bandes „Venedig“ widmet sich der strahlend weißen Barockkirche „Santa Maria Salute“ über der Einfahrt zum Canal Grande und ihrer Umgebung. Auch beim Ablichten dieses Motivs überzeugt Thomas Ernsting mit traumhaften Aufnahmen – romantisch verspielt, mystisch verhüllt und mit viel Sinn für den richtigen Moment.

Das „Finale furioso“ bilden schließlich die Aufnahmen der Insel „San Giorgio Maggiore“ mit der gleichnamigen Kirche gegenüber des San-Marco-Beckens. Wie abhängig die Wahrnehmung einer Sache vom Standpunkt des Betrachters ist, veranschaulichen diese Bilder auf exzellente Weise. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln wirkt die Insel immer wieder anders und verströmt aus jeder dieser Perspektive erneut einen unwiderstehlichen Charme. Die letzten acht Fotografien lassen den Glanz des lange Zeit verbotenen Karnevals auferstehen, der seit 1979 von den Venezianern wieder in seiner ganzen Herrlichkeit gefeiert wird.

Das Auge gewinnt in dieser Stadt eine Autonomie, die der einer Träne ähnlich ist“, schrieb Joseph Brodsky einst über Venedig. Auch der Fotobildband „Venedig“ verleiht unseren Augen eine Autonomie, denn nur sie fixieren weiterhin die Fotografien, während unsere Gedanken bereits auf der Reise sind ins wunderschöne Venedig.

„Venedig“ ist ein grandioser Bildband, schafft eine nahezu symbiotische Verbindung der Texte von Joseph Brodsky mit den Fotografien von Thomas Ernsting – kurz: einfach traumhaft schön!

Autorenportrait:
Joseph Brodsky, geboren 1940 in Leningrad, lebte nach seiner Ausbürgerung aus der Sowjetunion in den USA. 1987 wurde er für sein Werk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Joseph Brodsky starb 1966 in New York.

Fotografenporträt:
Thomas Ernsting, geboren 1959 in Bevergern im Münsterland, studierte auf Wunsch seiner Eltern Geodäsie, bevor er sich endgültig der Fotografie zuwandte. Erste Fotoreportagen entstanden 1987, ab 1989 folgten Arbeiten für „Geo“ und „Stern“ sowie zahlreiche Aufträge aus der Privatwirtschaft. Einzelausstellungen beim weltgrößten Fotofestival in Perpignan. Er ist Träger vielfacher Auszeichnungen und lebt in Bonn.

Venedig

Thomas Ernsting
Venedig
Mit Texten von Joseph Brodsky
Aus dem Amerikanischen von Jörg Trobitius
Verlag Christian Brandstätter, Wien
ISBN 3-85498-295-X
1. Auflage, 112 Seiten, mit 87 Farbfotos, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 23 x 29 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 29,90 (D) / € 29,90 (A) / sFr 52,90

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