Urlaubslandsleute

…jede Menge Vorurteile für die Reise

Urlaubslandsleute(mkb). Jedem Land sein Vorurteil! Deutsche ernähren sich ausschließlich von Bier und Schweinsbraten mit Sauerkraut, der Franzose kriegt das gute Tröpfchen schon im Milchfläschchen serviert, und jeder Schweizer beherrscht die Kunst des Jodelns und isst ununterbrochen Käse und Schokolade. So und ähnlich gängige Vorurteile, denen Autor Helge Sobik in „Urlaubslandsleute …jede Menge Vorurteile für die Reise“ noch eins draufsetzt und die den Leser einmal um die Welt und zurück lachen lassen.

Plant der Urlaubsreife seine Glieder zur Entspannung in Spaniens Sonne auszubreiten, wird er erst ein Hupkonzert bestehen und ein farbenprächtiges Menü verspeisen müssen – vorausgesetzt Koch und Kellner machen nicht gerade Siesta oder haben heute nicht mit morgen verwechselt. In Griechenland wird der Besucher mit Knoblauch immunisiert, dann von Gitarrenklängen mürbe geklimpert und fühlt sich schließlich genötigt, von einer schwarz gekleideten Griechin geklöppelte Deckchen zu kaufen. Italien wiederum ist so schön, dass sich der Papst dort einen ständigen Wohnsitz eingerichtet hat. In ohrenbetäubenden Debatten, untermalt von ausladenden Gesten, greift der Italiener alle paar Sekunden in seinen Schritt und streikt er gerade mal nicht, schleudert er Münzen in einen Brunnen und wünscht sich was, während er Allerlei aus Tomatensoße isst.

Der Engländer ist „schwer zu erkennen, weil er meistens weitgehend vom Wetter kaschiert wird. Er verschwimmt in seinem ewigen Nebel oder zieht aus Diskretion gleich nach dem Aufstehen einen dichten Vorhang aus Dauerregen vor seinen Aufenthaltsort.“ Außerdem ernährt er sich ausschließlich von Frittiertem und verhaut sich beim Rugby ganz legal. Im Norden gibt es dann noch die Norweger, die „beim Waleumbringen auf Öl gestoßen“ sind. In Folge ist der Norweger sehr reich und behängt seine Museen mit teuren Bildern, die gelegentlich gestohlen werden, weil die Alarmanlagen nicht auf Diebstahl ausgerichtet sind, da der Norweger wegen Reichtum Diebstahl nicht nötig hat. Zum Mittsommer errichtet das nordische Völkchen dann traditionell ein Feuer und umtanzt es stundenlang, während sie sinnlos Fusel in sich schütten, der wiederum sinnlos teuer verkauft wird.

Über die Schweizer weiß der Autor zu berichten, dass zwar nicht jeder von ihnen einen Apfel auf dem Kopf balanciert und sich mit der Armbrust abschießen lässt, die Rechnung aber, die der Kellner nach dem Verzehr eines überschaubaren Häppchens anschleppt, sehr wohl den gemeinen Geldbeutel sprengt. Ansonsten ist der Schweizer diskret bis zur Unsichtbarkeit und wird im Sommer gerne mal zum Almöhi, wenn er beim Kühe- und Ziegenhüten vor seiner Hütte in den Bergen lümmelt und sich einen Bart wachsen lässt. Dass der Franzose mit Blechkugeln um sich wirft, die Größe XXL des Amerikaners dem Europäer ein schickes Campingzelt hermacht, oder dass der Deutsche reisefreudig ist und sich entweder in Jemen entführen lässt oder die Reisekosten per Reklamation aus Prinzip zurückfordert, sind nette Vorurteile, die jedes erlahmende Gespräch wieder in Schwung bringen können.

„Urlaubslandsleute …jede Menge Vorurteile für die Reise“ ist eine herrliche Reiselektüre, die wunderbar während, vor oder auch nach der Reisetätigkeit vertilgt werden kann!

Autorenportrait:
Helge Sobik, geboren 1967 in Lübeck, ist heilfroh, dass er nicht Jurist geworden, sondern durch eine Reihe von Zufällen in den Journalismus geraten ist. Seit mehr als 15 Jahren schreibt er Auslandsreportagen für verschiedene Magazine und Zeitungen. Sein Arbeitsschwerpunkt: Kanada. Sein Lieblingsaufenthaltsort: ein Moosteppich im Nirgendwo Labradors. Bisher hat er 13 Bücher veröffentlicht, darunter auch „Urlaubslandsleute 2 … noch mehr Vorurteile für die Reise.

Urlaubslandsleute

Helge Sobik
Urlaubslandsleute
…jede Menge Vorurteile für die Reise
Solibro Verlag, Münster
ISBN 3-932927-30-3
1. Auflage 2006, 122 Seiten, Taschenbuch, Format 18 x 11,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 7,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 14,90

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