Um die Welt mit Tante Mame
Eine Weltreise in der Obhut der exzentrischen Tante
(mkb).
Von Tante Mame großgezogen zu werden ist eine Sache, „Um die Welt
mit Tante Mame“ eine andere. Autor Patrick Dennis zeigt auch in der Fortsetzung
von „Tante Mame“,
dass die Dame durchaus Potential für mehrere Folgen hat und setzt auch
diesmal die Lachmuskulatur des Lesers einer harten Belastungsprobe aus.
Diesmal verwickelt der Autor Mame in eine herzerfrischende Entführung,
die die Mutter des Gekidnappten verständlicherweise in höchste Sorge
stürzt: „„Das ist doch lächerlich, sich solche Sorgen
zu machen“, sagte ich zu Pegeen und gab mir redlich Mühe, meine eigenen
Bedenken zu verbergen. „Warum sollte der Junge Probleme kriegen, wenn
er mit seiner Großtante um die Welt reist?““ Tante Mame
holt sich Patricks und Pegeens kleinen Sohn für den Urlaub – und
behält ihn gleich dreieinhalb Jahre ein! Aus aller Welt trudeln Postkarten
mit Grüßen ein, vom Sohn keine Spur. Um seine Frau zu beruhigen,
erzählt Patrick von seiner Weltreise mit der Tante – allerdings muss
er die Erzählungen nicht unerheblich kürzen, will er Pegeen nicht
vollends in Sorge stürzen: „„Ach so, ja. Einmal sind wir
sogar im französischen Nationaltheater gewesen.“ „Und?“
„Das war alles.“ Natürlich war das nicht alles, aber eher hätte
ich mir die Zunge abgebissen, als Pegeen von Tante Mames Abstecher nach Paris
zu erzählen.““ Aber dem Leser werden die Abstecher nicht
vorenthalten, keinen einzigen und das ist gut so!
Wenn eine „höchst ungewöhnliche Frau“ eine Weltreise
antritt, kann das unter Umständen haarsträubende Folgen haben: In
Frankreich schubst die Schauspielerin Vera Tante Mame annähernd unbekleidet
auf die Bretter der Pariser Folies-Bergère, in Großbritannien spielt
sie die Grande-Dame und gerät prompt in die Fänge einer Betrügerin,
nimmt den Heiratsantrag des Edelmannes Basil Fitz-Hugh an und befreit in Spanien
ihre Freundin aus den Klauen eines Heiratsschwindlers, was sie wiederum die
Verlobung mit Basil kostet. In Russland schließlich bekennt sich die verrückte
Tante zur klassenlosen Gesellschaft und erlöst Ito, ihren Diener und Fahrer,
kurzerhand aus ihrer Herrschaft: „„Haben Sie es bequem, Genosse?“,
fragte Tante Mame Ito. „Nein, Madam“, sagte Ito und lächelte.
„Ito! Wie oft soll ich Ihnen noch sagen, dass Sie mich nicht Madam nennen
sollen! Ich habe Ihnen Ihre Freiheit gegeben! Ich habe Sie aus der Leibeigenschaft
befreit und Sie in eine Welt gleichberechtigter Menschen entlassen, nachdem
ich Sie jahrelang selbstsüchtigerweise dem Joch häuslicher Zwangsarbeit
unterworfen habe. Ich hoffe, Genosse Ito“, sagte sie, etwas freundlicher,
„dass Sie mir eines Tages vergeben werden.“ „Machen Sie sich
keine Sorgen, Madam Genossin“, sagte Ito und brach in schallendes Lachen
aus.“
Und schallend gelacht habe auch ich, über 400 Seiten lang. Dies nicht alleine
Dank des Autors, sondern auch Dank des Übersetzers Thomas Stegers, dem
es gelungen ist alle amerikanischen Spitzfindigkeiten nahtlos in die deutsche
Sprache zu übersetzen und der deutschen Erstveröffentlichung damit
den Humor, der den Roman trägt, erhalten hat.
„Um die Welt mit Tante Mame“ ist ein wunderbar geschriebener Roman,
der für amüsante, unterhaltsame Stunden sorgt!
Autorenportrait:
Edward Everett Tanner III. (1921-1976), alias Patrick Dennis, war von 1950 bis
1960 einer der meistgelesenen Autoren Amerikas. Fast alle seine 16 Romane waren
Bestseller, darunter auch der Kulterfolg „Tante
Mame“, Vorbild für ein Theaterstück, ein Musical
und einen Hollywoodfilm. Er war eine schillernde Figur und eine Berühmtheit
in der New Yorker Bohème. Als ihm im Jahr 1970 der finanzielle Ruin drohte,
nahm er eine Stelle als Butler an, ein Beruf, den er bis zum Ende seines Lebens
ausübte.
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