The Cocka Hola Company
Skandinavische Misanthropie
(asp).
Das Hörbuch „The Cocka Hola Company“ ist nichts für Zartbesaitete.
Gelegentlicher Ekel, Empörung und Desillusionierung gehören zu den
ganz normalen Nebenwirkungen des Projekts Misanthropie, das der skandinavische
Kultautor in seinem Skandalroman „The Cocka Hola Company“ entspinnt.
Gleich zu Beginn des gut zweistündigen Hörbuches wird der Hörer
mit dem von allen Konventionen befreiten Leben der Hauptfiguren Simpel, Casco,
Tiptop und Speedo konfrontiert – und zwar schonungslos. Bei einem Pornodreh
– im Hörbuch natürlich samt der entsprechenden Geräuschkulisse
– befriedigt Tiptop seinen Partner Casco oral, ohne dass dieser begreift,
dass es ein männlicher und kein weiblicher Mund ist, der ihm zum Höhepunkt
treibt. Wer an dieser Stelle schon daran denkt, den CD-Player auszustellen,
sollte noch etwas durchhalten. Denn der Weg des ordinär-pornografischen
wird schnell wieder verlassen und verästelt sich in viele kleine Pfade,
die zwar unkonventionell aber unterhaltsam sind.
Die Geschichte, welche sich um die Figuren ereignet, ist weniger Zentrum als
Schauplatz für Charaktere, die in ihrer Verächtlichkeit und Faszination
den eigentlichen Reiz dieses Hörbuches ausmachen. Gelangweilt vom Leben,
führen sie eine Existenz jenseits von Mainstream und bürgerlicher
Moral. Der Umgang untereinander könnte kaum respektloser sein, in einer
verstümmelten Sprache lassen sie ihren Aggressionen Luft. Auch das einzige
Kind in dieser Geschichte ist bereits absolut verkorkst. Lonyl, der Sohn des
übelsten Misanthropen Simpel, terrorisiert systematisch sein Umfeld. Sein
Vater gehört neben Casca, Tiptop und Speedo zur Szene einer Porno-Produktionsfirma,
die nebenbei auch mehrere Tochtergesellschaften unterstützt. Ein Projekt
aus dieser Schmiede betrifft Speedo. Seine Aufgabe für die nächsten
drei Jahre soll der steile Abstieg zum Alkoholiker sein, für Scheitern
steht Vertragsstrafe.
Die Weltanschauung dieser Figuren könnte nicht hoffnungsloser sein, ihr
Umgang untereinander nicht respektloser, ihr Sex nicht liebloser. Doch gerade
in dieser Übersteigerung liegt die Komik von „The Cocka Hola Company“,
aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzt. Denn auch wenn
die zynische Entlarvung der fixen Idee von Selbstverwirklichung und individuellem
Glück nicht optimistisch stimmt, gelingt es Autor Matias Faldbakken doch
auf amüsante Weise. Einen besonderen Reiz bekommt „The Cocka Hola
Company“ zusätzlich durch eine erlesene Sprecherauswahl (Julia Hummer,
Fabian Hinrichs, Frank Spilker, Angie Reed, Jens Rachut und viele mehr) und
eine sehr lebendige Aufnahme. Als Hörspiel mit fast zwanzig Sprechern,
darunter auch Größen der Hamburger Musikszene wie Rocko Schamoni
oder Das Bo, wirkt das Geschehen farbig und lebendig. An manchen Stellen erweist
sich die provokante, leicht verstümmelte Sprache der Figuren etwas aufdringlich,
was dem Hörvergnügen letztlich aber keinen Abbruch tut.
„The Cocka Hola Company“ verspricht mit Komik gepaarte Verstörung
mittels wahnsinniger Geschichte und verkorkster Charaktere, eine brisante Mischung
und außergewöhnliche Unterhaltung!
Autorenportrait:
Matias Faldbakken, 1973 geboren, Sohn des berühmten Schriftstellers Knut
Faldbakken, lebt in Oslo als bildender Künstler. Veröffentlichte unter
dem Pseudonym „Abo Rasul“ in Norwegen die heftig umstrittenen, später
dann gefeierten Romane „The Cocka Hola Company“ sowie „Macht
und Rebel“. Er zählt zu den bedeutendsten skandinavischen Gegenwartsautoren.
Sprecherportrait:
Rocko Schamoni ist die gute Seele der Hamburger Musikszene. Solokünstler,
Comedian im „Studio Braun“ und Autor des semibiografischen Romans
„Dorfpunks“.
Julia Hammer ist eins der größten Talente des Neuen Deutschen.
Das Bo schrieb als Mitglied der Rap-Crew „Tobi & Das Bo“ und
„Fünf Sterne Deluxe“ hanseatische HipHop-Geschichte.
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