Sylt
Insel zwischen Sturm und Stille
(mkb).
Fotograf und Autor Christian Papendick hat mit der Kamera Sylt in allen Himmelsrichtungen
bereist und fotografiert. Entstanden ist der Bildband „Sylt – Insel
zwischen Sturm und Stille“, welcher besonders durch Landschaftsaufnahmen,
die Atmosphäre vermitteln und die herbe Schönheit Sylts wiedergeben,
besticht.
Der Leser begleitet Christian Papendick über den aufgeschütteten Bahndamm
nach Westerland und verweilt dort einen ersten Augenblick vor der windschiefen
Figurengruppe „Reisende Riesen im Sturm“; einem Kunstwerk, welches
das Augenmerk auf das zuweilen raue Nordseeklima lenkt. Von dort aus geht es
weiter „in den Süden der Insel, nach Hörnum, um von hier
aus am Meer entlang die ganze Insel bis zum Ellenbogen kennen zu lernen“.
Hinter Dünen geduckte Reetdachhäuser und weite Dünenlandschaften,
über den Horizont ziehende Wolkenkarawanen und steil abfallende Felsklippen
stehen für eine Vielfalt, die nicht zuletzt den Charme der Insel ausmacht.
Ein rauer Charme allerdings, der ebenso auf der ständigen Bedrohung der
an den Landmassen nagenden Nordsee beruht. Über die Zeit hat der Verlauf
der Insel auf diese Weise immer wieder neue Formen angenommen, sind ganze Dörfer
den Fluten zum Opfer gefallen. Die nur zehn Jahre alte Aufnahme der Hörnum-Odde
stellt somit ein nicht mehr existentes Landschaftsbild dar, deren Dünenmantel
der Nordsee irgendwann nicht mehr hatte trotzen können. Die Sicherung der
Insel, wie die Kersig-Siedlung auf den Dünen am Westrand, ist ein kostspieliges,
aber unvermeidliches Unterfangen – und wird dennoch nie mehr als eine
lebensverlängernde Maßnahme mit zeitlicher Begrenzung sein können.
An Rantums Reetdächern vorbei führt die Reise zurück nach Westerland.
Westerland, das seit 1905 Stadtrecht genießt und dem Urlaubenden neben
Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants auch ausreichend Kultur anbietet.
In der Musikmuschel am Strand werden Konzerte veranstaltet, die vom Meeresrauschen
untermalt ein ganz besonderer Ohrenschmaus sind; Galerien und Lesungen sorgen
für Unterhaltung und dem Besucher bleibt nicht selten die Qual der ansehnlichen
Wahl. Westerlands Stadtbild jedoch hat an den zahlreichen Bausünden der
Nachkriegsjahre Schaden genommen. Effektive Betonriesen ersetzen die einst stilvollen
Jahrhundertgebäude, sitzen manchem Bewohner noch heute wie „ein
Pfahl im Fleische“. Auswüchse, die sich glücklicherweise
auf die Stadt reduziert haben, Sylts Dörfer ihrem traditionellen Baustil
weitgehend treu geblieben.
Sylt hat auch kulinarisch einiges zu bieten: „Wer gut zu Fuß
ist und gern barfuß an der Brandung entlanggehen mag, sollte den Gang
am Strand bis nach Sansibar wählen (...) das als flach bedachter Holzbau
sich wie eine Ski-Hütte in die Dünen einduckt. Alles zusammen ergibt
zunächst einmal eine hinreißende Atmosphäre, die der Schwabe
Herbert Seckler geschickt mit einer exzellenten Speisekarte zu verbinden weiß.“
Der Blick auf jene Speisekarte zeigt den Spagat, der den Betreibern des Restaurants
durchaus gelungen ist: In der Auswahl befindet sich für jeden Portemonnaieumfang
etwas. Dem Besucher stehen von Champagner und Kaviar bis zu Pommes mit Majo
alle Preisklassen zur Verfügung, und man kann sich sicher sein, dass der
Bestellumfang keinen Einfluss auf die Freundlichkeit der Bedienung haben wird,
kleinere Preise keineswegs automatisch mindere Qualität bedeuten. Steht
einem der Sinn nach aus dem Meer Gefischtem, ist „Gosch’s nördlichste
Fischbude“ zu empfehlen, wo Fischiges in allen Variationen serviert wird.
Oder doch lieber in der „Kupferkanne“ bei Kaffee und Kuchen „zwischen
kugelig geschnittenen Latschenkiefern“ sitzen und hat „man
einen guten Platz erwischt, die Sicht zwischen den Kiefern auf das Watt“
genießen? Auch hier die Wahl, die leicht zur Qual werden könnte.
Christian Papendick bietet in „Sylt – Insel zwischen Sturm und Stille“
nicht nur Wissenswertes und Interessantes im Text, sondern hat mit seinen Fotografien
den Charakter der Insel eingefangen und wiedergegeben. Ein Bilderband zum Schwelgen,
der Sehnsüchte und Reiselust weckt!
Autorenportrait:
Christian Papendick, geboren 1926 in Königsberg/Pr. – Studium der
Architektur an der „Hochschule für Bildende Künste“ in
Hamburg 1949-1954. Seit 1960 als Freischaffender Architekt tätig –
seit 1987 auch als Freischaffender Landschaftsarchitekt. Heute Fotograf mit
Schwerpunkt Architektur und Landschaft. Buchautor, Reiseschriftsteller, kulturhistorische
Reiseführungen zum Thema Geschichte, Architektur und Landschaft in das
nördliche Ostpreußen, auf die Kurische Nehrung und in die baltischen
Staaten. Mitglied des „Bundes Deutscher Architekten“. Lebt in Hamburg.
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