Sterbe- und Trauerbegleitung
Ein praktisches Handbuch
(nas).
„Noch heute stehe ich fassungslos davor, wenn Angehörige anfangen
zu weinen und wenn Schwerkranke Angst haben. Was soll man dann sagen?“
Dies fragt Sabine, die imaginäre Schülerin in Claudia Cardinals Buch
„Sterbe- und Trauerbegleitung“. Stellvertretend für Mediziner,
Pfleger, Ehrenamtliche im Hospiz, aber auch Angehörige und Freunde spricht
Sabine Fragen an, die sich jedem stellen, der mit Sterbenden konfrontiert ist.
„Ich wusste nicht, wie ich die Räume betreten sollte. Soll ich
gute Laune vorgeben, die dort überhaupt nicht spürbar ist? Oder soll
ich ernst und leise sein?“, fragt Sabine und verdeutlicht die Unsicherheit,
Zweifel und Ohnmachtgefühle, die wir im Umgang mit Sterbenden empfinden.
Was tut man nun aber, wenn der Tod sich nicht länger verdrängen lässt
und Fragen zum Umgang mit Sterbenden plötzlich im eigenen Leben aktuell
sind?
Hier kann die Autorin Claudia Cardinal weiterhelfen, denn in ihrem praktischen
Handbuch „Sterbe- und Trauerbegleitung“ gibt sie Ratschläge
und Denkanstöße, die dabei helfen, die Hoffnungslosigkeit zu überwinden.
Ihr vordergründiges Ziel ist es, Angehörige und Betroffene bei der
Sterbebegleitung so zu unterstützen, dass sie diese schwierige Situation
nicht nur ertragen, sondern aktiv gestalten können. Wie hervorragend dieses
Vorhaben gelingt, beruht nicht nur auf Claudia Cardinals langjähriger Erfahrung
in der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen, sondern auch auf der
ansprechenden Komposition des Buches.
Jedes der zehn Kapitel beginnt zunächst mit kurzen Zitaten und Aphorismen.
Auf diese Weise wird der Leser eingestimmt auf das bevorstehende Thema des Kapitels,
welches anschließend mit einer Frage der bereits erwähnten imaginären
Schülerin Sabine eröffnet wird. Bei der dann folgenden Beantwortung
dieser Frage, beleuchtet die Autorin den Hintergrund des damit angesprochenen
Problems und versucht, möglichst viele Aspekte der Frage in die Antwort
einzubeziehen. Da das Hauptanliegen darin besteht, den Leser in die Lage zum
Handeln zu versetzen, werden nun konkrete praktische Ratschläge gegeben.
Hierbei vermittelt Claudia Cardinal fundiertes Wissen, beispielsweise zu den
Grundlagen der Kommunikation, dem Verhalten Sterbender in den einzelnen Sterbephasen
oder zur Bedeutung von Ritualen. Scheinbar selbstverständliche Ratschläge,
wie „Fragen Sie Betroffene, was sie brauchen, hüten Sie sich
davor, eigene Annahmen zu machen und vorauszusetzen“, oder die Empfehlung
„Vergewissern Sie sich, ob sie Vorurteile und Verurteilungen vermieden
haben“, erweisen sich nicht nur für den Umgang mit Sterbenden,
sondern ganz allgemein für den Umgang miteinander als wertvoll.
Um die praktische Bedeutung des Empfohlenen aufzuzeigen, fügt Claudia Cardinal
Erlebnisse aus der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen hinzu. Dabei
wird deutlich: Für Sterbebegleitung gibt es kein Patentrezept, jede Situation
ist anders. Doch damit lässt sie den Leser nicht allein, sondern gibt gleichzeitig
Anregungen, wie man das angemessene Verhalten in der jeweils individuellen Situation
herausfinden kann.
Dem Konzept des Buches, Anregungen zu geben, folgt auch seine Bebilderung. Die
Bilder sind in schwarzweiß gehalten und haben eher symbolischen Charakter.
Dem Leser bleibt bei der Betrachtung Raum für Interpretation und eigene
Gedanken.
Obgleich das Buch „Sterbe- und Trauerbegleitung“ wohl in erster
Linie für Menschen geschrieben wurde, die mit der schwierigen Situation
des Abschieds konfrontiert sind, richtet es sich durchaus an ein breiteres Publikum.
Tod und Sterben sind Themen, die existentielle Fragen aufwerfen. Das Buch greift
diese Fragen auf und gibt wichtige Impulse, die das eigene Weltbild erweitern.
Beim Lesen gerät man schnell ins Nachdenken. Unwillkürlich fragt man
sich: Wie gehe ich eigentlich mit Tod um? Woran glaube ich? Die Auseinandersetzung
mit solch existentiellen Fragen braucht Zeit, diese sollte man sich unbedingt
auch für das Lesen nehmen. Die einzelnen Kapitel sind so gehaltvoll und
zum Nachdenken anregend, dass sich das „häppchenweise“ Lesen
empfiehlt.
Wer dringend Antwort auf eine bestimmte Frage sucht, wird für das Inhaltsverzeichnis
am Anfang des Buches dankbar sein, denn es bietet eine hilfreiche Kurzbeschreibung
der Kapitelinhalte. Ebenso leicht zu finden sind die praktischen Ratschläge
für die Begleitung. Diese wurden von der Autorin am Ende jedes Kapitels
in einem grau unterlegten Kasten zusammengefasst, welcher auch zahlreiche Literaturempfehlungen
und Hinweise auf Internetseiten enthält. Auf der letzten Seite des Buches
finden sich zudem Adressen, bei denen Informationen zu Trauergruppen erhältlich
sind, sowie Vorschläge, an wen man sich auf der Suche nach Unterstützung
wenden kann.
Es erfordert Mut, sich dem Abschied zu stellen, sagt die Autorin und vermittelt
mit ihren konkreten Ratschlägen gerade diese Courage. „Sterbe- und
Trauerbegleitung“ ist ein Buch, das seinen Untertitel „Ein praktisches
Handbuch“ redlich verdient hat.
Autorenportrait:
Claudia Cardinal, Jahrgang 1955, lebt und arbeitet als Heilpraktikerin, Autorin
und Sterbeamme in Hamburg. Sie blickt auf eine langjährige Tätigkeit
als Dozentin in der Aus- und Fortbildung von Heilpraktikern, Medizinern, Pflegekräften
und Hospizmitarbeitern zurück.
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