Resturlaub
Das Zweitbuch
(flk).
Resturlaub – das sind die Tage im Jahr, an denen man den überschüssigen
Urlaub abfeiert, verbrät, verheizt. Nichts von Belang eigentlich. Manch
einer packt dazu die ganze Freundesbande in den Koffer, pardon: Flieger, reist
gen Süden, wo er ein paar sonnige Tage verbringt und kehrt zurück
in den trauten Alltag, den Kopf voller Erinnerungen an kurzweilige Gruppenbespaßungen
unter der stets verlässlichen mediterranen Sonne. Und genauso scheint auch
in diesem Jahr alles seinen gewohnten Lauf zu nehmen, im Leben von Peter Greulich,
dem sympathisch-unzulänglichen Protagonisten in Tommy Jauds Zweitbuch „Resturlaub“.
Da aber eröffnet ihm just vor der Abfahrt seine Freundin Biene („Mausbär“,
„Bastelbär“ – wer da mal keine Teddyphobie entwickelt),
dass es doch mal an der Zeit wäre, in der Beziehung einen Fuß vor
den nächsten zu setzen und gemeinsam einen Schritt weiter zu gehen. Nachwuchs
will die Partnerin, und sie hat auch schon genau geplant, wo dieser entstehen
soll: „Lass es uns auf Mallorca machen.“
Wenn mancher (männliche) Zeitgenosse sich nun ob solcher weit gedungenen
Planungen für den finalen Lebensabschnitt überfahren sieht, so ist
das vielleicht verständlich und nachvollziehbar, trotzdem aber dürfte
des Lesers Reaktion auf die sich nun überschlagenden Ereignisse eine durchaus
kritische sein. Keine 24 Stunden nach geplantem Urlaubsbeginn nämlich befindet
sich die ganze Bande aus dem beschaulichen Bamberg nichts ahnend am Strand von
El Arenal, während unser Spezi „Pitschi“ in einem Akt postadoleszenter
midlife-crisis den erstbesten Flieger entert. Ganz weit weg. Dort kommt er dann
auch an – Buenos Aires heißt die Stadt, die den fränkischen
Jung in ihren Bann zieht. Und keine Woche später scheint das Chaos dann
seinem finalen Akt entgegenzutaumeln: In der Stadt, die niemals schläft,
an der Seite eines argentinischen Models und mit Resten des Schnees in der Nase,
der für einen rastlosen Moment nie zuvor gesehene Horizonte öffnet,
fühlt Peter Greulich plötzlich die Sehnsucht nach dem Natürlichen,
Verlässlichen, Beschaulichen in seinem alten Leben, das er noch zuvor so
vehement zurückgestoßen hatte.
„Resturlaub“ ist kein normaler Roman, es ist vielmehr eine Gebrauchsanleitung
zum Thema „Wie werde ich endlich erwachsen“. Manch einer braucht
dazu Jahre, andere schaffen es, so scheint es, nie. Wer jetzt aber schlussfolgert,
es mit einem dieser vor Lebensweisheiten nur so strotzenden Hausfrauenratgebern
zu tun zu haben, der irrt. Zwar stecken auch davon eine Menge in Tommy Jauds
„Resturlaub“, doch um diese zu finden muss man zwischen den Zeilen
lesen. Hier nämlich offenbart sich schon nach wenigen Seiten die Klasse,
der Witz und der Charme dieses Buches und damit die seines Autors. Tommy Jaud
zündet ein Feuerwerk an Witzen, deren Dreistigkeit und Chuzpe vor allem
aus dem regionalfolkloristischen Kolorit (zum Schreien die dicke Schwäbin
und das fränkische „Butterhörnle“) und seiner liebevoll-provokanten
Figurengestaltung resultieren. Keinen Vergleich braucht der ehemalige Zivi aus
der Bienengruppe des Kindergartens mit den Größen der deutschen Popliteraturszene
zu scheuen: Tommy Jaud macht sie alle nass!
Autorenportrait:
Tommy Jaud, geboren 1970 im fränkischen Schweinfurt, war nach dem Abitur
Zivi im Kindergarten (Bienengruppe) und hätte beinahe ein Germanistik-Studium
an der Bamberger Uni abgeschlossen. Sendungen wie „RTL Samstag Nacht News“
und die „Sat1 Wochenshow“ zogen ihn schließlich nach Köln,
wo er zurzeit als freier Autor arbeitet. Er war Headwriter für die „Wochenshow“
und Creative Producer der Kultsendung „Ladykracher“. Zuletzt hat
er die Drehbücher zur Comedyserie „Liebesleben“ und für
die Kinoverfilmung von „Vollidiot“,
seinen ersten Roman, geschrieben. Sein dritter Roman
heißt „Millionär“.
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